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Dienstag, den 10. Oktober 2017 12:12

Eier aus Österreich sind sicher


Franz Karlhuber (l.) und ÖR Ing. Franz Reisecker

LK fordert verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Verarbeitungsprodukte mit Eianteil

Die Konsumentinnen und Konsumenten in Oberösterreich schätzen die Qualität des heimischen Produkts und greifen beim Einkauf von Frischeiern im Lebensmittelhandel faktisch ausschließlich zu Eiern aus inländischer Produktion. Gerade in Zeiten, wo in Eiern aus anderen EU-Ländern Rückstände des Insektenbekämpfungsmittels Fipronil gefunden wurden, können die Verbraucher darauf vertrauen, dass in Österreich absolut gesetzeskonform produziert wird.

„Dafür stehen in Oberösterreich rund 350 Betriebe mit Legehennenhaltung, die mit ihren in Summe einer Million Legehennen an 365 Tagen im Jahr für die Erzeugung eines gesunden und qualitativ höchstwertigen Lebensmittels sorgen. Als registrierte Legehennenhalter versorgen sie den Lebensmitteleinzelhandel, Gastronomie, Bäckereien aber auch Konsumentinnen und Konsumenten direkt. Österreich ist das einzige Land in der EU, in der die Käfighaltung – auch in den sogenannten ausgestalteten Käfigen – verboten wurde und wo daher in der Tierhaltung das höchste europäische Niveau umgesetzt wird. Auf diese Leistungen der Eierproduzenten möchten wir anlässlich des Welteitages, der am 13. Oktober stattfindet, hinweisen“, betont Franz Reisecker, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ. Darüber hinaus gibt es noch mehrere tausend Kleinbestände auf Bauernhöfen, wo Hennen zur Selbstversorgung oder zum Verkauf der Eier im regionalen Umfeld gehalten werden. Die Hennenhalter erfüllen dabei Anforderungen, die deutlich über das hinausgehen, was Eierproduzenten in anderen EU-Ländern erfüllen müssen.

Kennzeichnung auch bei Verarbeitungsprodukten mit Eianteil EU-weit umsetzen
Überall dort, wo die heimischen Konsumentinnen und Konsumenten selbst die Wahl haben und eine klare Kennzeichnung – wie beim Schalenei (Einzeleikennzeichnung am Produktionsbetrieb) – vorhanden ist, fällt die Kaufentscheidung eindeutig zugunsten heimischer Qualitätseier aus. Aber auch in über 800 Lebensmitteln des täglichen Bedarfes sind Eiprodukte (z.B. Flüssigei, getrocknetes Vollei, Eiweiß oder Eidotter) enthalten. Auch die Gastronomie braucht in großem Umfang Eier. „Bei Lebensmitteln wie Nudeln oder Backwaren und in der Gastronomie fehlt eine klare Kennzeichnung hinsichtlich Herkunft und Haltungsform und damit auch die Möglichkeit für den Konsumenten, selbst zu entscheiden, zu welcher Herkunft er greifen möchte", stellt Reisecker fest.

Etwa 15 Prozent des heimischen Eierbedarfes werden durch nicht in Österreich erzeugte Eier, meist aus der Käfighaltung, abgedeckt. Nicht deshalb, weil Österreichs Bauern nicht in der Lage wären, diese Menge selbst zu produzieren, sondern weil Käufer die geringfügig billigeren ausländischen Käfigeier den heimischen Eiern aus tierfreundlichen Haltungsformen vorziehen.

Diese 15 Prozent entsprechen einer Menge von ca. 380 Millionen Eiern pro Jahr, welche von ca. 1,44 Millionen Legehennen gelegt werden. „Die fehlende verpflichtende Kennzeichnung hinsichtlich Haltungsform und Herkunft bei Verarbeitungsprodukten im Lebensmitteleinzelhandel und in der Gastronomie in Verbindung mit der nicht fristgerechten Einhaltung des EU-Käfigverbotes schwächt die Marktposition österreichischer Erzeuger. Eier aus der EU-rechtlich noch erlaubten Form der Käfighaltung in sogenannten ,ausgestalteten Käfigen‘ drängen auf den österreichischen Markt und setzen unsere Eierproduzenten einem ruinösen Preiskampf aus", zeigt Präsident Reisecker die schwierige wirtschaftliche Situation betroffener Betriebe auf.

