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Dienstag, den 08. Mai 2018 08:00

Hallo Leben!


ASFINAG startet neue Verkehrssicherheits-Kampagne

Ablenkung ist die Ursache für jeden dritten tödlichen Unfall | ASFINAG startet neue Verkehrssicherheits-Kampagne

Eine aktuelle IFES-Umfrage im Auftrag der ASFINAG zeigt: Acht von zehn Lenkerinnen und Lenkern sagen, dass das Schreiben oder Lesen von Nachrichten stark ablenkt.  ABER: Ein Drittel gibt zu, das Handy hinter dem Steuer dafür zu benützen, obwohl es verboten ist. Jede und jeder Zehnte macht das sehr häufig. Bei stop-and-go-Verkehr macht es jede und jeder Vierte oft.

Auf dem Vormarsch sind dabei Fotos oder Videos mit dem eigenen Smartphone: Fast 40 Prozent sagen, dass sie schon Motive während der Fahrt aufgenommen haben, bei den unter 30-jährigen ist es mehr als die Hälfte.

Knapp die Hälfte (47 Prozent) musste daher in den vergangenen zwölf Monaten plötzlich in einer gefährlichen Situation voll abbremsen, weil sie oder er abgelenkt war – jeder und jede Vierte rasch die Spur wechseln, das Lenkrad verreißen.     

Warum kann man nicht widerstehen, eine Nachricht zu lesen - obwohl man weiß und erlebt hat, dass es stark ablenkt? Die Verkehrspsychologie liefert Erklärungsansätze: Es liegt ein gefährliches Gemisch aus positiver Einstellung zum Handy am Steuer, subjektiver Wahrnehmung der Anderen und falscher Selbsteinschätzung vor. Zusammengefasst: „Multitasking ist gut und spart Zeit“, „fast alle nutzen das Smartphone am Steuer“ und „außerdem fahre ich besser als die meisten anderen“. Erschwerend kommt hinzu, dass Handygebrauch – obwohl seit fast 20 Jahren verboten –  sowie andere Nebentätigkeiten am Steuer für viele bereits zur alltäglichen Gewohnheit wurden.

Unfallursache Nummer Eins: „Hallo Leben“ Kampagne gegen den Blindflug    

Ablenkung ist dabei vor Übermüdung, zu hohem Tempo und zu wenig Abstand unangefochten Risikofaktor und Unfallursache Nummer Eins auf Autobahnen. Nach der vorläufigen Unfallbilanz für 2017 kamen im Vorjahr 56 Personen auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen ums Leben – durch Unachtsamkeit oder Ablenkung passierten 17 tödliche Unfälle, bei denen insgesamt 19 Menschen ums Leben kamen, also ein Drittel aller Todesopfer.

Verkehrssicherheit ist „Teamwork“: Die ASFINAG übernimmt Verantwortung für sichere Straßen und Tunnel. Aber nur wenn möglichst alle Lenkerinnen und Lenker die wichtigsten Regeln befolgen, klappt es auch mit der Verkehrssicherheit. Im Rahmen von „Hallo Leben“, der Initiative für ein sicheres Miteinander auf Österreichs Straßen, setzt die  ASFINAG daher heuer einen Info-Schwerpunkt zum Thema Ablenkung.

Karin Zipperer, Vorstandsdirektorin ASFINAG
„Die ASFINAG sorgt für möglichst sichere Autobahnen und Tunnel. Und wenn sich Lenkerinnen und Lenker an die wichtigsten Regeln halten, schaffen wir bei der Verkehrssicherheit nochmal einen großen Sprung nach vorne. Es geht ganz einfach: Handy weglegen und die Augen auf die Straße.“

KLAUS Schierhackl, Vorstandsdirektor ASFINAG
„Wir investieren jeden zweiten Euro – das sind rund 500 Millionen im Jahr – in Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit. Auch Fahrzeughersteller machen mit technischen Innovationen die Autos immer sicherer. Ohne Eigenverantwortung geht es aber nicht: Das Lenkrad ist kein Platz für Multitasking-Versuche.“

Bettina Schützhofer, Verkehrspsychologin
„Obwohl das Schreiben und Lesen von Nachrichten während der Autofahrt seit fast zwanzig Jahren verboten ist, wurde es für viele zur Gewohnheit, deren Gefährlichkeit unterschätzt wird. Um diese Gewohnheit zu durchbrechen, braucht es vielfache Anstrengungen. Die „Hallo Leben“ Kampagne ist dabei ein wichtiger Baustein im Bereich Bewusstseinsbildung und Information.“

Ablenkung: Das sind die größten Risiken   

Aufmerksame Lenker haben eine Reaktionszeit von einer Sekunde oder weniger. Wer mit dem Smartphone hantiert, braucht oft mehrere Sekunden, um auf eine Gefahr reagieren zu können.  

Bei 130 km/h auf der Autobahn fährt man pro Sekunde etwa 36 Meter – nur drei Sekunden unaufmerksames Fahren genügen, um mehr als die Länge eines Fußballfeldes „blind“ zu fahren. Und ist man etwa mit 130 km/h im – zu geringen - Abstand von 50 Metern zum vorderen Fahrzeug unterwegs und dieses bremst plötzlich ab, dann genügen schon zwei Sekunden Unachtsamkeit, um so gut wie ungebremst in den Vordermann zu krachen. Wer abgelenkt ist, hält zudem die Spur sehr schlecht, verwendet keinen Blinker und ist oft langsam oder zu schnell unterwegs.

Ablenkung: Das sind die gefährlichsten Formen

Die gängigsten Kategorien von Ablenkung in der Reihenfolge der „Ablenkungsstärke“ nach Expertenschätzung (Quelle: SVI Schweizerische Vereinigung der Verkehrsingenieure und Verkehrsexperten) sind:

  • Handy-Nachrichten oder E-Mails lesen auf dem Handy
  • Im Auto herumliegende oder herumrollende Gegenstände suchen
  • Handy-Nachrichten oder E-Mail schreiben auf dem Handy, ohne Freisprecheinrichtung telefonieren
  • Navi, Radio, CD-Player oder Smartphone zum Musikhören bedienen
  • Landschaft oder andere Autofahrende beobachten („Gaffen“)

Lenkerinnen und Lenker: Ein Drittel greift hinter dem Steuer zum Handy  

Das IFES-Institut (Institut für empirische Sozialforschung) hat im Auftrag der ASFINAG im April 1000 Lenkerinnen und Lenker, die regelmäßig Autobahnen und Schnellstraßen nutzen, befragt. Insgesamt gibt jede und jeder Zehnte eine sehr starke Handynutzung am Steuer zu, bearbeitet etwa berufliche Nachrichten und möchte die Fahrzeit für Erledigungen nutzen. Weitere 20 Prozent tun dies gelegentlich. Nur eine Minderheit von etwa 40 Prozent sieht sich als weitgehend handy-abstinent.

Verkehrspsychologie: Ablenkungsrisiko wird wissentlich in Kauf genommen

Eine aktuelle Fahrsimulator-Studie aus 2018 (Schleinitz, Petzoldt, Krems, Buchholz, Gehlert: „Fahrerablenkung durch Informations- und Kommunikationssysteme, insbesondere Textbotschaften“, Berlin, Unfallforschung der Versicherer GDV) untersucht den Einfluss von Nebentätigkeiten auf das Reaktionsvermögen in kritischen Situationen. Der Zeitpunkt der ablenkenden Tätigkeit konnte frei gewählt werden. Die Fahrerinnen und Fahrer beschrieben sich als routiniert und durchschnittlich vorsichtig, das Texten oder Lesen während einer Autofahrt wurde vorab weder als besonders unmoralisch, noch als moralisch unbedenklich – also neutral – eingeordnet.

Aus Gewohnheit: Je leichter die Fahrsituation, desto eher abgelenkt

  • Ergebnis 1: Die Bereitschaft, Nachrichten zu schreiben hängt sehr stark von der Schwierigkeit der Fahraufgabe ab. Bei gerader Straße und wenig Verkehr oder roten Ampeln schreibt man viel eher eine Nachricht als bei kurviger und enger Straßenführung. Bei den Nebentätigkeiten wurde im Simulator auch das Tempo verlangsamt.
  • Ergebnis 2: Textnachrichten werden einfach aus Gewohnheit geschrieben. Es dominiert das Gefühl, trotzdem Kontrolle über das Verhalten zu haben. Das Schreiben einer Nachricht am Smartphone hatte dennoch den negativsten Einfluss bei kritischen Situationen, der sich in der höchsten Rate von Unfällen (25 Prozent) und „Beinaheunfällen“ (38 Prozent) im Fahrsimulator niederschlug.

Auffällig an den Ergebnissen ist zudem die grundsätzlich positive Einstellung zum Smartphone-Gebrauch am Steuer, trotz des Wissens um die starke  Einschränkung bei Wahrnehmung und Reaktionsvermögen. 

IFES Ergebnisse:  Ablenkung und Selbstüberschätzung bei jungen Befragten stärker

In der aktuell vom IFES Institut durchgeführten Befragung wurden unter vielen  unterschiedlichen Ablenkungsquellen fünf als „besonders ablenkend“ eingestuft – diese werden auch regelmäßig ausgeführt. Unterschieden nach Alter zeigt sich, dass jüngere Befragte im Schnitt doppelt so viele Nebentätigkeiten angeben als ältere (acht gegenüber vier). Die jüngeren Befragten schätzen (unter 30 Jahren mit fast 70 Prozent) ihr eigenes Fahrkönnen im Vergleich zu den älteren Befragten als besser ein, was im Widerspruch zur Erfahrung steht.

