Sie sind hier: BEZIRK KIRCHDORF » ST. PANKRAZ
Donnerstag, den 10. Januar 2019 13:00

Neues Selbstbewusstsein


Bürgermeister Klaus Luger

Nicht mehr „nur“ eine Stadt zwischen Wien und Salzburg

Exzellentes Kulturprogramm für 200.000-Einwohner-Stadt: Linz positioniert sich als „second city“
Kulturelle Infrastruktur, die es so in keiner anderen Stadt dieser Größe gibt
Doppelgleisigkeiten zwischen Land und Stadt wurden 2009 komplettiert und einzementiert

2009 wurde Linz zur Europäischen Kulturhauptstadt erkoren. „Durch dieses Projekt ist es gelungen, neues Selbstbewusstsein für die Linzerinnen und Linzer zu gewinnen und aus dem Schatten von Wien und Salzburg zu treten“, ist der Linzer Bürgermeister Klaus Luger überzeugt. „Linz konnte vorher schon stolz sein, als Industriestadt, die den Wandel zum umweltfreundlichen und prosperierenden Wirtschaftsstandort geschafft hat“, meint Klaus Luger. Während im Jahr darauf bei RUHR.2010 die Abkehr von der Industrie hin zur Kultur gefeiert wurde, ist es bei Linz09 gelungen, Industrie und Kultur miteinander zu verbinden. „Durch diese einzigartige Kombination haben wir uns erfolgreich in die Liga der ‚second cities‘ integriert“, betont Klaus Luger.

Die Entscheidung, ein neues Musiktheater zu errichten, war dabei genauso richtig wie der Bau des LENTOS als neues Quartier für die Neue Galerie der Stadt Linz. Besonders gut funktionierte die Kooperation zwischen den städtischen Museen mit den Ausstellungshäusern des Landes, wodurch neue Besucherrekorde möglich wurden. „Mit LENTOS und dem neuen Ars Electronica Center ist es außerdem gelungen, das Verhältnis der Linzerinnen und Linzer zur Donau als Drohpotenzial zu entkrampfen. Heute hat sich der Donauraum als positiv genutzter Stadtraum etabliert“, erklärt Klaus Luger.

So exzellent und vielfältig das Programm für eine 200.000-Einwohner-Stadt war, konnten nicht alle Erwartungshaltungen an die Nachhaltigkeit erfüllt werden: „Heute ist in Linz eine kulturelle Infrastruktur geblieben, die es so in keiner anderen Stadt dieser Größe gibt“, meint Luger. Mitverantwortlich dafür ist die Entscheidung des Landes, neben dem Musiktheater weiterhin den vollen Betrieb in den Kammerspielen und dem Schauspielhaus an der Promenade aufrechterhalten zu wollen. „Zehn Theaterbühnen können wir heute in Linz zählen, dabei sind die Kindertheater und die reinen Konzerthäuser noch nicht eingerechnet“, rechnet Klaus Luger vor.

Im Gegensatz zur guten Kooperation der Museen im Kulturhauptstadtjahr, der 2018 eine Vereinbarung zur konstruktiven Zusammenarbeit der weiterhin eigenständigen Häuser folgte, gab es nach 2009 zwischen Musiktheater und Brucknerhaus leider keinen gemeinsamen Weg. „Ganz im Gegenteil, wurde etwa durch Orchesterkonzerte im Theater am Volksgarten eine künstliche Konkurrenz zum Konzerthaus an der Donau aufgebaut“, sieht Luger einen Teil der Doppelgleisigkeit von Land und Stadt im Kulturhauptstadtjahr 2009 entstehen.

„Die Entwicklung der Vielfalt an Kultureinrichtungen in der Landeshauptstadt wurde zwischen Stadt und Land nur wenig koordiniert. Darum ist es für das Land nachvollziehbar immer schwieriger geworden, den vielseitigen Kulturbetrieb zu finanzieren. Der Ausstieg aus der Finanzierung der notwendigen Erneuerungen im internationalen Aushängeschild AEC war die erste Reaktion des Landes im Vorjahr. Umgekehrt erreichte die Schieflage der Finanzbeziehungen aus dem Theatervertrag zwischen Stadt und Land eine Dimension, die die Vertragsauflösung unumgänglich machte“, blickt Luger auf 2018 zurück. Die Diskussion über Ausgestaltung, Organisation und Finanzierung der Kulturlandschaft im Land ist damit allerdings nicht beendet.


Bild (Stadt Linz): Bürgermeister Klaus Luger


Mehr in dieser Kategorie: