Sie sind hier: BEZIRK KIRCHDORF » ST. PANKRAZ
Montag, den 22. November 2021 07:00

Grünes Gold aus Krenglbach


Melanie und Ing. David Roitner vom Geymayr Gut, Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger und Vize-Präsident der LK Oberösterreich ÖR Karl Grabmayr vor der Pressanlage und mit der Ölauswahl vom Geymayr Gut

Erste Kürbiskernölpresse in Oberösterreich

„Oberösterreich bietet eine große kulinarische Vielfalt, aufbauend auf seiner aktiven und innovativen Landwirtschaft. Besonders die Auswahl der produzierten Öle wird immer größer. Rapsöl, Hanföl, Walnussöl und Leinöl sind nur einige Beispiele für diese Spezialitäten. Unter den Spezialölen hat sich das Kürbiskernöl, insbesondere durch die steigende Anzahl an Kernöl produzierenden Betrieben mit Direktvermarktung in Oberösterreich mittlerweile einen festen Platz in den Küchen des Landes erobert. Dass die Familie Roitner in Krenglbach nun als Pioniere die erste eigene Kernöl- Presse in Betrieb nimmt, ist für den Lebensmittelstandort Oberösterreich ein wichtiger Schritt. Regionale Lebensmittel boomen und es ist eine tolle Entwicklung, dass landwirtschaftliche Betriebe hier ihre Chancen nutzen und ihr Angebot ausbauen“, so Agrar-Landesrätin Michaela Langer- Weninger.

Seit den Anfängen des Ölkürbis-Anbaus in Oberösterreich im Jahr 2010 wurde die Ernte gänzlich im Rahmen eines Vertragsanbaues an steirische Kernölproduzenten vermarktet. Ohne eine Kernölpresse im Land ob der Enns mussten die geernteten Kürbiskerne nach der Trocknung zur anschließenden Röstung und Pressung in die Steiermark transportiert werden. Auf Grund unterschiedlicher Erntereife und Erntetermine bedeutete dies für die heimischen Betriebe einen großen zeitlichen und logistischen Aufwand. Fertiges eigenes Kürbiskernöl fand nur in geringen Mengen für die eigene Direktvermarktung den Weg zurück nach Oberösterreich. Mit der neuen Ölpresse bleibt nun auch die Verarbeitung der Kerne in der Region. „Zum Unternehmergeist der Familie Roitner vulgo Geymayr kann ich nur gratulieren. Das Angebot der Lohn-Pressung an die umliegenden Bäuerinnen und Bauern wird die Direktvermarktung insgesamt stärken. Das ist überbetriebliche Zusammenarbeit von ihrer besten Seite“, so Langer-Weninger.

Entwicklung des Ölkürbis-Anbaus in Oberösterreich
Oberösterreich weist aktuell fast 2.000 Hektar Ölkürbis auf, die Fläche verzehnfachte sich seit 2010, liegt damit aber immer noch weit hinter den etablierten Anbauländern Niederösterreich (21.000 Hektar) und der Steiermark (13.000 Hektar). Bei 374 Betrieben liegt die Durchschnittsfläche bei rund 5,3 ha (siehe Tabelle 1). „Die Anbaubedingungen in Oberösterreich sind sehr günstig, Im Bundesländervergleich weisen unsere Bäuerinnen und Bauern mit rund 900 Kilogramm trockene Kerne pro Hektar meist die besten Erträge auf. Sehr erfreulich ist, dass sich der Anbau nach dem harten Rückschlag im Jahr 2016 wieder auf einem Niveau von knapp 2.000 Hektar etabliert hat“, so LK-Vizepräsident Karl Grabmayr.

Vom Kernölpendler zur eigenen Ölmühle
Seit dem ersten Anbau am Hof Geymayr im Jahre 2016 hat auch die Familie Roitner aus Krenglbach ihre Kerne als „Kernölpendler“ in der Steiermark pressen lassen. Bei einer Anbaufläche von rund sechs Hektar bedeutete dies, dass jährlich rund fünf Tonnen Kürbiskerne in die Steiermark transportiert werden mussten. Aufgrund der weltweiten Rekordernte und dem damit verbundenen Preisverfall im Jahr 2016 versuchten zahlreiche Betriebe durch eine eigene Veredelung (Herstellung von Knabberkernen und erstmaliger Lohnpressung mit Direktvermarktung) auszuweichen, was für viele den aktiven Einstieg in die eigene Kernölvermarktung bedeutete. Neben dem Kernöl haben die Roitners seit 2016 auch begonnen, für den Eigenbedarf Kleinmengen von Leinöl, Rapsöl, Walnussöl und Hanföl aus eigenem Anbau zu pressen. Die Erfahrungen sind gewachsen und so wurde im Jahr 2018 von Melanie Roitner das Gewerbe für Mühlerei, beschränkt auf Ölmühlerei, angemeldet. „Viele Lehrfahrten in die Steiermark und die daraus gewonnenen Erkenntnisse haben wir kombiniert mit den technischen Ratschlägen der Firma Mojstrovina aus Slowenien. Dies führte heuer schließlich zum Ankauf der ersten Kürbiskernrösterei und einer Kernölpresse. Rechtzeitig zur heurigen Kürbisernte konnten wir mit der Pressung der eigenen Kerne und mit der Lohnproduktion beginnen“, so Melanie Roitner: „An einem Press-Tag können wir rund 500 Kilogramm Kürbiskerne zu rund 200 Liter grünem oberösterreichischem Gold veredeln. Die wichtigsten Qualitätsmerkmale sind: GESCHMACK, FRISCHE, FARBE u. KONSISTENZ!“

