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Donnerstag, den 05. Juli 2018 08:00

Oberösterreichische Almbegehung 2018


Oberösterreichische Almbegehung 2018

Die Rückkehr alter Rinderrassen und das richtige Verhalten im Umgang mit Weidetieren“

Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger: „Unsere Almen besitzen großen ökologischen, gesellschaftlichen und touristischen Wert. Die arbeits- und kapitalintensive Bewirtschaftung durch unserer Almbäuerinnen und -bauern muss fachlich und finanziell bestmöglich begleitet werden. Daher unterstützt das Land Oberösterreich die Almwirtschaft jährlich mit rund 300.000 Euro.“

Verhalten im Umgang mit Weidetieren
Immer wieder kommt es auf Almen zu bedrohlichen Begegnungen oder Unfällen mit Weidetieren. Auch Oberösterreichs Almen sind beweidet. Dabei sind Rinder von Natur aus friedfertige Tiere, Angriffe erfolgen zur Verteidigung. Daher ist vor allem bei Mutterkuh-Herden Achtsamkeit geboten. Um eine schöne und sichere Wanderung auf Oberösterreichs Almen zu genießen gilt es Grundregeln zu beachten. Das Land Oberösterreich bietet diese ansprechend und praxisnah aufbereitet in Form des Almknigge für KUH & DU im ALManach bzw. online unter www.almanach-oberoesterreich.at an.

Entwicklung der Rinderrassen im oö. Berggebiet
Bis ins 19. Jahrhundert waren in Oberösterreichs Almregionen Ennstaler Bergschecken (Kampetenrasse) die vorherrschende Rinderrasse. Sie galten zu der Zeit zwar schon als schlecht gezüchtet und zurückgeblieben, doch waren sie wetterhart, gebirgsgängig, völlig anspruchslos und gaben zwar wenig (oft nur 3 Liter täglich), aber qualitativ hochwertige Milch.

Um das Jahr 1900 waren hauptsächlich folgende Viehrassen, die die Bergschecken aufgrund ihrer höheren Milchleistung verdrängten, in Oberösterreichs Berggebiet vertreten: Pinzgauer von der Salzburger Grenze übers Salzkammergut bis zum Almtal; Murbodner im Enns-Steyr-Kremsgebiet und Mariahofer (Kärntner Blondvieh aus dem Bereich des Stiftes Lambrecht) im Stodertal. Diese Rassen waren aber auch wesentlich größer und schwerer als die Bergschecken und konnten daher entlegene und steile Weideflächen gar nicht mehr erreichen. Zudem zerstörte ihr Gewicht oft die sensible Grasnarbe auf Hochalmen und beschleunigte damit deren Auflassung.

Heute werden Oberösterreichs Almen von unterschiedlichsten Rinderrassen beweidet, vom heute allgegenwärtigen Fleckvieh bis zu den archaisch anmutenden Hochlandrindern. Ein Trend zu alten, besonders geländetauglichen Rinderrassen ist jedoch gegeben.

Das Murbodner Rind (Blahbergalm, Saileralm, etc.)

  • Gefährdete Rasse mit besonderem Generhaltungsprogramm
  • 2010: 5.214 Tiere, 2016: 6.307 Tiere
  • Ø Milchleistung: 4.055 kg – 3,95% F – 3,34% E (305 Tage)

Rassestandard: Das Murbodner Rind ist ein mittelrahmiges, kompaktes fleischbetontes Rind. Aufgrund der hohen Vitalität, der guten Fruchtbarkeit, der hohen Klauengesundheit sowie der Langlebigkeit ist es ein ideales Rind auch für steile Lagen. Im Aussehen ist das Murbodnerrind semmelgelb bis fuchsrot. Die nachhaltige Nutzung des Murbodner Rindes liegt an der guten Eignung zur Mutterkuhhaltung. Robuste Natur, gute Wesensart und korrektes, starkes Fundament erlauben die problemlose extensive Haltung auf Weiden und Almflächen. Langlebigkeit und hohe Widerstandskraft sind wichtige Eigenschaften für die Mutterkuhhaltung. Die besondere Fleischqualität, verbunden mit feiner Faserung, Zartheit und ansprechender Marmorierung ist als besonderes Ausgangsprodukt in der gehobenen Rindfleischküche geschätzt.
Verbreitung: Gehalten werden die Murbodner Rinder in den Bundesländern Steiermark, Oberösterreich, Niederösterreich und Salzburg. Das Generhaltungsprogramm wurde im Jahr 1982 unter Zusammenarbeit mit der ÖNGENE gestartet.

