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Freitag, den 27. August 2021 07:00

Skigebietserweiterung Vorderstoder


v.l.: Klubvorsitzender Mag. Michael Lindner, Bundesrätin Bürgermeisterin Mag.a Bettina Lancaster, Dritte Präsidentin des Oö. Landtags Gerda Weichsler-Hauer und Gemeinderatsmitglied Franz Eibl

SPÖ: 25.000 Unterschriften gegen die geplante Erweiterung ernst nehmen und uns über alternative Tourismusprojekte Gedanken machen

Der Gegenwind zur geplanten Erweiterung des Skigebiets in Richtung Vorderstoder erhält neue Nahrung. Bundesrätin, Bürgermeisterin Mag. Bettina Lancaster und Gemeinderatsmitglied aus Vorderstoder, Franz Eibl sowie die SPÖ Bezirksorganisation Kirchdorf feilten an einem 6-teiligen Tourismuskonzept und präsentierten dies am Mittwoch in Vorderstoder und holten sich dabei kräftige Unterstützung. Dritte Landtagspräsidentin Gerda Weichsler-Hauer und Präsidiumsmitglied der Naturfreunde sowie SPÖ Klubvorsitzender Mag. Michael Lindner richteten dabei eine klare Forderung an Tourismuslandesrat Markus Achleitner, sich für einen naturnahen Ganzjahrestourismus in Form des ausgearbeiteten Tourrismuskonzepts einzusetzen.

Dritte Landtagspräsidentin Gerda Weichsler-Hauer: „Klares Ja zur Förderung des naturnahen Ganzjahrestourismus!“
„Das Land Oberösterreich schützt Umwelt und Natur als Lebensgrundlagen des Menschen vor schädlichen Einwirkungen.“ So heißt es im Artikel 10 der oberösterreichischen Landesverfassung.  

Der Wintertourismus ist ein wichtiger Faktor der Pyhrn-Priel Region – für Arbeitsplätze und die regionale Entwicklung. Die geplante Skigebietserweiterung von Vorderstoder nach Hinterstoder in einer Seehöhe zwischen 700 Höhenmeter und 1200 Höhenmeter ist in Zeiten des Klimawandels jedoch kein nachhaltiges Projekt – weder für die Menschen in der Region noch für die Umwelt. Geplant ist die Errichtung von drei neuen Seilbahnen, einem Hilfslift, zwei Speicherteichen und Skipisten im Ausmaß von 50,7 Hektar. Dafür müsste man einen 42,6 Hektar Wald roden – das entspricht einer Fläche von 60 Fußballfeldern.

Daher hat der SPÖ-Landtagsklub bereits im Dezember 2020 einen Initiativantrag zur Stärkung des Ganzjahrestourismus in der Pyhrn-Priel-Region gestellt und die Landesregierung aufgefordert, Schritte für einen naturnahen Ganzjahrestourismus zu etablieren. Gerda Weichsler-Hauer – 3. Landtagspräsidentin und Landesvorsitzende der Naturfreunde Oberösterreich – bezieht hier klar Stellung: „Ein klares Ja zu Investitionen in die Tourismus-Infrastruktur. Wichtig ist jedoch, dass diese Investitionen nicht nur auf den Wintertourismus abzielen.“ Um der Region dauerhaft eine wirtschaftliche Perspektive geben zu können, muss der naturnahe Ganzjahrestourismus forciert werden: „Die Investitionen dürfen keinen Raubbau an der Natur bewirken und müssen der Region auch in schneearmen Zeiten eine sichere Entwicklung bieten“, betont Weichsler-Hauer. Das bedeutet hochwertige Liftanlagen in den schneesicheren Lagen und zusätzliches Wachstum durch Angebote zum Mountainbiken, Tourengehen und Themenwandern – über das ganze Jahr verteilt. Ein erster wichtiger Schritt sei daher ein Ausbau der Radverbindungen – etwa die Verlängerung des bestehenden Radweges nach Hinterstoder-Vorderstoder-Roßleithen-Spital am Pyhrn oder die komplette Erschließung des Rundradwegs „Nationalpark-Steyrsteg“. „Die Zahl der verkauften Elektrofahrräder steigt sukzessive und macht Radfahren wieder attraktiver. Ein Ausbau der Radwege wäre daher ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, so Weichsler-Hauer.

Klubvorsitzender Michael Lindner: „Rein saisonaler Massentourismus ist krisenanfällig, daher braucht es ein zukunftsorientiertes Strategieprogramm!“
Dass der Ausbau des Skigebiets auf großen Unmut in der Bevölkerung stößt, zeigt eine Unterschriftenaktion, die der SPÖ Landtagsklub vor der letzten Landtagssitzung am 08. Juli 2021 entgegengenommen hat: „Wir müssen die 25.000 Unterschriften gegen die geplante Erweiterung des Skigebiets ernst nehmen und uns über alternative Tourismusprojekte Gedanken machen“, so Michael Lindner. 

In Zeiten fortschreitender Klimaerwärmung und der damit einhergehenden Schneeunsicherheit, braucht die Pyhrn-Priel-Region daher einen wirtschaftlich zukunftsfähigen Ersatz für den zwangsläufig wegbrechenden Skitourismus. „Anstatt in Skigebietserweiterungen in Lagen mit wenig Schneesicherheit zu investieren, sollte das Land Investitionen in von der Jahreszeit unabhängige Attraktionen und Angebote anstoßen“, fordert auch SPOÖ-Klubvorsitzender Michael Lindner. Dass es sinnvoll ist, die Zukunft der Region hin zu einem neuen Ganzjahreskonzept zu öffnen, zeigt die aktuelle Lage: Die Statistik Austria verzeichnet einen Nächtigungsrückgang von knapp 91% für den Wintertourismus der letzten Saison 2020/21. „Die COVID-Krise hat uns in den letzten eineinhalb Jahren gezeigt, dass ein rein saisonaler Massentourismus krisenanfällig ist. Für mich ist aber klar, dass Qualität beim Ausbau des Ganzjahrestourismus der Pyhrn-Priel-Region ein Grundkriterium ist“, betont Lindner.

