Sie sind hier: 
Mittwoch, den 07. März 2018 13:41

KFV Unfallbilanz 2017


Notruf - Imagebild

Unfälle im Minutentakt in Österreich

784.300 Menschen verletzten sich im Jahr 2017 bei einem Unfall so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Das bilanziert das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) bei einer Pressekonferenz. Nach wie vor haben Haushaltsunfälle sowie Unfälle in der Freizeit bzw. beim Freizeitsport den höchsten Anteil an Unfällen in Österreich. Umfassende Präventionsarbeit und gezielte Maßnahmen zur Unfallreduktion sind angesichts der hohen Unfallzahlen besonders wichtig.

Wien, 07. März 2018. Im Jahr 2017 verletzten sich in Österreich 784.300 Menschen bei Unfällen (2016: 792.100), darunter 26.220 (2016: 26.860) Schwerverletzte. Das sind mehr als 2.000 Menschen täglich. 2.491 (2016: 2.410) Österreicher starben an den Folgen eines Unfalls (Quelle: ST.AT, Todesursachenstatistik. 2017 vorläufige Zahlen). Damit ist die Anzahl der Verletzten in den letzten zehn Jahren um zehn Prozent gesunken. Die Zahl der Toten und Schwerverletzten stagniert seit Jahren auf hohem Niveau, das zeigen die aktuellen Auswertungen der KFV-Unfalldatenbank und der IDB-Austria. „Unfälle werden in Österreich generell gerne unterschätzt – das Bewusstsein für die Größenordnung dieses Gesundheitsrisikos, eine exzellente Unfallversorgung sowie gezielte Unfallprävention sind in Zukunft besonders gefordert“, betonen KFV-Direktor Dr. Othmar Thann und Prim. Univ.-Prof. Dr. Mehdi Mousavi, Vorstand der Unfallchirurgie und Sporttraumatologie im SMZ Ost Wien.

Wohnung und nahe Wohnumgebung Platz 1 der Unfallorte
303.900 Menschen in Österreich verletzten sich im Jahr 2017 bei Haushaltsunfällen. Damit ist das eigene Zuhause und die nähere Wohnumgebung Platz Eins der Unfallorte. 36 Prozent aller Unfälle (285.900 Verletzte) passierten in der Freizeit bzw. bei der Ausübung eines Freizeitsports, 81.100 Verletzte gab es bei Straßenverkehrsunfällen, davon wurden etwa 60 Prozent polizeilich gemeldet. Der höchste Anteil an Schwerverletzten findet sich im Haushalt, gefolgt vom Straßenverkehr, wobei in den eigenen vier Wänden vorrangig ältere Personen verunfallten, während jüngere Personen eher im Straßenverkehr schwer verunglückten.

Mehr tödliche Unfälle im Freizeitbereich
Noch nie gab es so wenig tödliche Straßenverkehrsunfälle wie im Jahr 2017. Ganz anders ist die Entwicklung der tödlichen Unfälle im Haushalts-, Freizeit- bzw. Sportbereich: In den letzten 10 Jahren gab es hier einen Anstieg von 15 Prozent. Bei den Senioren sind es sogar 26 Prozent. "Diese Entwicklung ist alarmierend und zeigt, dass wirkungsvolle Gegenmaßnahmen nötig sind. In der Verkehrssicherheit haben wir bemerkenswerte Verbesserungen erreichen können. Es ist höchste Zeit, dass dies auch im Bereich Haushalt, Freizeit & Sport passiert", so Thann.

Weiterer Anstieg bei Unfällen von Senioren erwartet
Während die Gesamtunfallzahlen in Österreich stagnieren, steigt die Unfallzahl der verletzten und getöteten Personen ab 65 Jahren sogar stark: 218.500 Personen über 65 wurden im Jahr 2017 bei Unfällen verletzt (2009: 198.700), rund 73 Prozent der durch einen Unfall getöteten Personen sind in dieser Altersgruppe.

Hochsaison für Kinderunfälle steht kurz bevor
123.500 Kinder verunfallten im Jahr 2017 in Österreich, 20 Kinder überlebten die Folgen dieser Unfälle nicht (vorläufige Zahl). Die negative Entwicklung gerade bei den tödlichen Kinderunfällen veranlasst das KFV dazu, erneut an die politischen Akteure zu appellieren, dem Thema Unfallprävention einen vorrangigen Stellenwert auf ihrer Agenda einzuräumen. "Unfallprävention ist ein Thema das bislang viel zu wenig in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt ist“, so Thann.

Mit Prävention Unfallfolgen abschwächen
„Schwere Verletzungen durch Unfälle haben für die Betroffenen ernsthafte Auswirkungen. Das zeigt die tägliche Praxis in unseren Unfallambulanzen“, erklärt Unfallchirurg Prim. Univ.-Prof. Dr. Mousavi. Besonders schwerwiegend sind bei Kindern Verletzungen der Wirbelsäule und des Kopfes wie sie z.B. durch Stürze verursacht werden. Bei der Gruppe der Senioren führen z.B. Schenkelhalsfrakturen zu oft langwierigen Behandlungen. „Hier gilt es vor allem osteoporotischen Frakturen verstärkt präventiv entgegen zu wirken. Ein knochenfreundlicher Lebensstil – also viel Bewegung und eine gesunde Ernährung – sollte früh begonnen werden. Ein Unfallchirurg sieht die Patienten erst dann, wenn schon ein Bruch vorliegt – also eigentlich viel zu spät“, so Mousavi. „Zusätzlich zur Behandlung vorhandener Brüche können medikamentöse Osteoporose-Therapien, Sturz-Prophylaxe oder physikalische Therapie Frakturen vorbeugen. Diese Maßnahmen werden, vor allem in Hinblick auf die immer älter werdenden Patientinnen und Patienten, besonders wichtig“, schließt Mousavi.

Verletzte 2017 nach Bundesländern
Bundesland  2017
Burgenland  23.500
Kärnten  54.900
Niederösterreich  125.500
Oberösterreich  133.300
Salzburg  70.600
Steiermark  117.600
Tirol  78.400
Vorarlberg  31.400
Wien  149.000
Österreich 784.300