Eignung und Haltung: Das Murbodner Rind ist ein robustes Rind mit guter Wesensart, das gute Fruchtbarkeit, Leichtkalbigkeit und Langlebigkeit aufweist. Als sehr guter Futterverwerter und mit vorbildlichem Weideverhalten eignet es sich besonders für die extensive Weidehaltung auch auf Almen.

Gefährdung: Im 19. Jahrhundert noch weit im Ostalpenraum und Alpenvorland verbreitet, reduzierten sich die Bestände dieser Steirischen Rinderrasse zunehmend. Ende der 60er-Jahre gab es nur mehr rund 100 Tiere als reinrassige Restbestände. 1982 hat die ÖNGENE (Österreichische Nationalvereinigung für Genreserven landwirtschaftlicher Nutztiere) mit der Gelbviehgenossenschaft Steiermark Generhaltungsmaßnahmen initiiert. Seit 1999 gibt es den Murbodner Zuchtverband Steiermark. Der Herdebuchbestand beläuft sich auf ca. 6.800 Tiere. Die Rasse ist im ÖPUL 20015 des Agrarumweltprogramms als „Gefährdete Rasse mit besonderem Generhaltungsprogramm" eingestuft.

Zuchtgeschichte: Das Murbodner Rind geht in seinem Ursprung auf das keltisch-illyrische Mischvieh und das graue Slowenenrind zurück. Im 18 Jhdt. kam es zu einer Vermischung vom Mürztalerrind mit der Rasse Bergschecken sowie den Blondviehschlägen. Bereits im Jahr 1869 wurde der Typ Murbodner als eigene Landrasse anerkannt und bis jetzt in seinem Ursprung belassen. Bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts war der Murbodner im Bundesland Steiermark die führende Rinderrasse. Vor allem wegen ihrer Zugkraft als Ochsen im Gespann beliebt, hat es aber auch schon zu Zeiten des Kaisers seinen Weg in die Küchen der Obrigkeit gefunden. Der Tafelspitz durfte bei Kaiser Franz Josef nur vom Fleisch eines Murbodnerrindes zubereitet werden. So wurden die, dem Menschen gegenüber friedlichen, folgsamen Gespannochsen oft nach Wien an den Kaiserhof verkauft. Mit dem Glanz der Monarchie ist auch ein langsamer, stetiger Rückgang der Popularität des Murbodner Rindes einhergegangen. Nach 1954: Rasante Bergabbewegung der Murbodner Rasse, da Zugochsen keine Verwendung mehr fanden und die Milchleistung mit jener vom Fleckvieh nicht mithalten konnte. Das damalige Drei-Nutzungsrind (Milch-Fleisch-Arbeit) wurde durch die zunehmende Mechanisierung auf ein Zwei- Nutzungsrind umgewandelt.

Förderungen: Das Murbodner Rind wird im Programm der „Ländlichen Entwicklung“ als "Gefährdete Rasse mit besonderem Generhaltungsprogramm" gefördert. Voraussetzung für den Erhalt der Förderung sind die Eintragung im Herdebuch, Einhaltung des Generhaltungsprogrammes und Mitgliedschaft bei der Leistungskontrolle für Milch oder Fleisch.
Projekte: Ursprünglich war das Murbodner Rind ein klassisches Dreinutzungsrind für Fleisch- und Milchnutzung und die Nutzung als Zugtier. Heute ist es vor allem ein Fleischrind, das gut für die Mutterkuhhaltung geeignet ist. Sehr gute Ausschlachtungsprozentsätze und ausgezeichnete Fleischqualität verbunden mit feiner Faserung, Zartheit und ansprechender Marmorierung liefern Produkte von hoher Qualität und werden teils in eigenen Vermarktungsschienen wie etwa „Almo“ vermarktet.