Ein zukunftsorientiertes Strategieprogramm, das Investitionen im Sommer- und Wintertourismus vorsieht liegt bereits auf dem Tisch. So könnte beispielsweise ein professionell geführtes Biathlonzentrum in der Region – anders als Skilifte – das ganze Jahr über genutzt werden.

Bundesrätin Bettina Lancaster: „Sommertourismus fördern und ganzjährige Arbeitsplätze mit anständigen Löhnen schaffen!“
Bettina Lancaster – Bundesrätin und Bürgermeisterin von Steinbach am Ziehberg – steht für einen attraktiven Sommertourismus: „Mein Ziel ist es, die Touristen von Montag bis Freitag in die Pyhrn-Priel-Region zu holen, nicht nur am Wochenende. Davon profitieren die Kaufläute in der Region und wir schaffen ganzjährige Arbeitsplätze mit anständigen Löhnen.“

Gemeinsam mit Gemeinderatsmitglied Franz Eibl und der SPÖ Bezirksorganisation Kirchdorf hat Bettina Lancaster daher ein Sechs-Punkte-Konzept erarbeitet, das den Ganzjahrestourismus in der Pyhrn-Priel-Region fördert und speziell Angebote für den Sommertourismus schaffen soll: „Mir geht es konkret um attraktive Almwanderungen speziell für Familien. Bevor man neue Flächen umwidmet, sollten zuerst die bestehenden Widmungsflächen ausgenutzt werden“, so Lancaster.

Das sechsteilige Konzept umfasst weiters Projekte wie die Errichtung eines Regionalbads oder eine Freizeit- und Erlebniswelt in der Region. Für die Verwirklichung der Projekte braucht es die Unterstützung des zuständigen Tourismuslandesrates Achleitner: „Die letzten beiden Sommer haben uns gezeigt, dass Urlaub in Österreich wieder beliebter wird. Wir müssen diese Entwicklungen ernst nehmen und ein attraktives Angebot für Familienreisen in unserer Region schaffen. Dazu brauchen wir die Unterstützung des Landestourismusreferenten“, fordert Bettina Lancaster.  

Bei all den Forderungen sind Lancaster faire Arbeitsbedingungen besonders wichtig: „Gute Jobs, ordentliche Arbeitsbedingungen und anständige Löhne – auch und gerade in der Tourismuswirtschaft.“

Gemeinderatsmitglied Franz Eibl: „Müssen Geld in ökologischen Verkehr umleiten!“
Gemeinderatsmitglied Franz Eibl sieht die geplante Errichtung von 900 PKW-Stellplätzen und 11 Busparkplätzen im Zuge der Skigebietserweiterung als „ökologischen Unfug“. Er setzt sich für Investitionen in den öffentlichen Verkehr ein: „Das 1-2-3-Ticket bietet eine gute Grundlage, allerdings fehlt die Anbindung. Damit Touristen das Angebot auch annehmen, brauchen wir regionale Zubringerbusse und eine dichte Frequenz von Shuttle-Bussen.“ Als Finanzierungsvariante denkt Eibl auch an Parkgebühren: „Finanziert werden soll der besser getaktete öffentliche Verkehr durch die verstärkte Einhebung von Parkgebühren. So können wir das Geld in ökologischen Verkehr umleiten.“

Die Schwerpunkte des präsentierten Tourismuskonzepts:

  • Einbindung eines Zubringerdiensts (letzter Kilometer) in das 1-2-3  Ticket der ÖBB
  • Ausbau des Radwegenetzes, z.B. Hinterstoder-Vorderstoder-Roßleithen-Spital/P., Windischgarsten-Rosenau oder Steyrling-Grünau
  • Schaffung eines "Pyhrn-Priel-Pickerls" (Haftpflichtschutz) für Mountainbiker
  • Ausbau des Hallenbads Spital/P. zum Erlebnisbad sowie eine Freizeit- und Erlebniswelt am Stausee Klaus
  • Attraktivierung des Almwaderwegs Hengstpass
  • Rasche Realisierung der Frauenkar-Gondelbahn auf der Wurzeralm und als Alternative zum Alpinskilauf, die Entwicklung eines Ski-Touren und Rodel-Zentrums
  • Ausbau des Biathlonzentrums in Rosenau mit Verleih und einer Sommernutzung
  • Modernisierung der Liftanlage auf den Erlebnisberg Wurbauerkogel in Windischgarsten

Zumindes was den Ausbau der Radwege betrifft, gibt es einige Überschneidungen mit Ideen aus der OÖVP. Leider wurde die Schaffung eines Radweges in Roßleithen bei einem aktuellen Straßenbauprojekt offenbar verabsäumt.

 

 

Bild v.l.: Klubvorsitzender Mag. Michael Lindner, Bundesrätin Bürgermeisterin Mag.a Bettina Lancaster, Dritte Präsidentin des Oö. Landtags Gerda Weichsler-Hauer und Gemeinderatsmitglied Franz Eibl  

 

 


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