Deshalb fordert die Landwirtschaftskammer OÖ die verpflichtende Kennzeichnung für Verarbeitungsprodukte mit Eianteil im Lebensmittelhandel und in der Gastronomie hinsichtlich Herkunft und Haltungsform. „Nachdem nun auch Verarbeitungseier wie Flüssigeiprodukte mit dem AMA-Gütesiegel zur Verfügung stehen, besteht auch bei Fertigprodukten die Möglichkeit, Herkunftsland und Haltungsform zu deklarieren", so Reisecker. Mit dem Bau des EiVita Werkes in der Steiermark wird nun seit mehr als zwei Jahren auch Eitrockenpulver aus heimischer Ware erzeugt. Dieses wird in über 800 Lebensmitteln verarbeitet. Auch in diesem Bereich hat der Konsument ein Recht zu erfahren, woher die Rohstoffe kommen und unter welchen Bedingungen (Haltungsform, Tierwohl, gentechnikfreie Fütterung …) diese erzeugt wurden.

Küchen in Krankenhäusern und öffentlichen Einrichtungen sind besonders gefordert
Es zeigt sich, dass Krankenhäuser und Küchen in öffentlichen Einrichtungen überwiegend keine Eiprodukte aus Österreich kaufen. Sie kaufen zwar bei österreichischen Firmen bzw. Händlern. Die dort verarbeiteten Eier werden jedoch billigst im Ausland gekauft. In nahezu 100 Prozent der Fälle handelt es sich um Eier aus Käfighaltungen, also aus einer Haltungsform, die in Österreich verboten ist. Europaweit werden auch in Zukunft ca. 60 Prozent aller Hennen in „ausgestalteten“ Käfigen gehalten. Weltweit liegt dieser Wert bei über 90 Prozent. „Die Landwirtschaftskammer OÖ fordert alle Versorgungseinrichtungen, die direkt oder in einem Naheverhältnis zum Land OÖ oder zur Republik Österreich stehen, auf, dafür zu sorgen, dass Schaleneier und Eiprodukte ausschließlich von österreichischen Legehennen mit dem AMA Gütesiegel bezogen werden“, verdeutlicht Reisecker.
Österreich setzt weltweit die höchsten Maßstäbe in der Legehennenhaltung.

Das Ei hat in Österreich in den letzten Jahren eine rasante Qualitätsentwicklung durchgemacht und wurde von einem „No-name Produkt“ zu einem Lebensmittel mit Rückverfolgbarkeit bis in den Stall.

AMA – Gütesiegel
Da Vertrauen bekanntlich zwar gut, Kontrolle aber besser ist, wurden in Österreich in den vergangenen Jahren auch die Kontrollmechanismen in der Eierbranche ständig weiterentwickelt. Im Rahmen des AMA-Gütesiegels haben Konsumentinnen und Konsumenten größtmögliche Sicherheit durch Richtlinien, die noch weit über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. Regelmäßig werden Stall, Kot der Tiere, Eierlagerraum und Futtermittel auf mögliche Schadkeime untersucht. Außerdem kann jedes Ei mittels der Kennzeichnung bis zum Legehennenbetrieb zurückverfolgt werden.

Gentechnikfreie Fütterung mit Donausoja
Seit 2010 werden alle Legehennen, die Eier für den österreichischen Lebensmittelhandel legen, gentechnikfrei gefüttert. Seit 2013 wird im Futter nur mehr Soja aus dem europäischen Donauraum („Donau Soja“) eingesetzt. Das schont die Umwelt.

Die Schnabelspitzen bleiben, wo sie hingehören
Österreich ist schon seit Jahren Vorreiter in Sachen Tierschutz in Europa. So ist das Kupieren bzw. Stutzen der empfindlichen Schnabelspitzen unseres Federviehs in Österreich schon lange kein Thema mehr. Den Verzicht auf das Schnabelstutzen bei Legehennen haben die Bauern freiwillig umgesetzt.

Packstellen: DER Härtetest für jedes Ei
Packstellen sorgen durch den Einsatz von modernsten Schmutz-, Knick-, Bruch- und Blutfleckendetektoren und eine Oberflächenentkeimung für maximale Sicherheit, bevor die Eier nach Gewichtsklassen sortiert und verpackt werden.

Vorteile der österreichischen Legehennenhaltung zusammengefasst:
? Freiwilliger Verzicht auf Schnabelstutzen in allen Haltungsformen
? Strengere Tierschutzbestimmungen als in der EU zB bei Sitzstangen und Nestern
? Geringere Besatzdichte – weniger Hennen pro Quadratmeter im Stall
? Kleinere Herdengrößen – Anzahl der Hennen pro Gruppe ist reglementiert
? Stempelpflicht der Eier direkt am Erzeugerhof
? Gentechnikfreie Fütterung und Einsatz von Eiweiß aus der EU
? Eierdatenbank, um Warenströme kontrollieren zu können
? AMA-Gütesiegel bei über 90 Prozent der im Lebensmitteleinzelhandel verkauften Eier
? Gesundheitskontrolle durch Tiergesundheitsdienst (QGV)
? Antibiotikadatenbank – in allen Sparten der Geflügelwirtschaft
? Höchster Bioeianteil (ca. 15 Prozent) bei Eiern unter allen EU-Ländern

ÖR Franz Karlhuber,
Obmann des Landesverbandes der landwirtschaftlichen Geflügelwirtschaft
Fipronilskandal – was waren die Hintergründe?
Wochenlang füllte der Fipronil-Skandal das mediale Sommerloch in ganz Europa. Einmal mehr entbrannten allerorts hitzige Diskussionen über die Tierhaltung zur Lebensmittelproduktion im Allgemeinen und die Lebensmittelsicherheit im Besonderen.

Wo lag das Problem in Europa?
Auslöser der Belastung der Eier mit dem Insektizid Fipronil war im Wesentlichen eine Fremdfirma, die für viele große Eierproduzenten in Belgien und Holland die Milbenbekämpfung in Hennenställen durchführte. Die „rote Vogelmilbe“ hat sich in den letzten Jahren zu einer großen Plage in der Legehennenhaltung entwickelt. Die Milbe ist ein Blutsauger, der die Hennen befällt. Bei sehr hohem Milbenvorkommen verringert sich die Legeleistung der Hennen, im Extremfall kommt es zum Tod der Tiere durch Blutarmut. Eine Behandlung von Hennen mit Milbenbefall während der Legeperiode ist nur mit biologischen Mitteln wie Silikatstäuben zulässig. Findige Geschäftsleute in Holland haben jedoch diese Silikatstäube mit dem in der Lebensmittelproduktion verbotenen Insektenbekämpfungsmittel Fipronil versetzt. Dieses Fipronil wird handelsüblich in Floh- und Zeckenbändern für Hunde und Katzen eingesetzt. Mittlerweile wurde das Unternehmen gesperrt. Die Geschäftsführer der Firma sind untergetaucht. Es kann angenommen werden, dass die überwiegende Mehrheit der Betriebseigentümer nicht wusste, dass die zur Milbenbekämpfung eingesetzten Silikatstäube mit Fipronil versetzt waren. Es gibt somit in Europa viele unschuldig in Not geratene Betriebe. Der Schaden für die Bauern und Eiervermarkter in den betroffenen Ländern und Regionen geht in die zig-Millionen.

Österreich ist anders
„In Österreich wird die Arbeit am Hof meist von den Geflügelbauern selbst mit familieneigenen Arbeitskräften erledigt. Die tägliche Tierbetreuung, das Abnehmen der Eier, die technische Wartung des Stalles, die Weidepflege bis hin zur Reinigung und Desinfektion des Stalles werden vom Bauern oder der Bäuerin selbst durchgeführt. Fremdfirmen für diese Tätigkeiten sind eine seltene Ausnahme. Zusätzlich ist zu erwähnen, dass die Größe der Stallungen meist wesentlich geringer ist als in den restlichen EU Ländern“, erläutert Franz Karlhuber, Obmann des Landesverbandes der landwirtschaftlichen Geflügelwirtschaft.

Die 2.043 Legehennen-Betriebe, die in der Datenbank der QGV (Tiergesundheitsdienst Geflügel) österreichweit registriert sind, halten im Schnitt 3.200 Hennen. In anderen Ländern der EU werden demgegenüber durchschnittlich 20.000 bis 40.000 Legehennen pro Stalleinheit bzw. 100.000-ende Hennen pro Betrieb gehalten. Die größten Betriebe in der EU halten mehrere Millionen Hennen. Daraus ist ersichtlich, dass in diesen Betrieben die tägliche Arbeit nicht mehr von den Eigentümern, sondern von Angestellten bzw. von Fremdfirmen erledigt werden muss.

