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Freitag, den 09. August 2019 07:00

40. OÖ Almwandertag


LK-Präsidentin Michaela Langer-Weninger und Obmann des Oberösterreichischen Almvereins Bgm Johann Fessl

Traditioneller Almwandertag auf die Ahornalm der Weidegenossenschaft Klaus | 15. August 2019

Rund 443 Almen werden in unserem Bundesland aktiv bewirtschaftet. Die Bedeutung der Alm- und Weidewirtschaft ist vielfältig. Mit dem 40. OÖ Almwandertag, traditionell am 15. August, wird diese Vielfalt und die aktuelle Situation hautnah erlebbar gemacht. Der Almwandertag wird von der Weidegenossenschaft Klaus in der Gemeinde Klaus an der Pyhrnbahn organisiert.

Almen in Oberösterreich – Daten und Fakten
Im oberösterreichischen Almkataster sind 638 Almen eingetragen, davon werden 443 Almen im Süden des Bundeslandes aktiv bewirtschaftet. Die Gesamtalmkatasterfläche umfasst 36.500 Hektar. 15 Prozent davon sind als Reinweidefläche beurteilt. „Wie in vielen Sparten der Landwirtschaft ist auch in der oberösterreichischen Almwirtschaft der Strukturwandel Tatsache. Die Anzahl der Bauernhöfe, die Almvieh auftreiben, hat sich seit 2001 von 847 auf 617 im Jahr 2017 um 27 Prozent reduziert“, erläutert LK-Präsidentin Michaela Langer-Weninger. Ein geringeres Minus gibt es bei der Anzahl der aufgetriebenen Großvieheinheiten, also der Tiere, die im Sommer auf der Alm sind. Mit 3.766 Großvieheinheiten im Jahr 2017 beträgt dieses 2,4 Prozent im Vergleich zu 2001. Die Trockenheit der letzten Zeit macht das Almfutter wieder interessanter. Aber mit geringen Niederschlägen in der Almregion ist auch dort die Ertragserwartung eingeschränkt.

Michaela Langer-Weninger schätzt die Vielfalt und Schönheit heimischer Almen: „Die Almen haben hohen gesellschaftlichen und naturschutzrelevanten Wert. Almflächen haben eine weitaus höhere Vielfalt an Pflanzen und Tieren als eine vom Wald bedeckte Fläche. Die offenen Weideflächen sind auch Futtergrundlage und Lebensbasis für Wildtiere. Die Almwirtschaft sieht sich vielen Herausforderungen ausgesetzt: der kostenintensiven Erhaltung der Infrastruktur, der primär durch Handarbeit möglichen Bewirtschaftung oder etwa der Rückkehr von Wölfen.“

Das abgelaufene Winterhalbjahr mit seinen enormen Schneemengen löste hohen Arbeitsbedarf aus. Es mussten mehr Zäune wieder in Stand gesetzt werden, die Aufarbeitung von Schneebruchholz ist noch immer im Gang. Wie im ganzen Land haben auch die meisten Almen ein Niederschlagsdefizit aufzuweisen, und das trotz Gebirgslage und ausreichender Schneemengen. Es gibt aber von Alm zu Alm je nach den kleinräumigen Witterungsverhältnissen wesentliche Unterschiede.

So wird aus dem Raum Windischgarsten berichtet, dass Almen mit dem Futterwachstum zufrieden sind und in rund 15 Kilometern Entfernung die Bauern bereits im Frühjahr überlegten, ob sie trotz der Niederschlags- und Futterknappheit überhaupt auftreiben sollten. Die Trockenheit ist stellenweise so massiv, dass die Tierklauen durch den harten Boden verletzt werden. Keime dringen in die Wunden ein und bewirken Schwellungen. In der Pyhrn-Priel Region wird dies als „Astl“ bezeichnet. Teilweise waren heuer die Schwellungen derartig aggressiv, dass trotz tierärztlicher Betreuung Tiere eingeschläfert werden mussten. Die letztjährige und auch die heurige Trockenheit haben die Grundfutterversorgung schrumpfen lassen. Das Potential des Almfutters ist deswegen wieder mehr gefragt. Der fehlende Regen lässt aber auch auf den Almen weniger Futter wachsen. Zusätzlich wird das Tränkwasser zum limitierenden Faktor. Eine Weidehaltung ist nur dort möglich, wo neben dem Weideaufwuchs auch ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Der Ausbau der Wasserversorgungseinrichtungen wird künftig zum zentralen Thema.

Wiederkehr der Wölfe
An der HBLFA Raumberg-Gumpenstein wird derzeit das Zentrum „Luchs, Bär, Wolf“ eingerichtet. Hier soll künftig österreichweit Know-How zusammenlaufen. Verantwortliche Stellen zum Thema Naturschutz und Jagd sind weiterhin die Länder. Das Land OÖ hat eine Informationsbroschüre erstellt.

Unter https://www.land-oberoesterreich.gv.at/files/publikationen/der_wolf_ist_zurueck.pdf ist angeführt, welches Verhalten bei Kontakt mit Wölfen empfohlen wird, wie Wolfsnachweise zu melden sind und wo die Wolfsbeauftragten bei Nutztierschäden erreicht werden können. In den Nachbarregionen Oberösterreichs wird von bestätigten Wolfsrissen berichtet.

Situation nach Kuhurteil / Informationsmaterial
Am 2. Juli 2019 beschloss der Nationalrat in der Erweiterung des § 1320 ABGB betreffend Tierhalterhaftung erweiterte Haftungskriterien für die Almen. Neu ist dabei, dass die Bestimmungen nun - neben dem Gefahrenpotenzial der Tiere und der Zumutbarkeit von Sicherungsmaßnahmen - auch die vom Geschädigten zu erwartende Eigenverantwortung betonen. Während sich ÖVP und FPÖ davon vor allem Rechtssicherheit für die Betreiber von Almen versprechen, lehnten SPÖ, NEOS und JETZT die Änderungen als überflüssig ab und verwiesen auf bereits bestehende Judikatur zu diesem Thema.

Im Einzelnen wird nun im Gesetz ein klarer Hinweis eingefügt, dass sich die Anforderungen an die Alm- und Weidewirtschaft auch nach anerkannten Standards richten können. Der Halter der Weidetiere hat demnach jene Maßnahmen zu setzen, die angesichts der Gefährlichkeit der Tiere und der ihm zumutbaren Möglichkeiten zur Vermeidung solcher Gefahren, sowie unter Berücksichtigung der zu erwartenden Eigenverantwortung anderer Personen, geboten sind. Die Eigenverantwortung der Besucher von Alm- und Weideflächen richtet sich dabei nach den durch die Alm- und Weidewirtschaft drohenden Gefahren, der Verkehrsübung und der anwendbaren Verhaltensregeln. Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus hat auf der Homepage www.sichere-almen.at Unterlagen bereitgestellt. Weidewarntafeln können beim Kundenservice der Landwirtschaftskammer Oberösterreich unter 050/6902-1000 bzw. online unter https://ooe.lko.at/broschüren-bücher-cd bezogen werden.

Zehn Verhaltensregeln für den sicheren Almbesuch werden in zwei Varianten an die Almbesucher weitergegeben. Als Vorlage für die Erstellung einer Informationstafel und als mehrseitiger Informationsfalter. Der OÖ Tourismus hat seine Mitgliedsbetriebe angewiesen, die Gäste entsprechend zu informieren.

Präsidentin Michaela Langer-Weninger plädiert an alle Almbesucher, Rücksicht und Hausverstand walten zu lassen: „Almen und Weiden sind einerseits Naturraum, und werden andererseits von den Bäuerinnen und Bauern und vom Tourismus genutzt. Dies muss weiterhin partnerschaftlich möglich sein, indem ein jeder auf das Almvieh Rücksicht nimmt, es nicht erschreckt, die ausgeschilderten Almwege benützt und keinen Müll zurücklässt. So können wir alle das Wandern, Sporteln und Arbeiten auf den Almen genießen und fortführen.“

Weitere Informationen zum Almwandertag sind unter https://www.almwirtschaft.com/Aktuelles/40-ooe-almwandertag.html zu finden.

Johann Feßl, Obmann des Oberösterreichischen Almvereins
40. OÖ Almwandertag auf die Ahornalm
„2019 laden die Almbauern aus dem Bezirk Kirchdorf zum 40. OÖ Almwandertag. Eine derartige Veranstaltung ist eine organisatorische Herausforderung, weil unter freiem Himmel mit umfangreichem Personalbedarf hoher Aufwand besteht. Deswegen ein besonderer Dank an die Organisatoren vor Ort. Das Zusammenkommen zu einer gemeinsamen Messe, das Thematisieren der aktuellen Themen, aber auch das gemeinsame Feiern sind wichtig und sollen an diesem Tag ihren Platz haben. Almbauern, Auftreiber und Viehalter kommen zum Branchentreffen. Die Bevölkerung zeigt mit ihrem Kommen die Wertschätzung der Almwirtschaft“, erklärt Johann Feßl, Obmann des oberösterreichischen Almvereines. Vertreter der Weidegenossenschaft Klaus ermöglichen es, dass dies in deren Almgebiet passieren kann. Am westlichen Talende von Steyrling dem Brunnental wird Richtung Steyrerhütte am Kasberg gewandert. Am Rande der Almweide auf einer Wildwiese wird vor dem Panorama des Toten Gebirges der diesjährige Almwandertag zur Ahornalm stattfinden.

Freizeitwohnungspauschale und Wintertourismus
Almwirtschaft und Tourismus sind auf das Engste miteinander verbunden. Um leerstehenden Wohnraum aktiv zu nutzen und den Flächenverbrauch zu reduzieren, wurde die Freizeitwohnungspauschale beschlossen. In der Neuregelung im OÖ Tourismusgesetz ist die Thematik Auszugswohnungen und Auszugshäuser als Ausnahme geregelt, sofern die Wohnungen bzw. die Häuser sich am gleichen Grundstück befinden und zumindest eine Wohnung als Hauptwohnsitz bewohnt ist. Almwohnungen oder Auszugshäuser die sich nicht auf dem gleichen Grundstück befinden unterliegen weiterhin der Freizeitwohnungspauschale. „In diesem Zusammenhang stellt sich für uns die Frage, ob dies auch derartig umgesetzt wird. Almen sind vielfach über mehrere Monate witterungsbedingt von der Umwelt abgeschnitten. Deswegen sollen diese nicht als ungenutzter Wohnraum gezählt werden“, fordert Johann Feßl.
Die OÖ Liftbetreiber haben für die Benützung der Pisten durch Tourenskigeher Gebühren eingeführt. Dies hat dazu geführt, dass Tourengeher neue Routen abseits der vereinbarten Routen benützen. „Die Entwicklungen im Tourentourismus im Winter haben sich zum Nachteil der Almbewirtschafter entwickelt. Wir sind stolz darauf, für die Region Spital am Pyhrn eine Einigung mit dem Tourismus gefunden zu haben. Anhand dieser Beispiele wird gut sichtbar, wie wichtig der Dialog und das gegenseitige Verständnis für die Kompromissfindung sind“, so der Almvereinsobmann abschließend.

 

Bild (Stollmayer): LK-Präsidentin Michaela Langer-Weninger und Obmann des Oberösterreichischen Almvereins Bgm Johann Fessl