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Donnerstag, den 17. Dezember 2020 13:00

Postpartale psychische Störungen


Als zweite oberösterreichische Gesundheitseinrichtung bietet das Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr nun eine stationäre Aufnahme für schwangere Frauen sowie Mütter und Väter von Kindern bis zum vollendeten ersten Lebensjahr an. (Personen auf dem Imagebild: Primar Dr. Martin Barth (mi) und Pflegestationsleiterin DPGKP Romana Gugler (re) mit Mutter und Kind).

Darum ist die stationäre Behandlung mit Baby besonders erfolgversprechend

STEYR. Etwa zehn bis 15 Prozent aller Frauen erkranken nach der Geburt an einer postpartalen psychischen Störung. Bleibt diese unbehandelt, schadet das nicht nur der Mutter, sondern kann laut Studien sogar die frühkindliche Entwicklung beeinträchtigen. Eine rasche und familienfreundliche Behandlung für PatientInnen mit Baby, wie sie das Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr anbietet, ist daher wesentlich.  

Jede fünfte Frau erlebt Schwangerschaft und Geburt als belastend. Dabei kann ein hormonell bedingter „Baby Blues“ vorliegen, der sich in der Regel von selbst auflöst, es kann sich aber auch um eine postpartale psychische Störung (PPS) mit Depressionen, Psychosen, Anpassungs-, Zwangs- und Angststörungen und sogar suizidalen Tendenzen handeln. Die Art der Erkrankung klären MedizinerInnen in den ersten Tagen nach der Geburt unter anderem mit Hilfe eines Fragebogens nach EPDS (Edinburgh-Postnatal-Depressions-Skala) ab. Typische Symptome sind etwa Überforderung und Antriebslosigkeit, kombiniert mit Weinerlichkeit. Auch Männer können betroffen sein.  

Erste PPS-Patientin mit Kind am Klinikum Steyr 
Als zweite oberösterreichische Gesundheitseinrichtung bietet das Klinikum Steyr nun eine stationäre Aufnahme für schwangere Frauen sowie Mütter und Väter von Kindern bis zum vollendeten ersten Lebensjahr an. Das im Frühjahr 2020 gestartete Projekt befindet sich mittlerweile in der Endphase und die erste Patientin nahm das Angebot bereits in Anspruch. Diese Entwicklung freut Gesundheitsreferentin und Landeshauptmann-Stellvertreterin Mag.a Christine Haberlander ganz besonders: „Mir ist es seit jeher ein großes Anliegen, die Prävention und insbesondere auch die Gesundheit von Frauen zu stärken. Die stationäre Behandlung von Müttern mit Kind war bislang in Wien, Graz und in Linz am Neuromed Campus möglich und wurde nun durch das Angebot am Klinikum Steyr um einen zweiten Standort in Oberösterreich erweitert. Mit diesem wichtigen Meilenstein sind wir hinsichtlich der Versorgung von Müttern und Vätern mit postpartaler psychischer Erkrankung sehr gut aufgestellt.“  

Hürde, sich behandeln zu lassen, fällt weg 
„Für viele fällt durch dieses Angebot die Hürde weg, sich überhaupt behandeln zu lassen“, unterstreicht Prim. Dr. Martin Barth, interimistischer Leiter der Psychiatrie im Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr, die immense Bedeutung. Der ehemalige Oberarzt im Neuromed Campus Linz, der die Idee von dort ins Klinikum Steyr brachte, betont: „Gerade wenn es um schwere Verläufe geht, ist eine Therapie für eine gute Mutter-Kind-Bindung äußerst wichtig und förderlich.“ Gemeinsam mit den Betroffenen arbeitet ein multiprofessionelles Team daran, den psychischen Gesundheitszustand der PatientInnen zu stabilisieren und Zukunftsperspektiven zu schaffen. Während der Therapiezeiten können Pflegekräfte der Kinderstation den Nachwuchs betreuen, ein Miteinbeziehen des Kindes in die Therapie ist aber ebenfalls möglich.  

Frühe Eltern-Kind-Bindung weiter unterstützen 
Bei einer postpartalen psychischen Störung sollte die stationäre Behandlung keinesfalls aufgeschoben werden, idealerweise werden Mutter (oder Vater) und Kind für diese Zeit jedoch auch nicht getrennt. Eine gute Eltern-Kind-Bindung kann sich sogar positiv auswirken und wird gerade in dieser Zeit aufgebaut. Für Sylvia Löschenkohl, MSc, stellvertretende Pflegedirektorin am Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr, ist es deshalb sehr wichtig, hier präventive Maßnahmen zu setzen: „Dadurch vermeiden wir spätere Bindungsstörungen, die ansonsten zu vielen weiteren sozialen Problemen führen könnten. Die Versorgung des Kindes übernimmt die Mutter selbst, bei Bedarf wird sie dabei von unseren diplomierten Pflegekräften in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendabteilung unterstützt.“  

Auch für Dr. Michael Hubich, Ärztlicher Direktor am Klinikum Steyr, ist das neue Angebot eine tolle Erweiterung der bisherigen Tätigkeiten in diesem Bereich: „Es war uns sehr wichtig, Müttern bei einer postpartalen psychischen Störung die Mitnahme des eigenen Kindes zu ermöglichen. Schon im November 2019 haben wir das internationale Zertifikat ‚Baby-friendly Hospital‘ erhalten, bei dem die frühe Mutter-Kind-Bindung und das Stillen im Mittelpunkt stehen. Nun können wir die frühe Eltern-Kind-Bindung weiter unterstützen.“


Bild (c) OÖG


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