Die österreichischen Eierbauern produzieren bereits seit langem zu den strengsten Tierschutz- und Umweltauflagen Europas. Die hohen Qualitätsvorgaben (AMA Gütesiegel, Tiergesundheitsprogramm), Transparenz (Einzeleikennzeichnung, Rückverfolgbarkeit) und ein kontinuierliches unabhängiges Kontrollsystem bieten den Konsumentinnen und Konsumenten größtmögliche Sicherheit beim Verzehr heimischer Frischeier.

„Der Kauf von in Österreich produzierten Eiern ist der einzig wirkliche Konsumentenschutz den es gibt. Wer Eier um 1,19 Euro pro Zehnerpackung kaufen will, muss auch künftig damit rechnen, dass es derartige Vorfälle gibt. Herkunft aus Österreich mit den höchsten Standards weltweit hat ihren Preis – bietet aber Konsumentensicherheit auf höchster Stufe“, ist Karlhuber überzeugt.
Verbesserung des Europäisches Schnellwarnsystems
Der Fipronil-Skandal hat einmal mehr gezeigt, dass es notwendig ist, über die Verbesserung der nationalen und internationalen Frühwarnsysteme nachzudenken. Derzeit wird auf EU-Ebene über eine Optimierung des Europäischen Schnellwarnsystems Rapid Alert System for Food and Feed, RASFF) diskutiert. Es sollen auch nationale Ansprechpartner für Lebensmittelsicherheit ernannt werden, um die Kommunikation zu verbessern. Außerdem soll die Kluft zwischen dem EU-Warnsystem zur Lebensmittelsicherheit und dem EU-System zur administrativen Unterstützung und Kooperation (AAC) besser überbrückt werden.

Daten, Fakten und Zahlen zur österreichischen Eierbranche
Mitte der 1990iger Jahre erreichte die heimische Eiproduktion mit 89 Prozent Inlandsversorgung einen Höchststand. Durch den EU-Beitritt und die Unsicherheit rund um das Käfighaltungsverbot 2004 musste der geringste Versorgungsgrad mit 74 Prozent registriert werden. Nach dem Käfigverbot mit der Übergangsfrist von 2005 bis Ende 2009 wurden die Legehennenbestände nach und nach wieder aufgebaut. Mit 86 Prozent Inlandsversorgung im Jahr 2016 gelingt es der heimischen Eierbranche, die in Österreich benötigten Schaleneier aus heimischer Erzeugung anbieten zu können. Bestände in privaten Haltungen wurden im Rahmen dieser Statistik berücksichtigt. Es wird geschätzt, dass in Österreich ca. 500.000 Legehennen in Haltungen zur Eigenversorgung leben. Der Eiverbrauch ist mit 235 Stück (umgerechnet ca. 14,2 kg) pro Kopf und Jahr seit Jahren sehr stabil.

In allen Bereichen (ausgenommen ausgestalteter Käfig) konnte die Legehennenhaltung in den letzten Jahren in der Produktion zulegen. Aktuell wird der Einstieg oder die Erweiterung der Legehennenbestände nicht forciert, um ein Überangebot an Eiern zu verhindern. Falls es zu einem Umdenken in der Verarbeitungsindustrie, den Großküchen und in Teilen der Hotellerie in Richtung heimisches Schalenei, Trocken- und Flüssigei kommt, kann die Inlandsversorgung weiter ausgebaut werden.

Eierpreise für die Bauern am unteren Limit
In den letzten Jahren waren die Erzeugerpreise für Eier rückläufig. Trotz enormer Anstrengungen der Branche, allen Forderungen der Konsumenten und des Handels nachzukommen, gingen die Eierpreise in den letzten Jahren zurück. Es ist unabdingbar, dass die Erzeugerpreise für die Bauern in nächster Zeit wieder angehoben werden, um den Mehrwert des österreichischen Eies auch finanziell abgegolten zu bekommen. Weltweit werden in Österreich in der Eiproduktion die höchsten Standards angewendet. Zu Erzeugerpreisen wie in Polen oder Holland ist das jedoch nicht möglich. Der Fipronilskandal hat eindeutig gezeigt, dass Preisdumping in der Lebensmittelherstellung in die Sackgasse führt.

 

Bild (LK OÖ): „Wir fordern eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Verarbeitungsprodukte mit Eianteil“, so der Obmann des Landesverbandes der landwirtschaftlichen Geflügelproduzenten ÖR Franz Karlhuber (l.) und ÖR Ing. Franz Reisecker, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ.