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Samstag, den 09. Februar 2019 08:00

Klimawandel in der Landwirtschaft


Der Job Landwirt wird durch den Klimawandel immer schwieriger

Land- und Forstwirtschaft braucht Anpassungsstrategien und Risikovorsorge

Die Anpassung an den Klimawandel ist eine komplexe und vielschichtige Aufgabe, die die Land- und Forstwirtschaft massiv betrifft. Wenn es um dieses Megathema des 21. Jahrhunderts geht ist die Land- und Forstwirtschaft wohl der exponierteste Sektor. Es gilt, Strategien gegen den Klimawandel zu entwickeln, um auch künftig bestehen zu können.

„Über das Faktum des Klimawandels sollte heutzutage nicht mehr diskutiert werden. Es gibt  mehr als genügend Hinweise aus meteorologischen Entwicklungen und  naturwissenschaftlichen Daten, die den Klimawandel untermauern. Die Land- und  Forstwirtschaft selbst kann die klimatischen Veränderungen nur sehr bedingt einbremsen,  sie muss aber an die neuen Bedingungen angepasst werden. Die Anpassung ist im Grünland und Futterbau sehr schwierig. Im Ackerbau ist sie durch die jährliche  Neuentscheidung im Anbau etwas einfacher, aber schwierig genug. Der Klimawandel  erfordert auch entsprechende waldbauliche Maßnahmen und neue Waldbau-Konzepte. Die  Landwirtschaftskammer wird versuchen, den Anpassungsprozess mitzugestalten und die  bäuerlichen Betriebe dabei bestmöglich zu begleiten“, umreißt Präsident Franz Reisecker die  schwierige Situation.

Vorsorgen durch Versichern wurde attraktiver
Eine der Kernmaßnahmen, die in Reaktion auf den Klimawandel getroffen werden müssen, ist Vorsorgen durch Versichern. Durch Versichern wird der Klimawandel zwar nicht eingebremst, aber die Auswirkungen für die Bäuerinnen und Bauern werden abgefedert und es können existenzbedrohliche Situationen vermieden werden. „Bund und Land OÖ haben ab heuer den öffentlichen Zuschuss für Agrarversicherungen auf 55 Prozent erhöht und damit für die Landwirtschaft wesentlich attraktiver gestaltet“ zeigt sich Präsident Reisecker erfreut.

Klimawandel in der Landwirtschaft
Die Landwirtschaft steht nun vor der Herausforderung, Maßnahmen im Bodenschutz, Strategien gegen neue Krankheiten und Schädlinge sowie Innovationen in der Pflanzenzüchtung voranzutreiben.

Qualitativer und quantitativer Bodenschutz:
Die Böden für Grünlandwirtschaft und Ackerbau müssen sowohl vom Ausmaß als auch von der Qualität her erhalten bleiben. „Die Erhaltung der landwirtschaftlichen Nutzfläche wird zunehmend zur Überlebensfrage, denn wir brauchen die Flächen zur Produktion der Lebensmittel. Verbaute und zubetonierte Flächen reduzieren zudem die natürliche Aufnahmefähigkeit bei Starkregenereignissen“, erläutert Reisecker. Es gilt, die Bodenqualität, die sich unter anderem durch den Humusgehalt definiert, zu erhalten und wenn möglich sogar zu steigern.

Hoher Humusgehalt bedeutet:

  • Gutes Wasserspeichervermögen
  • Besseres Überdauern von Trockenphasen
  • Einbau von CO2 in organischer Masse und damit CO2-Speicherung
  • Steigerung der biologischen Aktivität der Böden

Neue Krankheiten und Schädlinge:
Faktum ist, dass geänderte klimatische Voraussetzungen neue Herausforderungen bei tierischen Schädlingen, Krankheiten und vor allem auch Unkräutern bringen. Dabei sind es nicht immer nur neue Schaderreger sondern bisweilen auch Bekannte wie der Maikäfer und dessen Larven – die Engerlinge –, die die Landwirte vor beachtliche Probleme stellen.

„Die Landwirtschaftskammer OÖ geht davon aus, dass das Jahr 2019 ein Engerlingsjahr wird und dass danach der Befall an Intensität abnehmen wird. Für die oberösterreichische Grünlandwirtschaft wird die Engerlingsthematik jedenfalls eine wesentliche Herausforderung bleiben“, betont Reisecker.

Ein Beispiel für invasive Arten ist die zunehmende Verbreitung des Stechapfels in Oberösterreich. Der Stechapfel (Datura stramonium) ist eine wärmeliebende Pflanze und wandert systematisch vom Osten her in unseren Breiten ein. In Oberösterreich findet man ihn vereinzelt zunehmend in Mais-, Soja- und Getreideflächen. Das Spezifische am Stechapfel ist, dass er in allen Pflanzenteilen giftig ist, besonders aber die Samen. Bereits 15 Samen können ein Kleinkind töten.

„Der Ackerbau ist zunehmend mit dem Problem konfrontiert, dass die Möglichkeiten der chemischen Unkrautbekämpfung weniger werden. Die Herausforderungen zur Eindämmung neuer Krankheiten und Schädlinge werden daher größer“, verdeutlicht Reisecker.

Plädoyer für die Pflanzenzüchtung:
Eine Schlüsselrolle in der Bewältigung des Klimawandels bzw. der Klimawandelanpassung wird die Pflanzenzüchtung einnehmen. Die Landwirtschaftskammer begrüßt das Faktum, dass es in Österreich unverändert eine sehr vitale Szene österreichischer Züchtungsunternehmen gibt, die lokal angepasste Problemlösungen bieten, aber auch international erfolgreich sind. „Im Klimawandel werden sich die fittesten und stärksten Sorten durchsetzen, deswegen ist die Arbeit an Innovationen im Züchtungsbereich wesentlich und unumgänglich“, betont Reisecker.

Kulturen, die intensiv von der Pflanzenzüchtung bearbeitet werden, wie Mais, Sojabohne, Weizen und Gerste, setzen sich auf den Feldern im Anbau durch. Das in Österreich angewendete Verfahren der Sortenprüfung ist sehr gut geeignet, jene Sorten auszufiltern, die an die neuen Gegebenheiten besser angepasst sind. „Die Stärkung der heimischen bzw. regional verankerten Pflanzenzüchtung ist unumgänglich, denn diese wird für die kommenden ackerbaulichen Herausforderungen unendlich wichtig werden“, ist Reisecker überzeugt.

Der Wald: vom Klimawandel massiv betroffen
Auch der Wald ist durch den Klimawandel bzw. die Klimaerwärmung massiv betroffen. Sowohl Baumartenzusammensetzung als auch Schädlingsdruck werden den Wald nachhaltig verändern. Der prognostizierte Temperaturanstieg hat sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die heimischen Wälder. Eine längere Vegetationsperiode kombiniert mit einer höheren Kohlendioxidkonzentration in der Luft bewirkt stärkeres Wachstum und mehr Holzproduktion. Allerdings treiben die Bäume auch früher aus, was zu häufigeren Frostschäden führt, da sich die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Wasserbedarf bei vermehrtem Wachstum. Durch die höhere Temperatur verdunstet darüber hinaus mehr Wasser, sodass selbst bei gleichbleibenden Niederschlägen weniger Wasser zur Verfügung steht.

Gute Bedingungen für Schädlinge
Schädlinge wie Borkenkäfer finden bessere Entwicklungsbedingungen vor. Vermehren sich Buchdrucker und Kupferstecher schneller, können sie eine Generation mehr pro Jahr ausbilden. In tiefen Lagen gibt es heute bereits in manchen Jahren drei Generationen. Zukünftig könnte dies die Regel sein.

Der Wald verändert sich
Eine laufende natürliche Anpassung von Waldökosystemen ist wegen des Tempos der erwarteten klimatischen Veränderungen faktisch unmöglich. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen benötigt die Baumart Fichte Jahresniederschläge von mehr als 600 Millimeter, wovon 300 bis 350 Millimeter in der Vegetationszeit notwendig sind. Modelle, wonach sich das Klima auch in Oberösterreich verändert, besagen, dass es vor allem zu einer Reduktion der Sommerniederschläge kommen wird. Bis zum Jahr 2100 soll den Berechnungen zufolge das Anbaurisiko für Fichte auf rund zwei Drittel der Landesfläche deutlich erhöht bzw. sehr hoch sein. Demnach wird die Fichte nur in der südlichen Gebirgsregion und in einigen hochgelegenen Teilen des Mühlviertels mit geringem Risiko aufgeforstet werden können.

Die Buche wird in den Bergwäldern zunächst an Konkurrenzkraft gegenüber der Fichte gewinnen, selber aber in tiefer gelegenen Gebieten im Osten Österreichs durch sommerliche Trockenperioden deutlich weniger vital sein. Bei Buche erwartet man daher zunächst einen Anstieg in der Verbreitung, der gegen Ende des Jahrhunderts aufgrund des forstschreitenden Temperaturanstieges und bedingt durch Trockenstress wieder abnimmt. Die Gewinner sind demnach Eiche und Kiefer.

Klimawandel erfordert entsprechende waldbauliche Maßnahmen
Insbesondere in den Tieflagen sind neue Waldbaukonzepte erforderlich. Einerseits muss zunehmend Laubholz aufgeforstet werden, andererseits setzt die Beratung der Landwirtschaftskammer OÖ auch auf weniger empfindliche Nadelholzarten wie Tanne und Douglasie. Die Forstberatung beschäftigt sich zurzeit mit kostengünstigen Aufforstungskonzepten für jene Gebiete, die massiv vom Borkenkäfer betroffen waren.

Zeitgerecht durchforsten
Neben der Baumartenwahl und Baumartenmischung ist eine zeitgerechte Durchforstung auch im Klimawandel eine Schlüsselmaßnahme, die Stabilität von Waldbeständen gegen Sturm, Schnee und Borkenkäfer fördert. Langfristig bieten gut durchforstete Bestände auch größere Flexibilität bei der Bestandesverjüngung. In nicht gepflegten, instabilen Altbeständen können dauerwaldartige Waldbaukonzepte wegen des hohen Sturm- und Schneebruchrisikos nicht angewendet werden.

Wildstandsanpassung
Ein großes Problem für zukunftssichernde Mischwaldkonzepte ist der Verbiss von  Jungpflanzen durch das Wild wie vom österreichweiten Wildeinflussmonitoring aufgezeigt.  Hier braucht es besondere Anstrengungen und eine Zusammenarbeit zwischen  Waldeigentümern und Jagdausübenden. Damit sich die klimafitten Wälder auch entfalten  können, spielt also die Jagd eine entscheidende Rolle. Diesbezüglich hat es zwischen LK  OÖ und Jägerschaft Gespräche gegeben, bei denen die Unterstützung der Waldbesitzer  durch entsprechende jagdliche Aktivitäten seitens der Jägerschaft in den Schadensgebieten  vereinbart wurde.  Von Oktober beginnend bis März finden in allen Bezirken Oberösterreichs  Informationsveranstaltungen statt. Borkenkäfervorbeugung sowie die Umwandlung von  Fichtenreinbeständen in klimafitte Mischbestände werden dabei erläutert. Unterlagen zur  Aufforstung sind darüber hinaus auf lk-online bereitgestellt. Die Forstberater der  Landwirtschaftskammer stehen zudem für umfangreiche Beratungen über die  Borkenkäfervorbeugung und zur Wiederaufforstung zur Verfügung.   

Mittel aus dem Katastrophenfonds für Schadereignisse am Wald 
Die Aufarbeitung von Schadholz nach Katastrophenereignissen bedeutet für die betroffenen  Waldbesitzer nicht nur einen erhöhten Arbeitsaufwand und Geräteverschleiß, sondern auch  einen erheblichen Einkommensverlust. Da eine möglichst rasche Schadholzaufarbeitung zur  Erhaltung und Sicherung der in hohem öffentlichen Interesse gelegenen vielfältigen  Wirkungen des Waldes notwendig ist, ist eine finanzielle Hilfe aus öffentlichen Mitteln als  Beihilfe zu den erhöhten Erntekosten unerlässlich.   

Was wird gefördert? 
Es kann ein finanzieller Zuschuss in Form einer Beihilfe für erhöhte Erntekosten aufgrund  eines Elementarereignisses in Aussicht gestellt werden. Elementarereignisse im Sinne des  Gesetzes sind Schneedruck, Orkan, Bergsturz, Hochwasser, Erdrutsch, Vermurung,  Lawinen und Erdbeben.  7/11  Wie wird gefördert?  Es wird in Form einer einmaligen nicht rückzahlbaren Beihilfe gefördert. Die Anträge müssen  spätestens innerhalb von 120 Tagen nach Bekanntwerden des Schadens und eine Woche  vor Aufarbeitung gestellt werden.   

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?  Anspruchsberechtigt für Hilfen aus dem Katastrophenfonds sind Antragsteller/innen mit einer  Schadensfläche von zumindest einem halben Hektar. Dieses Schadensausmaß kann auf bis  zu fünf Einzelflächen verteilt aufgetreten sein. Auf diesen Flächen muss zumindest die Hälfte  der Bäume gebrochen oder geworfen worden sein. Ausbezahlt wird seit dem 1. Jänner 2017  eine erhöhte Beihilfe von 1.500 Euro pro Hektar bei erschwerten Bringungsverhältnissen und  2.000 Euro bei besonders erschwerten Bringungsverhältnissen. Pro Betrieb werden maximal  20.000 Euro ausbezahlt. 

 

Bild (LK-OÖ): Der Job Landwirt wird durch den Klimawandel immer schwieriger, sind sich (v.l.) Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, Landwirtschaftskammer-Präsident ÖR Ing. Franz Reisecker und Ing. Wolfgang Winkler, Landesleiter der Österreichischen Hagelversicherung OÖ, einig.