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Mittwoch, den 16. Mai 2018 08:00

Akuter Ärztemangel in Wels


Vizebürgermeisterin Silvia Huber

Jeder 10. in Wels bald ohne Hausarzt! SPÖ schlägt Anreiz für Ordinationsgründung vor

FPÖ und ÖVP tun nichts gegen Ärztemangel in Wels - Stadtkoalition stimmt gegen gezielte Maßnahme!

„Aufgrund der Pensionierungswelle bis 2021 wird bald jeder Zehnte in Wels ohne Hausarzt dastehen“, warnt SP-Gemeinderat Karl Schönberger. Die sozialdemokratische Fraktion ist überzeugt davon: Es braucht einen Lenkungseffekt, damit sich Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag in Wels niederlassen. Schönberger brachte bei der Gemeinderatssitzung am Montag einen Initiativantrag ein, indem die SPÖ die Einführung von Richtlinien zur gezielten Förderung von Kassenärzten vorschlägt, die in Wels eine Ordination eröffnen. Die FPÖ-ÖVP- Stadtkoalition lehnt diese Maßnahme gegen den Ärztemangel ab! Grüne und Neos sind dafür.

Derzeit fehlen in Wels drei praktische Ärzte mit Kassenverträgen. Die Nachbesetzung offener Stellen ist mehr als schwierig, wie die Suche nach einer neuen Amtsärztin zeigt, die sieben Wochen dauerte. Wenn sich niemand findet, der die Ordination des praktischen Arztes Dr. Strobel in der Straubingerstraße übernimmt, dann stehen ab Oktober im Bereich Neustadt und Puchberg rund 2.500 PatientInnen ohne Hausarzt da.

„Für ältere und nicht mobile Personen ist es schlimm, wenn fußläufig kein Hausarzt mehr erreichbar ist“, gibt SP-Gemeinderat Karl Schönberger zu bedenken.

Die SPÖ will mit einer eigenen Förderung für Ordinationseröffnungen von Kassenärzten gezielt etwas gegen den Ärztemangel in den Stadtteilen tun, denn im Wettbewerb mit anderen Gemeinden um Allgemeinmediziner braucht es neben einer engen Zusammenarbeit mit der Gebietskrankenkasse und der Ärztekammer auch Anreize von der Stadt, dass Mediziner eine Kassenarztpraxis in Wels übernehmen. Das ist notwendig, denn nicht alle Patienten sind finanziell in der Lage einen Wahlarzt aufzusuchen!

Die blauschwarze Mehrheit lehnt den Vorschlag der SPÖ kategorisch ab und beruft sich auf die bestehende Wirtschaftsförderung. Diese ist aber nicht treffsicher genug. Dazu sagt Vizebürgermeisterin Silvia Huber:

„Die aktuelle Wirtschaftsförderung hat in Bezug auf praktische Ärzte mit Kassenvertrag keinen entsprechenden Lenkungseffekt.“

Die SPÖ kritisiert die Doppelmoral von FPÖ und ÖVP. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte die blauschwarze Stadtkoalition selbst gefordert, die Nachbesetzung der allgemeinmedizinischen Praxen in der Stadt Wels sei dringend erforderlich, um die quantitative und qualitative Gesundheitsversorgung der Welser Bevölkerung zu gewährleisten. Nun lehnen beide Parteien die Initiative der SPÖ gegen den Ärztemangel mit ihrer Mehrheit ab.

„Diese Förderung wäre ein kleiner Anreiz für Ordinationsübernahmen, viel mehr können Gemeinden leider nicht gegen den Hausärztemangel unternehmen, denn für die Bestellung von Kassenärzten sind Gebietskrankenkasse und Ärztekammer zuständig“, betont Gesundheitsreferentin Huber.

Um die Zahl von derzeit 29 praktischen Ärzten mit Kassenvertrag zu erhöhen und bei Pensionierungen einen möglichst nahtlosen Übergang zu fördern, gibt es laufend Kontakt mit Ärztekammer und Gebietskrankenkasse. Die Stadt ist auch bei der Suche nach geeigneten Ordinationsräumen behilflich. Einziger Hebel, um die ärztliche Versorgung in den nächsten Jahren generell zu verbessern, wäre eine Anpassung der Kassenverträge.

Handlungsbedarf: Suche nach neuem Hausarzt immer schwieriger
Solange möchte die SPÖ angesichts der bevorstehenden Pensionierungswelle von Allgemeinmedizinern nicht zuwarten, denn schon jetzt ist es schwierig in Wels einen Kassenarzt zu finden, der neue PatientInnen aufnimmt.

Es kursieren bereits mehrere Unterschriftenlisten, wo die Gemeindepolitik zum Handeln aufgefordert wird. „Das ist unsere Pflicht – fünf fehlende Hausärzte betreffen zehntausende Welserinnen und Welser“, zeigt SP-Gemeinderätin Barbara Wildfellner auf.

In Wels versorgt eine Hausarztpraxis im Schnitt 2.379 PatientInnen. Derzeit sind drei Vertragsarztstellen ausgeschrieben. Besonders problematisch ist die Situation im Norden der Stadt, wo ein praktischer Arzt in Pension geht, der rund 2500 Menschen versorgt.

„Dieser Antrag soll der Auftakt zu einer umfassenden Diskussion über die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in den Welser Stadtteilen sein“, kündigt SP-Gemeinderat Schönberger an.


Bild (SPÖ Wels): Vizebürgermeisterin Silvia Huber


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