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Dienstag, den 09. Oktober 2018 08:00

Haastreubende Ergebnisse


Pressekonferenz zur Sitauation im Welser Taxigewerbe

Stadt Wels und Wirtschaftskammer gemeinsam für sicheres Taxifahren

Über mehrere Monate hinweg waren heuer geschulte Testmitfahrer anonym mit Welser Taxiunternehmen unterwegs. Das Ergebnis dieses „Mystery Shopping“ liegt nun vor.

Hintergrund
In Wels sind aktuell 100 Taxis zugelassen, sie werden von 42 Unternehmen betrieben. Unter anderem hatten sich beim Bürgercenter der städtischen Dienststelle Bürgeranliegen die Beschwerden von Taxikunden über bestimmte Betriebe gehäuft. Geklagt wurde dabei etwa über Qualitätsmängel, Raserei und Betrug bis hin zu Übergriffen. Diese Vorwürfe fanden teilweise auch Eingang in die Medien. Um dem gezielt nachzugehen, hatten die Stadt Wels sowie die Fachgruppe Taxiunternehmen der Wirtschaftskammer Oberösterreich die Shop Marketing Unternehmensberatung aus Marchtrenk mit anonymen Testfahrten beauftragt.

Ergebnisse
Von Freitag, 27. April bis Sonntag, 9. September führten die „Mystery Shopper“ auf diese Weise 60 Testfahrten mit Schwerpunkt bei jenen Welser Taxiunternehmen durch, bei denen im Vorfeld Beschwerden vorgelegen waren. Das Resultat: In fünf Fällen war alles in Ordnung. Bei weiteren 33 Fahrten kam es lediglich zu leichten Verfehlungen. Jedenfalls würden die betreffenden Mystery Shopper nach ihren Aussagen gerne wieder dieses Taxi in Anspruch nehmen. Bei den restlichen 22 Fahrten gab es hingegen zum Teil schwere Verfehlungen, wie beispielsweise

  • eine Geschwindigkeit von 160 km/h im Stadtgebiet,
  • bei Rot über die Kreuzung fahren,
  • gegen eine Einbahn fahren,
  • Betrug oder schlampiger Umgang mit Belegen (z. B. Einfordern einer Beleggebühr von 5 Euro, lediglich Ausgabe eines handgeschriebenen, kaum leserlichen Zettels) oder überhaupt
  • Missachtung der Belegspflicht,
  • Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung oder
  • Tippen von SMS während der Fahrt,
  • Fahrt ohne Taxameter im Stadtgebiet sowie
  • Fahren eines großen Umwegs.

Maßnahmen und Forderungen
Nun gilt es, diesen unseriösen unter den Welser Taxiunternehmen wirksam zu begegnen. Aus den Unterlagen ergeben sich folgende gemeinsame Maßnahmen beziehungsweise Forderungen:

  • Anzeige beim Stadtpolizeikommando Wels
  • Anzeige bei der Gewerbebehörde
  • Möglichkeit des Einhebens von Organmandaten durch die Polizei bei Übertretungen der Betriebsordnung
  • Weiterhin verstärkte Kooperation zwischen Stadt (allgemein und besonders die Gewerbebehörde), Wirtschaftskammer und den zuständigen Behörden (Finanz, Gebietskrankenkasse und Polizei)
  • Novellierung beziehungsweise Adaptierung der Bestimmungen der Oberösterreichischen Landesbetriebsordnung

Zitate
Sicherheitsreferent Vizebürgermeister Gerhard Kroiß: „Es ist mir ein großes Anliegen, dass die Kunden in Wels mit einem sicheren Gefühl in ein Taxi steigen können. Alle relevanten genannten Vorfälle werden zur Anzeige gebracht. Wir werden alle gesetzlichen Möglichkeiten nützen, damit die auffällig gewordenen Taxiunternehmen und -lenker künftig keine Personentransporte mehr durchführen dürfen!“

Wirtschaftsstadtrat Peter Lehner: „Die unübliche Vorgehensweise, als Stadt in Kooperation mit der Wirtschaftskammer anonyme Testfahrten zu beauftragen, hat aufgezeigt, dass eine kleine Zahl von Taxiunternehmen eine grundsätzlich sehr gut funktionierende Branche schwer beschädigt. Die Beschwerden und Wahrnehmungen aus der Bevölkerung wurden mehr als bestätigt. Fahrgäste und seriöse Taxiunternehmen müssen sich sicher sein, dass die Behörden sämtliche Möglichkeiten ausschöpfen, um die Problemtaxler aus dem Verkehr zu ziehen.“

Fachgruppenobmann Gunter Mayrhofer: „Die Beschwerden haben sich leider in einem durchaus namhaften Ausmaß bestätigt. Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass wir die Branchenvertretung sind, haben aber auch den Auftrag, seriös agierende Unternehmen – auch in Wels gibt es zahlreiche davon – vor jenen zu schützen, die als ,schwarze Schafe‘ eine ganze Branche in Misskredit bringen. Uns geht es um die Qualitätssicherung, denn das Taxi muss auch weiterhin ein sicheres Verkehrsmittelsein. Wir selbst werden die Situation weiter ganz genau beobachten, und sollte sich nichts ändern, dann wird es zu weiteren Kontrollen kommen.“

 

Bild: Stadtgemeinde Wels