Erfahrungsberichte: Bei den verschiedensten Fleischverkostungen war das Murbodner Rind bis jetzt immer bei den Besten. Die Zartheit und Marmorierung machen es wirklich zu einem Genuss. Der Ausschlachtungsgrad ist ein weiterer positiver Faktor. Mit zunehmender Beliebtheit werden die Murbodner vermehrt in der Gebrauchskreuzung eingesetzt.
Wirtschaftlichkeit/Vermarktung: Die Vermarktung wird vorwiegend ab Hof durchgeführt. Zusätzlich erfolgt die Vermarktung über die Website des Vereins der Murbodnerzüchter siehe www.murbodner.at.

Pustertaler Sprinzen (Huttereralmen, Hinterstoder)

  • Hochgefährdete Rasse
  • 2010: 584 Tiere, 2016: 1.252 Tiere
  • Ø Milchleistung: 3.896 kg – 3,92% F – 3,33% E (305 Tage)

Zur Zeit der k.u.k. Monarchie wurden die Pustertaler Sprinzen als die beste Rinderrasse des gesamten Ostalpenraumes beschrieben. Die hohen Gewichte, die sehr gute Bemuskelung und die relativ hohe Milchleistung machten die Rinder berühmt und bekannt. Diese positiven Eigenschaften wurden teilweise zum Verhängnis, man verkaufte die besten Kühe vor allem an die großen Gutsbetriebe in und um Wien und ins Ausland. In den Meiereibetrieben in Wien erreichten diese Kühe bei Biertreberbeifütterung Tagesgemelke von 20 kg Milch, was für damalige Verhältnisse überdurchschnittlich viel war.

Die gut mittelrahmigen Tiere besitzen einen tiefen, langen Rumpf und einen kräftigen Hals. Aufgrund harter Klauen und ihrer Robustheit eignet sich die Rasse bestens für die Bewirtschaftung extremer Gebiete. Pustertaler Sprinzen eignen sich dank ihrer Muskelfülle, gesunder Beine, guter Fruchtbarkeit und guter Zunahmen bestens zur Mutterkuhhaltung.

Ennstaler Bergschecken (Bacheralm- Steiermark, eingebettet zwischen Pyhrgass, Scheiblingstein und Bosruck)

  • Hochgefährdete Rasse
  • 2010: 236 Tiere, 2016: 590 Tiere
  • Ø Milchleistung: 4.358 kg – 3,71% F – 3,21% E (305 Tage)

Die Ennstaler Bergschecken werden als die frühreifste Alpenrasse geschildert, die in zwei Jahren in der Höhe fast völlig entwickelt war. Ihre frühe Zugverwendungsmöglichkeit und Gängigkeit war begehrt, besonders in Oberösterreich, wo sie fast die Hälfte des Ochsen-materials stellten und auch gern in der Mast eingesetzt wurden. Sie setzten wenig Fett an, aber ihr Muskelfleisch war fettdurchzogen. Die gute Milchanlage wurde damals vernachlässigt.

Schon ab dem 18. Jh. wurden die Bergschecken von Murbodnern, Blondvieh und Pinzgauern verdrängt. Man ist bestrebt, die Ennstaler Bergschecken als genügsames, lebhaftes und besonders widerstandsfähiges Rind zu züchten. Frühreife, gute Fruchtbarkeit, hervorragende Fleischqualität und zufriedenstellende Milchleistung lassen die Bergschecken besonders für die Mutterkuhhaltung auf extensiven Standorten als gut geeignet erscheinen. Die Tiere werden sowohl als Jungrind als auch ausgewachsen geschlachtet. Die Schlachtung der Jungrinder (männlich und weiblich) erfolgt zwischen 4 und 12 Monaten mit einem Lebendgewicht von 250 bis 400 kg, die Schlachtung der Stiere zwischen 18 und 24 Monaten mit einem Lebendgewicht von 650 bis 800 kg und die Schlachtung der Ochsen zwischen 24 und 30 Monaten mit einem Lebensgewicht von 600 bis 650 kg. Kühe werden in der Regel nur bei Vitalitätsproblemen geschlachtet, sonst liegt die Nutzungsdauer zwischen 12 und 15 Jahren, in seltenen Fällen sogar bei 20 Jahren, mit einem Lebendgewicht von 550 bis 650 kg.

