Sie sind hier: BEZIRK KIRCHDORF » ST. PANKRAZ
Donnerstag, den 06. Dezember 2018 08:00

wirtschaften.arbeiten.freizeiten


WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer

Bezirk Kirchdorf ist Wirtschafts- und Lebensraum mit Zukunft

Der Wirtschaftsraum Kirchdorf gehört in Oberösterreich zu den Top-Regionen und zeichnet sich durch ein kontinuierliches Wachstum aus. Das Jahr 2018 ist gut gelaufen, die Auftragsbücher sind voll und die intensive Arbeit der Betriebe und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben das ihre dazu beigetragen. Die knapp 3200 Unternehmen im Bezirk sind vorwiegend klein- und mittelbetrieblich strukturiert. Zudem gibt es mehrere Großbetriebe, die mit ihrer Leistung und Innovationskraft wesentlich zur Entwicklung dieser Wirtschaftsregion beitragen.
 
„Wir haben im Bezirk eine funktionierende Standortpartnerschaft, in der wir mit Behörden, Institutionen und sonstigen Einrichtungen bestens zusammenarbeiten. Ein Schwerpunkt ist für die WKO Kirchdorf die Digitalisierung. Mit den Projekten wirtschaftsteyrtal.at und kremsmuenster.online wollen wir unter dem Arbeitstitel ‚KI-Zone statt Amazon‘ online und offline bestmöglich vernetzen. Dafür ist ein rascher Breitbandausbau notwendig“, betont WKO-Obmann Klaus Aitzetmüller. Das Thema Fachkräfte ist nicht nur jetzt ein Thema, sondern wird es auch in Zukunft bleiben. „Der Wettbewerb um den beruflichen Nachwuchs ist längst voll im Gange. Umso wichtiger ist, dass sich der Bezirk Kirchdorf als Wirtschafts- und Lebensraum mit Zukunft positioniert. Unsere Strategie hinsichtlich der Schwerpunktsetzung auf Metall- und Kunststofftechnik macht sich bezahlt und die Unternehmen boomen. Mit über 19.000 Beschäftigten in der gewerblichen Wirtschaft insgesamt und einer Steigerung um 700 Arbeitsplätze haben wir heuer den höchsten Wert erzielt, der je gemessen wurde. Leider sind wir immer noch ein Auspendlerbezirk. Darum müssen wir in den nächsten Jahren alles daran setzen, um uns noch besser darzustellen, sprich, dass man hier Wirtschaft, Arbeit und Freizeit perfekt miteinander verbinden kann“, gibt Obmann Aitzetmüller die große Zielsetzung der WKO Kirchdorf vor.
 
Oberösterreich international unter die Top 10 bringen
Beim Herbstempfang der Wirtschaftskammer Kirchdorf skizzierte WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer vor über 120 anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmern den Masterplan für den Wirtschaftsstandort Oberösterreich. „Um unser Bundesland international unter die Top 10 zu bringen, ist es unumgänglich, dass Oberösterreich seine Kräfte in den Bereichen Fach- und Arbeitskräfte, Innovation, Export, Digitalisierung sowie Entbürokratisierung und Entlastung bündelt. Wir richten der Politik nicht nur unsere Wünsche und Forderungen aus, sondern wir ergreifen auch selbst die Initiative. Als ein Beispiel sei hier im Fachkräftebereich die Duale Akademie genannt. Diese Bildungsinnovation der Wirtschaftskammer Oberösterreich ist eine österreichweit einzigartige neue Ausbildung für Maturanten, die nicht sofort ein Studium anstreben, aber auch für Studierende ohne Studienabschluss oder Berufsumsteiger. Wir schaffen damit neue Impulse für den Bildungsmarkt und die Wirtschaft“, verwies WKOÖ-Präsidentin Hummer darauf, dass die Duale Akademie jungen Menschen in Oberösterreich die Möglichkeit bietet, im Berufsleben sofort erfolgreich durchzustarten. „Wir haben gute HTLs und gute Allgemein Höhere Bildende Schulen, die selbstverständlich ihre Berechtigung haben. Aber nach einer Matura, bevor ein Studium begonnen wird, wollen wir die jungen Menschen für eine Ausbildung im Unternehmen begeistern. Uns fehlen aktuell 1000 Lehrlinge pro Jahr. Diese Lücke wollen wir mit der Dualen Akademie schließen“, betont WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer.
 