Ablenkung: Das sind die Unfallfakten

Im Jahr 2016 (die jüngste verfügbare Statistik) ereigneten sich auf Autobahnen und Schnellstraßen 2.381 Unfälle mit 46 Todesopfern und 3.582 Verletzten. Ablenkung/Unachtsamkeit (36 Prozent), zu hohe Geschwindigkeit (16 Prozent) und zu wenig Sicherheitsabstand (12 Prozent) – das sind jedes Jahr die zentralen

Unfallursachen auf Autobahnen und Schnellstraßen. Übermüdung folgt mit acht Prozent. Viele Verkehrsunfälle sind Kombinationen mehrerer Ursachen, wobei in sehr vielen Fällen zu wenig Sicherheitsabstand eine negative Rolle spielt.
(Quelle: Unfallzahlen 2016 Statistik Austria).

Die vorläufige Unfallbilanz der ASFINAG für 2017 zeichnet ein ähnliches Bild: Im Vorjahr kamen 56 Personen auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen ums Leben – durch Unachtsamkeit oder Ablenkung passierten 17 tödliche Unfälle, bei denen insgesamt 19 Menschen ums Leben kamen, also ein Drittel aller Todesopfer.

Drei ASFINAG-Tipps gegen Ablenkung

  • Erledigen Sie alles, was nicht zum „reinen Fahren“ gehört, vorher oder nachher. Egal ob Trinken, Essen, Rauchen, Einstellen des Navis, ein Telefonat oder der letzte Check der Mails. Oder machen Sie eine Pause.
  • Elektronische Geräte nach Möglichkeit nicht bedienen: Egal ob Nutzung des Handys oder Einlegen einer CD – die Beschäftigung mit elektronischen Geräten dauert zu lange.
  • Gegenstände griffbereit hinlegen:Etwa die Sonnenbrille auf einen bestimmten Platz legen, um „blind“ darauf zugreifen zu können. Alles andere wie Zeitschriften, Unterlagen, Trinkflaschen etc. gehört in den Kofferraum oder im Fahrgastraum sicher verstaut und nicht auf den Beifahrersitz. Damit es bei einem Bremsmanöver nicht von diesem rutscht – und man versucht ist, während der Fahrt etwas aufzuheben

Bewusstseinsbildung: So informiert die ASFINAG im Rahmen der Initiative „Hallo Leben“

„Hallo Leben“ ist der Appell der im Vorjahr gestarteten ASFINAG Initiative für ein sicheres Miteinander und ein sicheres Ankommen. Unter dieser Klammer ist Ablenkung der diesjährige Informationsschwerpunkt der ASFINAG.
Das Ziel: mehr Bewusstsein und weniger Risiko.   

Das sind die Kommunikationskanäle: 

  • TV-Spots im ORF und ausgewählten Privatsendern
  • Hörfunk-Spots auf Ö3, ORF Regionalsendern und Privatsendern
  • 220 Plakate auf Autobahnen und Schnellstraßen
  • 80 Inserate in reichweitenstarken Print-Medien
  • Banner auf reichweitenstarken Online-Plattformen
  • Schwerpunkt auf www.asfinag.at und ASFINAG Social Media Kanälen

ASFINAG Investitionen für mehr Verkehrssicherheit

Jedes Jahr investiert die ASFINAG rund eine Milliarde in die Straßeninfrastruktur. Jeder zweite Euro davon fließt in Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit. Die Eckpfeiler dafür liegen im „Verkehrssicherheitsprogramm 2020“.
Dazu gehören unter anderem:

  • Tunnelsicherheit: 1,7 Milliarden investiert die ASFINAG aktuell und noch bis 2019 in Tunnelneubauten, zweite Tunnelröhren, bauliche und elektrotechnische Maßnahmen inklusive Generalerneuerungen, sowie Ausbau der Überwachungszentralen. 2018 liegt ein wesentlicher Investitionsschwerpunkt auf 30 Tunnel-Großprojekten in ganz Österreich.
  • High-Tech-Einsatz: Die ASFINAG setzt auf das akustische Tunnelmonitoring durch modernste Mikrofone, die bei Gefahrengeräuschen sofort Alarm schlagen. In 17 Tunnel ist das System bereits erfolgreich im Einsatz. In Summe werden 56 Tunnel mit dem akustischen Frühwarnsystem  ausgestattet. Auch zum Einsatz kommen Hochdrucksprühnebel-Anlagen als vollautomatische Brandbekämpfung im Tunnel.
  • Leitschienen-Lückenschluss: Leitschienenlücken, die kürzer als 150 Meter waren, wurden geschlossen. Insgesamt wurden im Rahmen dieses Programms 170 Kilometer neue Leitschienen montiert.
  • Terminals/Anpralldämpfer: Terminals werden etwa als Anfangselement bei Autobahnabfahrten eingesetzt, 600 Terminals wurden bisher montiert. Sie sind so konstruiert, dass sie im Falle eines Aufpralles wie eine Ziehharmonika nachgeben, die einzelnen Bestandteile sich also ineinander schieben und so die Aufprallenergie absorbieren.
  • Anpralldämpfer fungieren bei größeren Abzweigungen, in Pannenbuchten beim Frontalaufprallen als zusätzliche externe „Airbags“. Diese neuen Elemente haben auch nach Aussagen der Einsatzorganisationen bereits mehreren verunfallten Personen das Leben gerettet.