Pinzgauer (Salzkammergut)

  • Gefährdete Rasse
  • 2010: ca. 5.100 Tiere, 2015: 4.675 Tiere
  • Ø Milchleistung: 5.616 kg – 3,88% F – 3,27% E (305 Tage)

Die Pinzgauer, eine europäische Höhenviehrasse österreichisch-bayrischer Herkunft, sind ein auf Milch und Fleisch gezüchtetes Zweinutzungsrind. Die Wurzeln gehen vermutlich auf die alten, rotscheckigen Bajuwarenrinder und die einfarbig, graubraunen Slawenrinder zurück. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Rinder aus dem Wallis eingekreuzt. Bis um 1925 gab es verschiedene Schläge, die Salzburger, Tiroler und Mölltaler. Von da ab findet man vorwiegend die einheitliche Bezeichnung Pinzgauer. Diesen Namen erhielten sie nach dem Pinzgau, einer Region in Salzburg. Lange Zeit hatten sie den Ruf einer ausgezeichneten Dreinutzungsrasse und waren aufgrund ihres ruhigen Temperaments in Verbindung mit ihrer bekannt guten Arbeitsleistung äußerst beliebt und begehrt. Bereits 1856 erregten sie auf der Weltausstellung in Paris großes internationales Aufsehen, ebenso auf der Weltausstellung 1873 in Wien. Vor der Jahrhundertwende wurde mit der kontrollierten Zucht begonnen. Die Pinzgauer waren in der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie auch aufgrund ihrer Marschtüchtigkeit sehr beliebt weit verbreitet.

Das Pinzgauer Rind ist mittel- bis großrahmig mit auffallend langem Rumpf. Durch natürliche Selektion (extensive Haltung im Berggebiet, Alpung) und gezielte züchterische Maßnahmen hat sich ein Rind mit bestem Fundament und besonderer Anpassungsfähigkeit an schwierige Standorte entwickelt. Gute Futterverwertung, bestes Beinwerk und Friedfertigkeit sind Eigenschaften, die das Pinzgauer Rind auszeichnen.
Zum Vergleich: Ø Milchleistung Fleckvieh: 7.103 kg – 4,15% F – 3,41% E (305 Tage)

Der OÖ ALManach – ein praktischer Wegweiser zur Entdeckung der Almen
Der Almenkatalog des Landes Oberösterreich ist bereits seit 1997 ein Bestseller. Seit Juni 2017 präsentiert sich die 13. Ausgabe, mit einer Auflage von 52.000 Stück, als praktischer Wegweiser zur Entdeckung der oberösterreichischen Almen. Der ALManach bereitet die Leistungen der Bergbäuerinnen und Bergbauern und den Lebensraum Alm für eine breite Gesellschaft auf und fördert den sanften Tourismus.

Von den insgesamt 422 aufgelisteten Almen sind 122 ausgewählte Almen näher beschrieben. Diese bieten eine besondere Attraktivität bzw. ein besonderes Angebot für Wanderer und Touristen. Kulinarische Angebote, in Form einer Almschank sind separat gekennzeichnet.
Der Almanach steht auch online zur Verfügung. (www.almanach-oberoesterreich.at). Neben den Tipps und Informationen, der Salzkammergut- und der Phyrn-Eisenwurzen-Auslese aus der Print-Version, bieten Suchmöglichkeiten optimierten Wanderspaß. Dabei stehen neben Gemeinden und Regionen auch die Schwierigkeitsgrade und Gehzeiten der Wanderungen zur Auswahl. DORIS-Landkarten mit den Wanderwegen komplettieren die Wanderbeschreibungen zu den Almen.

„Das vielfältige Gesicht unserer Almwirtschaft, das von der Produktion hochwertiger, lokaler Lebensmittel bis zur Gestaltung und Offenhaltung der Almlandschaft reicht, muss erlebt werden. Nur so erreichen wir eine nachhaltige Wertschätzung der gesellschaftspolitisch relevanten und ökologisch äußerst wichtigen Arbeit der Almbäuerinnen und -bauern. Mit nachhaltigem und sanftem Almtourismus, sind wir auf dem richtigen Weg“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

 

Bild (Land OÖ/Ernst Grilnberger): Almbegehung (v.l.): Abteilungsleiter HR Dr. Friedrich Jungk, Abteilung Ländliche Neuordnung, Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger, Ing. Hubert Ischlstöger, Abteilung Ländliche Neuordnung und OÖ Almenobmann Bgm. Johann Feßl