Herausforderung „Zukunft“
Die wirtschaftliche Stärke des Bezirks Kirchdorf liegt sowohl in der Regionalität als auch in der Internationalität. Im Gepräch mit WKO-Bezirksstellenleiter Sigfried Pramhas gaben Eva Auinger, Inhaberin des Cafe „Schwarz“ in Micheldorf, Gerhard Söllradl, seit 10 Jahren Betreiber eines Online-Shops in Kremsmünster und seit einem Jahr auch Beratungsunternehmer für Onlinemarketing, Josef Gebeshuber, Geschäftsführer der GTech Automatisierungstechnik in Ried im Traunkreis und Klaus Waselmayr, Geschäftsführer der Piesslinger GmbH in Molln, einen Ausblick auf die Zukunft und die damit verbundenen Herausforderungen. Die Gastronomie, so Auinger, muss die Arbeit und die Einstellung verändern. Der Fachkräftemangel in der Gastronomie ist für sie auch ein Ergebnis von Versäumnissen in der Vergangenheit, sei es in den Schulen oder generell am Arbeitsmarkt. „Es hat früher nur die Work-Life-Balance in der Gastronomie gegeben. Aber auch wir müssen es schaffen, dass Eigentümer und Mitarbeiter eine Life-Life-Balance entwickeln, mit der sich Arbeitszeit und Privatleben optimal abstimmen lassen.“
 
Für Gerhard Söllradl ist die größte Herausforderung, dass im Online-Bereich nicht mit gleichen Waffen gekämpft wird. Dies beginnt bei den unterschiedlichen Steuersätzen, wobei die großen Giganten deutlich bevorzugt sind. „50 Prozent des Umsatzes werden von den 10 größten Unternehmen gemacht. Für kleinere Onlinebetriebe kann deshalb die Zukunft nur in Kooperationen und im Zusammenstehen liegen. Die Branchen müssen sich gegenseitig helfen. Onlinehandel ist weder gut noch böse. Es kommt immer nur darauf an, was daraus gemacht wird. Man muss auf die Marktmechanismen aufpassen, damit sich diese nicht komplett verändern und der kleine regionale Händler zum verlängerten Arm der Riesenkonzerne wird.“
 
Gute Ideen und Innovationen haben die bisherige Geschichte seines Unternehmens geschrieben. Dieser Erfolg wäre aber ohne das Team, sprich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, nicht möglich gewesen. GTech ist regional stark verankert und hat einen hohen Anteil an Zulieferteilen, die an Betriebe im Kremstal vergeben werden. Für die Zukunft sieht Josef Gebeshuber noch mehr Chancen im Export, wobei aktuell bereits knapp drei Viertel der Geschäfte im Ausland, insbesondere in Deutschland, China und in den USA, abgewickelt werden: „Wir könnten weit mehr machen, denn die Welt braucht Automatisierung. Aber es liegt bei uns, an den Mitarbeitern und Lehrlingen, ob wir die ausbilden können, denn nur qualitative Arbeitsplätze sind der Garant für die Zukunft.“
 
„Der Standort Steyrtal-Kremstal wäre unschlagbar, wenn die Leute ein wenig mehr an ihre Region glauben und dies auch nach außen tragen würden. Kaum jemand weiß, dass wir der zweitstärkste Industriestandort Österreichs sind mit absoluten Traumbetrieben“, bedauert Klaus Waselmayr. „Unser größtes Problem ist, dass wir keine Arbeitskräfte mehr finden. Allein in den nächsten zwei Jahren fehlen in der Region rund 2000 Arbeitskräfte. Darum investieren wir ganz kräftig in die Lehrlingsausbildung.“ Auch Waselmayr sieht im Export noch großes Potenzial: „Die Welt ist so klein geworden und trotzdem noch viel zu groß. Die Chancen und Märkte sind da. Wir müssen nur hingehen und sie nützen.“

 

Bild (Thomas Brunner): WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer