Sie sind hier: 
Mittwoch, den 08. November 2017 09:10

Pflüger-WM - ein Event der Superlative


Die WM-Teilnehmer Hannes Heigl und Stefan Steiner mit Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter und LH Mag. Thomas Stelzer

Letzte Vorbereitungen für Stefan Steiner und Hannes Heigl für die Pflüger-WM in Kenia

KREMSMÜNSTER / KENIA. Traktoren und Pflüge wurden bereits am 5. September in Schiffscontainer verfrachtet und befinden sich bereits in Kenia. Am 10. November 2017 fliegen Hannes Heigl von der Landjugend Ernsthofen und Stefan Steiner von der Landjugend Kremsmünster mit ihren Trainern rund zehn Stunden lang von Wien über Amsterdam nach Nairobi. 

Wenn von 1. bis 2. Dezember 2017 die internationale Pflüger-Elite bei der 64. Weltmeisterschaft an der Egerton University, nahe Nakuru in Kenia gegeneinander antritt, werden Hannes Heigl von der Landjugend Ernsthofen (NÖ) und Stefan Steiner von der Landjugend Kremsmünster (OÖ) für Österreich am Start sein.

„Unzählige Stunden am Feld mit Traktor und Pflug sind notwendig, damit jede Einstellung am Pflug passt. Genauigkeit ist eine große Disziplin beim Leistungspflügen“, berichtet Hannes Heigl, der sich letztes Jahr mit dem Sieg in der Drehpflugklasse beim Bundespflügen in der Steiermark für die Weltmeisterschaft in Kenia qualifizieren konnte. Für Hannes Heigl ist es bereits die zweite WM-Teilnahme nach 2015 in Dänemark. Stefan Steiner startet nach mehrjähriger Erfahrung auf Bundesebene erstmals bei der Pflüger-WM als letztjähriger Bundes-Vizesieger in der Klasse Beetpflüge, da der Bundessieger berufsbedingt die WM-Teilnahme absagen musste.

Für beide Teilnehmer ist es eine Auszeichnung, Österreich in Kenia vertreten zu können, der sie mit großer Freude entgegenblicken. Zu einem besonderen Erlebnis wurde für sie die Verabschiedung des Teams im Rahmen der Rieder Messe, wo sie von Bundesminister Andrä Rupprechter und Landeshauptmann Thomas Stelzer in einer feierlichen Zeremonie verabschiedet wurden.

Das Pflügen gilt als die Königsdisziplin der landwirtschaftlichen Bewerbe, die in Österreich von der Landjugend organisiert werden. Das Wettpflügen hat sich seit den ersten Bewerben nach Kriegsende zu einem Präzisionssport der besonderen Art entwickelt. Die Faszination des Wettbewerbes liegt im Zusammenspiel von Mensch und Technik. Die optimale Einstellung von Traktor, Reifen und Pflug auf die Boden- und Witterungsverhältnisse sowie Routine und Können des Pflügers entscheiden über Sieg und Niederlage. Eine gerade und saubere Spaltfurche, sauberes Unterpflügen des Bewuchses, gleichmäßige Einhaltung der Arbeitstiefe, gleich hohe und breite Furchen, keine Löcher und Hügel im gepflügten Feld und eine gerade, saubere Schlußfurche sind die Hauptkriterien des Wettpflügens, die aus der Praxis kommen.

Im Jahre 1953 fand die erste Pflüger-Weltmeisterschaft in Kanada statt. Seit dem Jahre 1958 nimmt Österreich an der WM teil. Heute ist Österreich mit 15 WM-Titeln (Gesamtweltmeister) neben Irland die erfolgreichste Pflüger-Nation der Welt. 2005 trat Österreich erstmals in beiden Klassen – dem Beetpflug und dem Drehpflug – an.

Können und hartes Training sind wichtige Voraussetzungen für den Erfolg im Pflüger-Wettkampf, ebenso wie die perfekte technische Ausrüstung. Hier kann das österreichische WM-Team auf die beste Unterstützung zählen: Die Sponsoren Steyr Traktoren, Lindner Traktoren, Genol, die österreichische Hagelversicherung und die Firma Mitas, welche erneut auch als Kopfsponsor der beiden Teilnehmer auftritt, sorgen dafür, dass sich die beiden Spitzenpflüger voll und ganz auf die Vorbereitung für den Wettkampf konzentrieren können.

Seit dem Frühjahr trainiert das WM-Team für seinen internationalen Einsatz, denn die Erwartungen an die österreichischen Spitzenpflüger sind hoch, zählt Österreich doch zu den weltweit besten Pflügernationen – ein Ruf, der verteidigt werden will. Die beiden WM-Teilnehmer traten bei allen heurigen Bewerben außer Konkurrenz an. Nach der Ankunft in Kenia beginnt das österreichische Pflüger-WM-Team ein zweiwöchiges Training in Ostafrika. Das Training vor Ort ist entscheidend um sich optimal auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten. Besonders die Bodenbeschaffenheit wird in Kenia eine ganz andere als in Österreich sein.

Die Pflüger-Weltmeisterschaft – ein Event der Superlative
Die Pflüger-WM wird von der Weltpflügerorganisation (WPO) jedes Jahr in einem anderen Land veranstaltet. Rund 30 Nationen mit 60 Startern sind bei der Weltmeisterschaft teilnahmeberechtigt. Die internationale Delegation bei den Weltmeisterschaften (Starter, Trainer, Betreuer, Schiedsrichter u.a.) umfasst rund 500 Personen.

Österreich war bisher dreimal Veranstalter der Weltmeisterschaft - 1964 war Fuchsenbigl, 1987 Niederweiden und 2008 Grafenegg Austragungsort der Entscheide. 2008 haben trotz Schlechtwetter 23.000 Besucher die Weltmeisterschaft vor Ort miterlebt.

 

Interview mit Stefan STEINER, LJ Kremsmünster, Konstrukteur (24)

Wie sieht das Programm zur Pflüger-WM in Kenia aus ?
„Am 10. Nov. fliegen wir nach Kenia – wir sind zwei Wochen vor dem offiziellen Programm am WM-Gelände und trainieren zwei Wochen lang vor Ort. Ende November beginnt das WM-Programm. Am 1. und 2. Dezember findet die WM statt und bis 5. Dezember wird alles zusammen gepackt und heimgeflogen.“

War es schwierig entsprechende Sponsoren zu finden ?
„Neben den langjährigen Hauptsponsoren über die österreichische Landjugend musste ich auch selber einige Sponsoren auftreiben. Es war sicherlich mühsam, aber als nicht alltäglicher WM-Teilnehmer ging es dann doch etwas leichter. Außer den Hauptsponsoren werde ich von der Regiona Kremsmünsterer Versicherung, Steiner Blechbearbeitung, die Eiermacher, TGW Logistic Group, Landtechnik Bulla, Hörtenhuber Agrarhandel, Raiffeisenbank Region Kirchdorf – Bankstelle Kremsmünster und Trachten Wichtlstube finanziell unterstützt.“

Gibt es zu Hause noch ein Training ?
„Nein. Traktor und Pflug wurden bereits am 5. September in Schiffscontainer verfrachtet und sind bereits am Weg nach Kenia. Von Mitte bis Ende November werden wir in Kenia eifrig trainieren und uns auf die dortigen Bodenverhältnisse einstellen“.

Deine Familie erkämpfte schon zwei Pflüger-WM-Medaillen. Wie hoch ist für dich der Leistungsdruck und welche Ziele hast du dir für die WM gesteckt ?
„Mein Vater Johann Steiner errang 1987 bei der Pflüger-WM in Niederweiden (NÖ) die Goldmedaille im Stoppelpflügen und mein Bruder Stefan Steiner holte 2004 in Nordirland den Vize-Weltmeistertitel und die Silbermedaille im Stoppelpflügen. Für die Pflügernation Österreich werden immer vordere Plätze erwartet und auch mein Ziel wäre eine Medaillle und in allen drei Sparten (Stoppel-, Grünlandpflügen und Kombination) unter den Top Ten.“

Wer außer dem Team drückt dir in Kenia die Daumen ?
„Eine kleine Fangruppe mit 27 Personen reist von 27. November bis 5. Dezember nach Kenia. Mit dabei ist meine ganze Familie und die werden auf den ostafrikanischen Feldern fest die Daumen für Österreich drücken.“

 

Bild (Gerhard Hütmeyer): Die WM-Teilnehmer Hannes Heigl und Stefan Steiner mit Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter und LH Mag. Thomas Stelzer