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Donnerstag, den 22. August 2019 07:00

Judo WM in Tokio


Sabrina Filzmoser auf der Matte - Imagebild

14. WM-Start für Sabrina Filzmoser | Shamil Borchashvili und Daniel Allerstorfer vervollständigen OÖ-Abordnung

Im Kampf um Edelmetall wollen die österreichischen Damen bei den Judo-Weltmeisterschaften in Tokio ein gehöriges Wörtchen mitreden. Fünf Athletinnen gehen für den ÖJV auf Medaillenjagd.
„Das Ziel ist, dass eine Athletin oder ein Athlet aus Österreich am 1. September eine Medaille um den Hals hängen hat. Das muss bei einer WM das logische Ziel sein“, betonte ÖJV-Sportdirektor Markus Moser, der das Damen-Team interimistisch betreut. Alle fünf Österreicherinnen im Aufgebot verfügen bereits über WM-Erfahrung. Die 22-jährige Michaela Polleres (-70 kg) ist zwar die Jüngste im Damen-Team, gemessen an Rang vier in der Weltrangliste ihrer Gewichtsklasse aber die am besten platzierte rot-weiß-rote Kämpferin. Nur die Japanerin Chizuru Arai, die Französin Marie Eve Gahie und die Schwedin Anna Bernholm sind vor der Niederösterreicherin gereiht. Ende Juli schaffte es Polleres beim Grand Prix in Zagreb als Dritte erstmals in dieser Saison auf ein World-Tour-Podest. Die bisher beste Saison ihrer Karriere absolvierte sie 2018. Mit EM-Bronze, U23-EM-Gold, Platz drei beim hochkarätigen Masters-Turnier und Grand-Prix-Siegen in Taschkent und Cancun schaffte die 22-Jährige ein Highlight nach dem anderen.

Bernadette Graf tritt in Tokio zum dritten Mal bei einer WM in der Gewichtsklasse bis 78 Kilogramm an. 2017 hatte sie den Gewichtsklassenwechsel vollzogen. Vier Podestplätze auf der höchsten Turnierebene sind ihr seither gelungen. Darunter waren in dieser Saison die beiden dritten Ränge bei den Grand Slams in Jekaterinburg und Düsseldorf.

In der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm ist Österreich dank Magdalena Krssakova und Kathrin Unterwurzacher durch zwei Athletinnen vertreten. Die Wienerin Krssakova ge-wann im Vorjahr zwei Grand-Prix-Turniere. In der laufenden Saison hat sie einen siebenten Platz beim Grand Slam in Jekaterinburg als bestes Resultat stehen. Eine beim Trainingslager in Papendal erlittene Knieverletzung bereitet ihr keine Sorgen mehr. Die Tirolerin Unterwurzacher ist erst kürzlich wieder von einer Verletzungspause auf die Wettkampfmatte zurückgekehrt. Zum bisher letzten Mal schaffte es die 27-Jährige beim Grand Prix in Taschkent 2018 auf das Podest.

Sabrina Filzmoser (-57 kg) ist mit 39 Jahren die routinierteste Athletin im WM-Aufgebot des ÖJV. Sie fiebert ihren 14. Weltmeisterschaften entgegen. „Sie vergleicht das selbst gerne mit dem 14. Achttausender, den sie jetzt erklimmt“, erzählte Moser über die bergsteigeraffine Athletin. Ihr Debüt feierte die Welserin 1999 in Birmingham. Als zweifache WM-Bronzemedaillengewinnerin (2005 und 2010) ist die Oberösterreicherin zudem die letzte ÖJV-Judoka, die Edelmetall bei Welttitelkämpfen gewann. Damit hat Filzmoser auch beste Erinnerungen an Tokio, wo ihr vor neun Jahren der zweite Bronze-Coup gelang. Im Alter von 40 Jahren will sie 2020 ihre vierten Olympischen Spiele nach Peking 2008, London 2012 und Rio de Janeiro 2016 in Angriff nehmen. Eine Altersbestmarke ist ihr bereits sicher: Seit Platz drei beim Grand Prix in Budapest im Juli ist sie die älteste Medaillengewinnerin auf der World Tour aller Zeiten.

Die Vorbereitung auf das Saisonhighlight wurde bestmöglich gestaltet. Zuletzt holte sich der WM-Kader in der Südstadt den Feinschliff. Um sich optimal zu akklimatisieren und die Zeitumstellung gut zu bewältigen, werden alle Athleten zumindest sieben Tage vor ihren Wettkampfeinsätzen nach Japan reisen. „Das Damen-Team wird dann noch einige leichte Trainingseinheiten mit zwei Universitäten absolvieren“, so Markus Moser. Das Wettkampfsetting wird jenem von den Olympischen Spielen in einem Jahr schon sehr ähneln. „Auch bei Olympia wird auf zwei Matten gekämpft werden. Einzig das Branding und die Anzahl der Starter pro Nation werden anders sein. Die WM ermöglicht es dem Team, vorolympische Luft zu schnuppern“, erklärte der Sportdirektor.

Herren-Team greift nach Top-Ergebnissen
Waren die österreichischen Herren in den vergangenen Jahren meist mit dem Ziel, möglichst viel Erfahrung zu sammeln, angereist, sind sie mittlerweile dazu in der Lage, absolute Spitzenplätze zu erreichen. Acht Judoka gehören dem rot-weiß-roten Herren-Aufgebot in Tokio an, drei von ihnen betreten zum ersten Mal eine WM-Wettkampfmatte.

Shamil Borchashvili (-81 kg), Johannes Pacher und Marko Bubanja (beide -90 kg) feiern bei den Titelkämpfen in der japanischen Hauptstadt ihre WM-Premiere. Der 24-jährige Borchashvili hat sich in den vergangenen Monaten zu einem Aspiranten auf die Olympiateilnahme gemausert. Bei den European Open in Glasgow im vergangenen Herbst setzte er mit dem Turniersieg ein erstes Ausrufezeichen. Nur kurz darauf gelang ihm als Fünftem des Taschkent-Grand-Prix die erste World-Tour-Platzierung. Auch vor rund einem Monat in Budapest verpasste er als Fünfter nur knapp sein erstes Podest auf der höchsten Turnierebene. Erkämpft der Welser noch weitere gute Resultate, ist ein Quotenplatz für die Spiele 2020 in Reichweite.

Der Wiener Johannes Pacher sorgte unlängst überraschend mit dem Sieg bei der Uni-versiade, den Weltstudentenspielen, für Furore. Der Triumph in Neapel kann als bisher größter Erfolg in seiner noch jungen Karriere gesehen werden. Neben ihm wird auch sein Galaxy-Tigers-Clubkollege Marko Bubanja in der Kategorie bis 90 Kilogramm antreten. Der 23-Jährige siegte im März beim European-Open-Turnier in Warschau.

Stephan Hegyi ist als Elfter der Weltrangliste über 100 Kilogramm der höchstgereihte ÖJV-Athlet bei den Herren. In Düsseldorf erklomm der Wiener im Februar als Dritter erstmals ein Grand-Slam-Podest. Drei Wochen später in Jekaterinburg belegte er Platz fünf. Besonders herausragend ist aber, dass der 21-Jährige mit Bronze bei den Europa-spielen die rot-weiß-rote Medaillenserie fortsetzen konnte. Das in Minsk eroberte Edelmetall war bereits seine zweite EM-Bronzene nach 2018. Daniel Allerstorfer (+100kg) soll just bei der WM sein Wettkampfcomeback geben. Nach seinem im Juli in Budapest erlittenen Bändereinriss in der Schulter arbeitet der Mühlviertler derzeit an seiner Rückkehr.

Neben Allerstorfer kämpft auch Laurin Böhler (-100 kg) darum, in Tokio von einer Verletzungspause zurückzukehren. Mit Rang drei in Düsseldorf gelang dem Vorarlberger heuer schon ein Grand-Slam-Podestplatz. Für den 24-Jährigen geht es auch darum, seinen imaginären Olympia-Quotenplatz mit einem WM-Topergebnis abzusichern.

Aaron Fara (-100 kg) hat als bisher bestes Karriere-Ergebnis einen dritten Platz beim Grand Prix in Cancun im vergangenen Herbst zu Buche stehen. Lukas Reiter (-73 kg) gewann 2018 die European Open in Oberwart. Im Mixed-Teambewerb der Europaspiele in Minsk überraschte der Niederösterreicher teils mit Siegen gegen namhafte Gegner und leistete damit ebenso einen enormen Beitrag zum Gewinn der Bronzemedaille.

Eine WM im Mutterland des Judosports ist per se ein besonderes Ereignis. Nichtsdes-totrotz sind die Blicke bereits jetzt in Richtung Olympia 2020 gerichtet. „Ich finde es sehr gut, dass die WM am Olympiaschauplatz stattfindet. Um im nächsten Jahr dabei zu sein, braucht ein einzelner Athlet rund 2.000 Weltranglistenpunkte. Eine WM-Bronzemedaille würde alleine die Hälfte dieser Punkte ausmachen. Das zeigt die enorme Bedeutung dieses Turniers“, erklärte ÖJV-Sportdirektor Markus Moser.

Der Weg nach Tokio
Tokio wird für die Judoka in den nächsten Monaten gleich zweimal Schauplatz einer Großveranstaltung sein. Bei den diesjährigen Weltmeisterschaften werden die meisten Punkte für die Olympia-Qualifikation geben. Die Spiele steigen dann 2020 ebenso in einer der prestigeträchtigsten Judo-Wettkampfstätten der Welt, dem Nippon Budokan.

Insgesamt 386 Judoka werden im kommenden Jahr an den olympischen Wettkämpfen teilnehmen. Erstmals gibt es gleich viele Quotenplätze für Frauen und Männer. Pro Nation ist in jeder Gewichtsklasse nur ein Startplatz zu vergeben. Die Top 18 der bereinigten Rangliste mit Stichtag 25. Mai 2020 ergattern direkt einen Quotenplatz. Weitere 100 Athleten bekommen über die kontinentale Qualifikation die Gelegenheit zur Olympia-Teilnahme. Maßgeblich dafür ist eine eigene Reihung über Geschlechter und Gewichtsklassen hinweg. Maximal ein solches Olympia-Ticket kann pro Land erreicht werden.

Aus österreichischer Sicht hält man derzeit bei sechs imaginären Quotenplätzen. Michaela Polleres (-70 kg), Bernadette Graf (-78 kg), Sabrina Filzmoser (-57 kg), Magdalena Krssakova (-63 kg) und Stephan Hegyi (+100 kg) würden es aktuell über die direkte Qualifikation schaffen. Laurin Böhler (-100 kg) hält gegenwärtig einen imaginären Quotenplatz über die kontinentale Repräsentation. Shamil Borchashvili (-81 kg) ist als 30. derzeit knapp an einem möglichen Quotenplatz dran. In der Nähe von Start-plätzen liegen derzeit auch Kathrin Unterwurzacher (-63 kg), Daniel Allerstorfer (+100 kg) und Aaron Fara (-100 kg). Rückt das Trio entscheidend nach vor, wäre eine interne Entscheidung zwischen ihnen und den rot-weiß-roten Gewichtsklassenkollegen notwendig.

Der Mixed-Teambewerb feiert in Tokio seine Olympia-Premiere. Um daran teilnehmen zu können, muss eine Nation auch in den entsprechenden Einzel-Gewichtsklassen qualifiziert sein. Dieses Kriterium erfüllen derzeit neben Gastgeber Japan elf weitere Nationen. Team Austria fehlen gegenwärtig Einzel-Qualifikationen in zwei Kategorien (Männer -73 kg und Männer -90 kg). Männer über 90 Kilogramm, sowie Frauen unter 57 Kilogramm, unter 70 Kilogramm und über 70 Kilogramm wären gegenwärtig im Aufgebot dabei. Der offene Spot bis 90 Kilogramm könnte von Shamil Borchashvili geschlossen werden. In der Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm liegt Lukas Reiter derzeit als 76. am besten platziert.

 

Bild (c) Sellner Foto


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