Lohnpressung – Kooperationen für beste Lebensmittel
Durch diese Investition der Familie Roitner ist nun eine zeitnahe und flexible Kernölherstellung mit kurzen Wegen auf ressourcenschonende Weise im eigenen Land möglich. Damit verbunden ist für viele Direktvermarkter/innen die Chance, die eigenen getrockneten Kerne jederzeit nach Bedarf pressen zu lassen und somit immer frisches oberösterreichisches Kernöl anbieten zu können. Dazu Melanie Roitner: „Die jederzeit mögliche frische Pressung ist für uns ein wichtiges Argument. Mit dieser Frischegarantie hoffen wir auf eine gute Auslastung der neuen Lohnpresse über das Jahr hindurch und laden alle Berufskolleginnen und Berufskollegen herzlich ein, die neue Anlage zu nützen.“ Grob geplant für die Zukunft ist die Lohnpressung nach Anmeldung für Bio-Kerne in der ersten Wochenhälfte und für Nicht-Bio- Kerne in der zweiten Wochenhälfte.

Der Weg vom Feld in die Flasche
Für die Ölgewinnung findet der „schalenlose“ Ölkürbis Verwendung. Er zeichnet sich durch Kürbissamen aus, die lediglich ein dünnes, grünes Samenhäutchen haben. Durch die vermehrte Einlagerung des grünen Farbstoffes Chlorophyll erhält das Öl seine typische, tiefgrüne Farbe. Die Kürbisernte findet je nach Witterung, Lage und Sorte, von Anfang September bis Ende Oktober statt. Bei der Ernte werden die Kerne vom Fruchtfleisch entfernt. Die Kerne werden danach gewaschen, bei niedriger Temperatur schonend getrocknet und dann je nach Bedarf gereinigt und frisch gepresst. Für die Herstellung von einem Liter Öl werden durchschnittlich 2,5 Kilogramm getrocknete Kürbiskerne benötigt. Der Presskuchen, der nach der Pressung übrigbleibt, wird als hochwertiges Futtermittel verwendet. Er enthält ca. 2 bis 5 Prozent Restöl und 55 bis 60 Prozent Eiweiß. Nach der Pressung empfehlen Melanie und David das Kernöl vier Tage lang bei ca. 20 Grad absetzen zu lassen und nicht zu filtern. Dabei setzen sich die sogenannten Schwerstoffe ab. Bei der nachfolgenden Abfüllung ist für eine hohe Qualität ein guter Verschluss sowie eine lichtgeschützte Lagerung bei ca. 10 Grad Celsius wichtig. Siehe auch Beschreibung und Fotostrecke Kürbiskernölgewinnung auf: https://geymayr.at/pages/olmuhle

Gesundheitliche Aspekte des Kürbiskernöls
Für eine gesunde Ernährung sollte vor allem auf die Zusammenstellung der Fettsäuren geachtet werden. Ernährungsgesellschaften empfehlen daher pflanzliche Öle. Kürbiskerne und das daraus gewonnene Öl enthalten eine Reihe wichtiger Vitamine und Mineralstoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe. Insgesamt hat Kürbiskernöl einen Fettgehalt von 98 Prozent. Das Fett liefert nicht nur Energie, sondern ebenso essentielle Fettsäuren, z.B. die Linolsäure (Omega-6-Fettsäure). Kürbiskernöl liefert vor allem Vitamin E und Carotinoide. Vitamin E ist eine fettlösliche Substanz und wirkt als Antioxidans. Carotinoide sind die Vorstufe des Vitamins A. Auch der Presskuchen findet bereits in der Ernährung Platz: durch den hohen Eiweißanteil kann man z.B. Kuchenoder Brotteige ernährungsphysiologisch aufwerten.

 

Bild (c) Land OÖ/Ernst Grilnberger


Mehr in dieser Kategorie: