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Sonntag, den 21. November 2021 07:00

Bauwirtschaft leistet ihren Beitrag


Bauinnungsmeister Norbert Hartl

Bauinnungsmeister Hartl begrüßt Förderung für Bauteilaktivierung: „Für Energiewende alle Register ziehen und Gebäude wie Bauteile zu Speichern für Wärme aus erneuerbarer Energie machen“

Nimmt man die Ankündigungen der EU mit dem Green Deal und Österreichs mit den Klimaschutzzielen ernst, muss jeder Wirtschaftsbereich die Ärmel hochkrempeln und nach neuen nachhaltigen Lösungen suchen. Einer dieser Schritte ist nun erfolgt: Der Klima- und Energiefonds setzt nach langjährigen Forderungen unterschiedlicher Partner aus der Bauwirtschaft beim Aufbau eines erneuerbaren Energiesystems auf Bauteilaktivierung und unterstützt Planungsdienstleistungen mit einem neuen Förderprogramm. Norbert Hartl, Landesinnungsmeister Bau OÖ, nennt diese neue Förderschiene „einen völlig richtigen Ansatz und einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zu den Klimazielen.“

Der Gebäudebereich ist für einen wesentlichen Anteil am Energieverbrauch und an den CO2-Emissionen in Österreich verantwortlich. Zur Erreichung der Klimaschutzziele muss der Gebäudebestand bis 2040 CO2-neutral werden. Durch die thermische Bauteilaktivierung lässt sich ohne großen Aufwand sowohl der Gesamtenergieverbrauch in Gebäuden verringern als auch Wärme aus erneuerbaren Energiequellen speichern. Das Gebäude wird dadurch zu einem wichtigen Baustein der Energiezukunft. Mehrkosten beim Bau entstehen dadurch gegenüber herkömmlichen Heizsystemen nicht.

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler: „Wir brauchen den vollen Instrumentenkoffer, um die Klimaneutralität für Österreich bis 2040 zu erreichen. Die Bauteilaktivierung ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Denn auch im Gebäudesektor müssen wir die Emissionen auf null reduzieren. Solche innovativen Technologien unterstützen diesen Weg maßgeblich.“ Bei der Bauteilaktivierung werden Rohrleitungen aus Kunststoff in massiven Bauteilen verlegt, durch die schließlich warmes Wasser zum Heizen bzw. kaltes zum Kühlen fließt. Die so aktivierten Bauteile haben die Kapazität, Wärme zu speichern, die aus erneuerbaren Quellen stammt und können dadurch einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau eines erneuerbaren Energiesystems leisten.

„Wenn ohnehin zu errichtende Bauteile wie Böden und Decken durch die Bauteilaktivierung intelligent als Speicher für Wärme und Kälte genutzt werden, entsteht von Seiten der Bauwirtschaft ein wichtiger und positiver Beitrag zur Erreichung der Klimaziele. Damit werden Gebäude zu einem aktiven Baustein in der Energiezukunft“, unterstreicht Oberösterreichs Bauinnungsmeister Hartl.

Vorbild und Vorlage für die Förderung
Ein von der Firma FIN/Kuster geplantes Energiekonzept des MGG 22 im 22. Bezirk in Wien ist eines der ersten bauteilaktivierten Mehrfamilienhäuser und war damit Vorbild und Vorlage für die Förderung: Die Wärme für Beheizung und Warmwasser wird über Sole/Wasser-Wärmepumpen in Verbindung mit Erdwärme-Tiefensonden erzeugt. Insgesamt 30 Erdsonden wurden mit je 150 Meter gebohrt und verbaut. Ab einer Tiefe von rund 10 bis 20 Metern herrscht das ganze Jahr über eine gleichmäßige Temperatur von 10 bis 12 Grad. Die entzogene Erdwärme wird im Heizfall mit Hilfe einer Wärmepumpe auf eine höhere Temperatur gebracht. Im Kühlfall wird Wärme ins Erdreich eingebracht und somit gleichzeitig für den Winter regeneriert.

Ausschreibung der Förderung „Energieflexibilität durch thermische Bauteilaktivierung“
Im Rahmen des Programms werden vom Klima- und Energiefonds gezielt Planungsleistungen für gesamte Wärmeversorgungskonzepte mit Bauteilaktivierung als Wärmespeicher und lokal erzeugte erneuerbare Energie oder erneuerbaren Strom aus Erzeugungsspitzen als Wärmequelle beauftragt. Dadurch soll die Umsetzung möglichst vieler Projekte österreichischer Wohnbauträger auf Basis hochwertiger Planung ermöglicht werden. Gleichzeitig wird Know-how dafür aufgebaut, welche Flexibilisierungsmöglichkeiten es in Mikro-, Nah- und Fernwärmenetzen gibt. Für die Planungsdienstleistung steht je Einzelprojekt ein Pauschalbetrag zwischen 40.000 und 85.000 Euro zur Verfügung. Zusatzleistungen, wie z.B. die Teilnahme an wissenschaftlichem Monitoring, werden extra vergütet. Detaillierte Förderbedingungen auf tba.klimafonds.gv.at.

 

Bild (c) WKOÖ


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