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Freitag, den 11. August 2017 09:00

Auf die Anlaufalm am 15. August


Bgm Hans Fessl und Karl Grabmayr, LK OÖ

38. OÖ Almwandertag im Reichraminger Hintergebirge

Der 38. OÖ Almwandertag führt am 15. August auf die Anlaufalm im Gemeindegebiet von Reichraming. Der Festakt beginnt um 10 Uhr. Zur Anlaufalm reist man am besten über Großraming an – über die Ennsbrücke zur Ortschaft Brunnbach (ca. 10 km) und weiter bis zu den gekennzeichneten Parkplätzen.
Die Anlaufalm, auch „Anlaufbodenalm“ genannt, liegt auf 982 Metern Seehöhe im Reichraminger Hintergebirge (Nationalpark Kalkalpen). Bewirtschaftet werden die Anlauf- und die Ebenforstalm durch die Weidegenossenschaft Großraming eGen. Diese wurde 1920 gegründet und besteht aus 35 Mitgliedern. Ein Teil der Anlaufalm ist mit Maschinen gut erreichbar und durch Wege erschlossen. Wo dies nicht möglich ist, müssen die Steilflächen händisch bewirtschaftet werden. Seit 2013 wird die Almhütte von Maria Hahn bewirtschaftet. Grundeigentümer sind die Österreichischen Bundesforste.

Pachtfläche: 93,3 Hektar
Almfutterfläche: 69,9 Hektar

Von Mitte Mai bis Mitte September werden ca. 100 Stück Jungvieh samt einiger trockenstehender Milchkühe von rund 20 Betrieben aufgetrieben.

Rund 400 Almen werden in Oberösterreich bewirtschaftet. Dort fühlen sich nicht nur die rund 5.000 aufgetriebenen Rinder und andere Nutztiere wohl, sondern auch Touristen. Denn die offenen Weideflächen bilden das Rückgrat des Wandertourismus und stellen wertvolle Naturflächen dar. Sollen die Almen weiter bewirtschaftet werden, braucht es eine stabile wirtschaftliche Grundlage. Auch beim diesjährigen Almwandertag am 15. August wird die landwirtschaftliche Nutzung wieder in den Vordergrund gerückt.

Erhöhte Tiergesundheit durch Alpung
„Die Almwirtschaft zeichnet durch ihre unterschiedlich genutzten Weideflächen das charakteristische, strukturreiche Landschaftsmosaik unserer alpinen Kulturlandschaft“, erklärt Karl Grabmayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer OÖ. Die Pflanzen haben vielfach eine gedrungenere Wuchsform, bilden aufgrund der härteren Umweltbedingungen aber auch mehr wertvolle Inhaltsstoffe aus, die den Weidetieren zugutekommen. Gealpte Tiere haben nachweislich ein vitaleres Herz-Kreislauf-System, mehr rote Blutkörperchen und eine verbesserte Immunstoffbildung. Der Auftrieb auf die Alm fördert daher nachweislich die Tiergesundheit und entspricht den hohen gesellschaftlichen Anforderungen an das Tierwohl voll und ganz.

Almbewirtschaftung als gesellschaftlicher Auftrag
Die biologische Vielfalt und das bodenständige Kulturgut sind von enormen gesellschaftlichem Wert. Im Zusammenhang mit den Almen wird bereits von „Seelenschutzgebieten“ gesprochen. Die am Markt erzielbaren Erträge reichen nicht aus, um den Fortbestand der Almen zu sichern. „Alpungsprämien und andere Ausgleichszahlungen sind notwendig, um auf den Almen nachhaltig zu wirtschaften. Diese Mittel sind angesichts der Bedeutung der Almen für den Tourismus und den Erhalt der Biodiversität mehr als gerechtfertigt“, so Karl Grabmayr.

Bürgermeister Johann Feßl, Obmann des Oberösterreichischen Almvereines

Viehauftrieb sorgt für offene Almflächen
Die oberösterreichische Almregion erstreckt sich über die politischen Bezirke Vöcklabruck, Gmunden, Kirchdorf und Steyr-Land. 2016 wurden rund 400 Almen bewirtschaftet. Die bewirtschafteten Flächen liegen schwerpunktmäßig im Bereich der Niederalmen (bis 1.300 m Seehöhe). Aber auch extreme Hochalmen (fast ausschließlich im Salzkammergut) mit schwierigen Bewirtschaftungsverhältnissen sind in Betrieb. Die Almen in Oberösterreich zeichnen sich durch einen hohen Waldanteil aus. So beträgt die gesamte Almkatasterfläche 23.800 Hektar, davon werden rund 4.000 Hektar als reine Almfutterfläche eingestuft.

Die Anzahl der Viehauftreiber hat sich mit 849 Betrieben (2001) auf 630 Betriebe (2016) um ein Viertel reduziert. Die anfallende Almarbeit muss von immer weniger Auftreibern erbracht werden. Für diesen Zeitraum sind die gealpten Rinder mit rund 4.900 Stück (meist Jungvieh) beinahe gleichgeblieben. Bei anderen Nutztieren hat sich der Bestand verringert, sodass 2016 53 Milchkühe, 63 Pferde, 839 Schafe und 68 Ziegen im Sommer auf die Alm gebracht wurden. Schafe werden traditionell im Salzkammergut auf die Almen aufgetrieben. „Nur mit ausreichendem Viehauftrieb können die Almflächen offengehalten werden. Die Almbörse des OÖ Almvereines leistet wertvolle Arbeit, um den Tierauftrieb zu forcieren und vermittelt Almarbeitskräfte“, betont Almvereinsobmann Bürgermeister Johann Feßl aus Edlbach.

Jährliche Pflegemaßnahmen
Die Tiere verbringen die Zeit von Mitte Mai bis Ende September auf den Almen. Für eine sichere Haltung der Tiere ist die jährliche Ausbesserung der Weidezäune, die Räumung von Steinen und Lawinenschäden und die Pflege der Weideflächen bzw. Tränken notwendig. Nur so bleiben die Almen in einem gepflegten Zustand. Ohne diese Maßnahmen und durch den Verbiss der Weidetiere würde auf den Niederalmen alles verwalden. „Die Almen leisten einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der tierhaltenden Betriebe. Nur wenn diese erhalten bleiben, können die Almen bestoßen werden“, so Feßl.

Richtiges Verhalten im Kontakt mit Weidevieh
Leider kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Wanderern und Weidevieh. Rinder sind grundsätzlich gutmütig, können aber auf Hunde oder zum Schutz der Jungtiere aggressiv reagieren. Grundsätzlich gilt: Hunde sind an die Leine zu nehmen, damit diese nicht unkontrolliert durch die Weiden laufen. Sollte es zu einem Konflikt kommen, ist der Hund abzuleinen, damit er weglaufen kann und Wanderer nicht weiter bedroht werden. Auffällige Tiere sind dem Weideverantwortlichen zu melden. Die wichtigsten Verhaltensregeln auf Almen sind in einem Folder der Landwirtschaftskammer zusammen gestellt und unter https://tirol.lko.at/eine-alm-ist-kein-streichelzoo+2500+2214720 zu finden.

Den eigenen Müll wieder mitzunehmen, markierte Wege nicht zu verlassen und Weidezäune nicht zu beschädigen, sind Verhaltensregeln, deren Einhaltung erwartet werden dürfen.

 

Bild (LK OÖ) Bgm Hans Fessl und Karl Grabmayr, LK OÖ


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