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Montag, den 08. Oktober 2018 08:00

Ice2Ice


Nach seinem Sturz wurde Michael Strasser von Viola Minixhofer (l.) und Viktoria Klammerth bestens betreut.

Durchhaltevermögen ist gefragt | Extremradfahrer Michael Strasser hat bei seiner Tour „Ice2Ice“ bereits mehr als 20.000 Kilometer hinter sich und stellt sich auf harte 3.000 Kilometer zum Abschluss ein.

Vor 76 Tagen startete Michael Strasser in Prudhoe Bay und ist ohne Pause am Weg Richtung Weltrekord. Er weiß, dass jeder gefahrene Tag der Schlüssel zum Erfolg sein wird und es jetzt ums Durchhalten geht. „Mein Team leistet großartige Arbeit, denn ohne sie, hätte ich den Vorsprung auf den aktuellen Rekord mit 13 Tagen nicht erreichen können“, berichtet Strasser ehrfürchtig. Dass der Niederösterreicher, der für den LTC Seewinkel fährt, so einen großen Vorsprung herausfahren konnte, verdankt er seinem vierköpfigen Team, bestehend aus Kerstin Quirchmayr, Viktoria Klammerth, Viola Minixhofer und Samuel Renner: „Ich kann mich ‚fast’ nur auf das Radfahren konzentrieren.“ Vor allem Kerstin Quirchmayr ist die Chefin der Windvorhersagen. Sie versucht mit verschiedenen Windapps herauszufinden, welche die beste Strecke mit möglichst wenig Gegenwind ist. „Oft ist es ernüchternd, wenn der Wind einfach Richtung Norden zeigt“, schildert Quirchmayr die Vorgehensweise bei diesem schwierigen Unterfangen.

Mit 60 km/h durch Santiago de Chile
Wo es weniger windig war, zeigte Strassers Radcomputer gleich höhere Geschwindigkeiten an. Die Hauptstadt Chiles, Santiago de Chile, war eine solche Region, wo der Wind weniger stark geblasen hat. „Stadtdurchquerungen sorgen bei mir immer für Unbehagen, aber diesmal hat alles gut funktioniert und auch der Verkehr war sittlicher als erwartet“, berichtet Strasser von seinen jüngsten Erlebnissen der letzten Tage. Bei der Tunneldurchfahrt auf der vierspurigen Autobahn erreichte er knapp 60 km/h (!) mit dem Fahrrad. „Die Angst hat mir sprichwörtlich Beine gemacht, es ist für die geringere Sogwirkung besser die Geschwindigkeit mit den vorbeifahrenden Autos gleich zu halten“, ist er zufrieden. Dass diese Streckenfahrten über die Autobahnen nicht legal sind, weiß auch er. „Wir sehen zwar öfters Verkehrsschilder, die das Befahren für Radfahrer verbieten, aber wo kein Kläger da kein Richter. Die Polizei hat sich bis jetzt noch nicht für uns interessiert und das sollte auch so bleiben“, ist sich Strasser des Risikos bewusst.

Erstmaliger Sturz
Mittlerweile stehen mehr als 20.000 Kilometer und 155.000 Höhenmeter auf seinem Garmin-Radcomputer. „Als Außenstehender würde man jetzt sagen, die Sache ist gelaufen, gratuliere zum Weltrekord, weil die 3.000 Kilometer schaffst du auch noch“, bittet Strasser um Verständnis, dass er solche Aussagen ganz und gar nicht mag. „Das werden die härtesten 3.000 Kilometer für mich. Ich habe auf den 20.000 Kilometern schon so viel an Reserven eingebüßt, jetzt benötigt es viel Durchhaltevermögen, damit der Weltrekord Wirklichkeit wird“, lässt Michael Strasser sein Ziel, die schnellste Durchquerung mit dem Rad zwischen Alaska nach Patagonien, nicht aus den Augen. Obwohl er erstmals gestürzt ist, denkt er nicht an ein Aufgeben. „Eine kleine Unachtsamkeit auf der Autobahn beim Pannenstreifen waren der Auslöser für Schürfwunden, eine tiefe Blessur am Knie und starken Prellungen auf meiner rechten Seite“, erzählt er mit vielen Pflastern am Körper.

In den nächsten Tagen werden er und sein Team die argentinische Grenze erreichen und somit im Inneren des Landes Richtung Süden fahren. Bis die Ankunft in Patagonien ist, wartet ein weiterer Grenzübergang Richtung Chile.

„Wir müssen ganz im Süden noch einmal die Fähre nehmen bis dann der Endspurt von ‚Ice2Ice’ in Sicht ist“, hofft Strasser, dass der Gegenwind nicht allzu stark ist und ein baldiges Ankommen Realität wird.

33.500 Euro für Racing4Charity
Mittlerweile hat „Racing4Charity“ die 33.500 Euro-Spendengrenze erreicht. Die Spenden kommen direkt dem Forum ALS und der Open Medicine Foundation – ME/CFS zugute. „Es ist unglaublich, dass so viele Menschen bereits gespendet haben.“, so Strasser überwältigt und ergänzt „Ströck rundete mit 7.000€ den Betrag auf.“ Der Extremradler ist nominiert für Sportler mit Herz bei der Österreichischen Sporthilfe im Rahmen der Lotterien Sporthilfe Gala am 31. Oktober 2018. Der Sieger bekommt € 5.000,- für sein Charity-Projekt. „Ich hoffe, dass ich gewinne um noch mehr Spenden für meine Herzensangelegenheit zu sammeln“, hofft Strasser auf die Unterstützung seiner Community, die täglich dafür voten kann.

 

Bild (Samuel Renner): Nach seinem Sturz wurde Michael Strasser von Viola Minixhofer (l.) und Viktoria Klammerth bestens betreut.