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Sonntag, den 10. Juni 2018 08:00

Erfolgreiche Produktionssparte


Erfolgreiche Produktionssparte bei Ziegenhaltung

Hoher Anteil an Biobetrieben und Direktvermarktung bei Ziegenhaltung

Der Einstieg in die Ziegenhaltung war für viele Betriebe in den letzten Jahren eine interessante Alternative. Die Nachfrage nach Produkten aus Ziegenmilch entwickelt sich positiv, doch muss auch in dieser Produktionssparte mit spitzem Stift gerechnet werden, um ein entsprechendes Betriebseinkommen zu erwirtschaften. Dies gilt besonders für die Milchlieferungen an Molkereien. „Für die Ziegenhalter liegen die Chancen in der optimalen Grünlandverwertung und in kostengünstigen Haltungssystemen. Dieser Betriebszweig ist für viele bäuerliche Betriebe eine gute Basis, doch bedarf es in der Nischenproduktion einer hohen Innovationskraft und Eigenverantwortung“, erläutert Franz Reisecker, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ.
Die Ziegenhaltung in Oberösterreich zeigt in den letzten Jahren eine enorme Entwicklung. In unserem Bundesland werden derzeit rund 29.000 Ziegen gehalten. Dies sind 30 Prozent des gesamten Ziegenbestands in Österreich. OÖ ist dabei das Ziegenland Nummer eins, gefolgt von Tirol und Niederösterreich. „Ein Grund für diesen Anstieg ist sicher darin zu finden, dass sich viele innovative Bäuerinnen und Bauern durch die Möglichkeit der Lieferung von Ziegenmilch an eine Molkerei auch mit relativ geringer Flächenausstattung einen Neben- oder Vollerwerb sichern konnten“, so Reisecker. Nahezu die Hälfte des oberösterreichischen Ziegenbestandes wird in Herden von 100 bis 250 Ziegen gehalten. Der Anteil an Bio-Betrieben liegt in diesem Bereich bei fast 85 Prozent und ist damit außergewöhnlich hoch. Naturnah und regional erzeugte Lebensmittel erfreuen sich besonders in den letzten Jahren großer Beliebtheit beim Konsumenten.

Direktvermarktung hat den Markt aufbereitet
Dass Produkte aus Ziegenmilch beim Konsumenten heute einen hervorragenden Ruf genießen, ist ein wesentlicher Verdienst jener Ziegenhalter, die zum Teil schon seit den 1980-er Jahren ihre Ziegenmilch selbst zu Käse verarbeiten und direkt an die Konsumenten verkaufen, sei es ab Hof oder über Bauermärkte bzw. Wochenmärkte. Nachdem die Milchziegenhaltung nach dem Krieg fast verschwunden war und die meisten Konsumenten Ziegenmilchprodukte kaum mehr kannten, haben diese Pioniere den Markt neu aufbereitet und Ziegenkäse wieder salonfähig gemacht. Rund 70 Betriebe veredeln in der Direktvermarktung etwa 2 Mio. Liter Ziegenmilch jährlich zu Käse, Joghurt und anderen Produkten. Die durchschnittliche Bestandsgröße der direktvermarktenden Betriebe liegt bei ca. 45 Milchziegen.

Molkereien schaffen Absatzpotenzial im Lebensmittelhandel
Nicht jeder Ziegenbetrieb hat auf Grund der regionalen Marktgegebenheiten und seiner personellen Ressourcen die Möglichkeit zur Direktvermarktung. Und nicht jeder Konsument hat die Möglichkeit, ab Hof oder bei einem Bauermarkt einzukaufen. Die Molkereien bauten das im Handel angebotene Produktsortiment in den letzten Jahren weiter aus. Im vergangenen Jahr wurden rund 7,5 Millionen Liter Milch von oberösterreichischen Ziegenbetrieben an Molkereien geliefert. Abnehmer sind die Andechser Molkerei Scheitz (Bayern), die Biogenossenschaft Schlierbach (Stift Schlierbach), Leeb Vital (Wartberg) und die Sennerei Zillertal (Mayrhofen). Weiters liefern einige Betriebe konventionelle Ziegenmilch an die Molkerei Ploner, „Die Käsemacher“ (Waidhofen an der Thaya). Neben Frischkäse, Frischmilch, Topfen und Joghurt werden auch Schnittkäsesorten und Trockenmilch erzeugt.

Kitzfleisch – eine saisonale Spezialität
Kitzfleisch, das Fleisch junger, hauptsächlich mit Milch gefütterter Jungziegen, ist eine bei Konsumenten noch weithin unbekannte Spezialität. Es wird auch nicht ganzjährig angeboten, sondern in einem Zeitraum etwa ab Ostern bis in den Frühsommer hinein. Dies hat den Grund darin, dass die Kitze großteils in einem Zeitraum von etwa drei bis vier Monaten ab Jahresbeginn geboren werden. Die nicht zur Zucht benötigten Kitze werden mit Milch etwa acht bis 14 Wochen gefüttert und bringen dann ein sehr zartes, schmackhaftes Fleisch. Nicht nur zu Ostern, sondern bis in den Sommer hinein kann es bei den Direktvermarktern ab Hof oder auf Bauernmärkten als regionale Spezialität gekauft werden. Darüber hinaus findet sich Kitzfleisch vor allem in der Spitzengastronomie. Ziegenfleisch ist eine gesunde Ergänzung zu anderen Fleischsorten und insbesondere zu Wurst- und Pökelwaren verarbeitet ein Genuss.

Beratungsschwerpunkte in der Ziegenhaltung
Gerade Betriebe, die neu in die Ziegenhaltung eingestiegen sind, brauchen Unterstützung von landwirtschaftlichen Fachberatern, um ihren Betrieb wirtschaftlich erfolgreich führen zu können. Die Landwirtschaftskammer OÖ sieht daher die Beratung der Ziegenhalter als wichtiges Aufgabenfeld. „In Arbeitskreisen mit dem Schwerpunkt Milchproduktion, die vom Referat für Schaf- und Ziegenhaltung der Landwirtschaftskammer OÖ betreut werden, unterstützen wir die Ziegenzüchter- und Ziegenhalter dabei, ihren Betrieb und die gesamte Ziegenhaltung zu optimieren“, so Reisecker. In Zusammenarbeit mit dem Landesverband für Ziegenzucht und -haltung OÖ werden die Betriebe betreut. Um den Landwirten eine bestmögliche und individuelle Beratung zu bieten, sind zahlreiche persönliche Gespräche notwendig. Besonders bei anfänglichen Unklarheiten und Fragen welche im Zuge des Neueinstiegs auftreten, ist die Beratung und Betreuung der Betriebe wichtig. Dies stellt eine Herausforderung sowohl für die Berater des Schaf- und Ziegenreferats der Landwirtschaftskammer OÖ als auch für die Mitarbeiter des Landesverbands für Ziegen OÖ dar.
Das Ländliche Fortbildungsinstitut der Landwirtschaftskammer OÖ (LFI) bietet ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm für Betriebe mit Ziegenhaltung. Damit können die Landwirte ihr Wissen rund um den „kleinen Wiederkäuer“ erweitern und verbessern.
„Wir wollen die Rahmenbedingungen für diesen Produktionszweig, insbesondere das Management betreffend, optimal gestalten und verbessern“, so Reisecker abschließend.