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Samstag, den 13. April 2019 08:00

„Der Sprachforscher“


v.l.:  Mag. David Hofer, GF LIFEtool gemeinnützige GmbH, Mag.a Ingrid Trauner, GF Trauner Verlag, MMag.a Bettina Schneebauer, GF FH Gesundheitsberufe OÖ,   LRin Birgit Gerstorfer, LH-Stv.in Mag.a Christine Haberlander,  Dipl. Ing. Karl Kaser, LIFEtool gemeinnützige GmbH

Eine App zur Förderung der Aussprache des Sch-Lautes von Kindern im Alter von 4 bis 7 Jahren

Mit Schorschi Schnaufi und dem Sprachforscher Quitschquatsch vom Planeten Schupiter auf Sprachentdeckungsreise gehen:

Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer:
Sprache ist ein selbstverständlicher Teil des menschlichen Lebens und wird von der Mehrheit der Kinder in rasanter Geschwindigkeit mühelos erworben. Erst dann, wenn bei einem Kind deutliche Auffälligkeiten der Sprache auftreten oder wenn gar die Sprachentwicklung ausbleibt, steht das Thema im Zentrum der Aufmerksamkeit. „Sprache öffnet Türen zum erfolgreichen Lernen, für Freundschaften und Beziehungen und zur selbstbewussten Persönlichkeitsentwicklung. Manchmal ist aber gezielte Hilfe und Unterstützung notwendig, um die Sprachentwicklung richtig zu fördern. Hier setzt das logopädische Angebot der Abteilung Kinder- und Jugendhilfe an. Pro Jahr werden rund 16.000 Kinder durch Logopädinnen untersucht, um möglichst früh fachlich abzuklären, ob es Sprachauffälligkeiten gibt und bei Notwendigkeit mit einer anschließenden Beratung bzw. Therapie die Entwicklung der Kinder positiv zu beeinflussen. Dieses Angebot wird durch die Informationsplattform www.kindersprache.org erweitert, wo alle relevanten Themen zur Sprachentwicklung, der Diagnose, Förderung und Therapie abrufbar sind. Nun gibt es zusätzlich eine App der Firma Lifetool, mit der Eltern und Pädagog/innen im Hort oder Kindergarten gezielt die Sprachentwicklung auf spielerische Art und Weise fördern können. Ich bin mir sicher, dass dieses Angebot eine wertvolle Anlaufstelle für Eltern und Erziehungsberechtigte ist“, sagt Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer.

Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander
Sprach-, Lese und Rechtschreibkompetenz hängen eng zusammen. Gemeinsam sind sie entscheidende Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn.
Insbesondere die Lesekompetenz ist die Basis für den Erwerb zusätzlicher weiterer Kompetenzen, denn aus vielen Bereichen müssen Kenntnisse in Fachbüchern „erlesen“ werden. Das macht die Lesekompetenz zu einer absoluten Schlüsselqualifikation.

Das unzureichende Beherrschen des Lesens hat auch andere Schwächen zur Folge. Wer schlecht liest, tut sich laut Studien auch schwer beim Begreifen von Rechenaufgaben und beim Erfassen naturwissenschaftlicher Fragestellungen. Eine Spirale, die so früh wie möglich gestoppt werden muss. Etwa durch Sprachförderung eine mangelnde Lesekompetenz gar nicht erst entstehen zu lassen.
Auf die Herausforderung der Sprachförderung gibt „der Sprachforscher“ eine innovative Antwort. Er unterstützt die Fachleute aus Logopädie und Pädagogik, ebenso wie die Eltern, bei der Sprachförderung des Kindes.

Ich bedanke mich bei allen beteiligten Projektpartnern. Sie tragen damit zu einem ganz entscheidenden gesamtgesellschaftlichen Ziel bei, das wir in Oberösterreich verfolgen: Nämlich, dass nicht ein Talent in unserem Land durch Sprach- oder Lesestörungen unentdeckt bleibt und nicht ein einziges Potenzial nicht gehoben wird.

Warum? Die Ausgangslage
Eine korrekte Aussprache dient der Prävention von Lese- /Rechtschreibproblematiken und trägt damit maßgeblich zum schulischen Erfolg und einem guten Start ins Leben bei, denn die Beherrschung der Sprache ist eine grundlegende Voraussetzung für die soziale Entwicklung und ein gelingendes Leben. Studien zeigen, dass bis zu 16,3% aller Kinder zwischen 3 ½ und 6 Jahren von Ausspracheproblemen betroffen sind. Diese Kinder können Laute der Zielsprache nicht bilden oder korrekt verwenden. Viele Faktoren – nicht nur das Alter – haben Einfluss auf die Prognose einer Aussprachestörung. Mögliche Risikofaktoren können Mittelohrentzündungen im Alter von 1 bis 3 Jahren und sogenannte Paukenergüsse (Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohr, hinter dem Trommelfell) sein. Auch Sprach-, Lese-Rechtschreib-Schwächen innerhalb der Familie wirken sich negativ auf den Spracherwerb aus. Kinder mit Ausspracheproblemen haben ein erhöhtes Risiko, Störungen in den Bereichen Rechtschreib- und Lesekompetenz zu entwickeln.
Wie? Die Herangehensweise der psycholinguistisch orientierten Phonologie Therapie
Der Spracherwerb ist ein interaktiver Prozess. Er erfolgt in den ersten 5 bis 7 Lebensjahren über unbewusste Lernprozesse. Das Gehirn des Kindes sucht und erkennt in der Sprache seines Umfeldes Regeln. In der Entwicklung der Aussprache zeigen Kinder nach der Lallphase und einer sehr flexiblen Aussprache ab dem 2. Lebensjahr sogenannte Ersetzungs- und Auslassungsprozesse, die bei Kindern bis zum Ende des 5. Lebensjahres überwunden sein sollen.

Ein paar Beispiele:
Mit ca. 2,5 Jahren sollten Kinder nicht mehr Holler statt Roller sagen, sondern den R-Laut schon richtig verwenden. Mit ca. 3,6 Jahren verwenden Kinder das K korrekt, d.h. jetzt sagen sie nicht mehr Tinderdarten sondern Kindergarten. Spätestens mit 4,5 Jahren sollten Kinder alle Laute der deutschen Sprache korrekt beherrschen, auch der Laut „sch“, Schule wird nicht mehr als Sule gesprochen. Der „sch“ Laut ist der Laut des Deutschen, der am spätesten erworben wird. Doch sollte auch dieser mit spätestens 4,5 Jahren beherrscht werden. Häufig zeigen Kinder noch 1 Jahr vor Schulbeginn bzw. im ersten Schuljahr diesen Ersetzungsprozess.

Man spricht von einer „phonologischen Verzögerung“, wenn die Ersetzungsprozesse nicht zu bestimmten Zeitpunkten (vgl. obige Zeitangaben) überwunden werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind die Lautersetzungen von alleine überwindet, ist gering. Das Kind braucht dabei Hilfe, entweder in Form einer logopädischen Therapie oder in Form einer Förderung, die sich an dem orientiert, wie Kinder normalerweise Laute erlernen. Der erste Schritt zum Sprechenlernen ist das Hören. Das Kind muss den neuen Laut aus der Sprache der Umgebung (Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen, …) heraushören. Es muss quasi die Sprache erforschen und entdecken, wir der Laut klingt und in welchen Wörtern er vorkommt, man spricht von der phonematischen Kompetenz. Im zweiten Schritt versucht es, den neu entdeckten Laut selbst mit seinen Sprechwerkzeugen zu produzieren, es entwickelt eine artikulatorische Kompetenz. Durch die Wiederholung von Zuhören – Ausprobieren – Zuhören erwirbt das Kind hörend und sprechend einen neuen Laut. Dazu ist eine individuelle, auf die Ressourcen des Kindes abgestimmte, sprachförderliche Umgebung notwendig. Wichtig ist dabei, dass Kinder dabei vor allem über das Hören lernen.

O-Ton: FH Gesundheitsberufe OÖ – MMag. Bettina Schneebauer, Geschäftsführung
„Die FH Gesundheitsberufe OÖ steht für innovative Forschung in den Themenfeldern Gesundheitsförderung, Prävention und assistierende Technologien. Durch unsere spezifische Expertise können wir dadurch einen direkt wirkenden Beitrag zur Bewältigung aktueller und zukünftiger gesellschaftlicher Herausforderungen leisten. Im Projekt Fit4Speech arbeiten unterschiedliche Disziplinen und Professionen transdisziplinär zusammen. Wir haben hier die logopädische Expertise eingebracht sowie die Schnittstelle Mensch-Technik unterstützt. Denn uns sind innovative und praxistaugliche Instrumente wichtig, die alle Beteiligten bestmöglich und ergänzend unterstützt - zum Wohl unserer Patientinnen und Patienten bzw. Klientinnen und Klienten. “

Was? Die App „Der Sprachforscher“ im Überblick: einen Laut lernen mit allen Sinnen
Die App Der Sprachforscher wurde von Logopädinnen und Fachleuten aus Forschung und Lehre in Zusammenarbeit mit Eltern und Kindern entwickelt. Grundlage der App ist das Konzept der psycholinguistisch orientierten Phonologie Therapie und der indirekten Therapie, die neben der logopädischen Praxis auch das familiäre Umfeld und die Alltagsumgebung in Kindergarten und (Vor)Schule berücksichtigt. Das Üben mit der App unterstützt das Kind dabei, den SCH-Laut zu entdecken und zu festigen. Das geschieht einerseits durch das Bewusstmachen, welche Rolle die Sprechwerkzeuge beim Sprechen spielen. Das Kind wird spielerisch angeleitet, diese komplexen Vorgänge bei sich zu entdecken und bewusst zu erfahren (Fühlen und erforschen). Das genaue Hinhören ist ein zentraler Aspekt beim Erwerb eines Lauts. Eine hohe Inputfrequenz gibt dem Kind die Gelegenheit, das SCH von anderen Lauten zu differenzieren und als bedeutungsvoll zu erkennen. Dies ist eine Voraussetzung, den Laut auch korrekt produzieren zu können (Hören und erforschen).

Was macht die App besonders?
Es gibt eine Reihe an systematischen Übungen, um Lautunterscheidung auf Laut-, Silben, und Wortebene zu üben und Fehler auf Satzebene zu erkennen. Besonders sind (Hör-) Geschichten, Reime und Bilder mit vielen, deutlich gesprochenen SCH-Wörtern, die das Entdecken des SCH-Lautes spielerisch für das Kind erfahrbar machen. Besonders hervorzuheben sind die Videos. Hier werden Strategien und Situationen gezeigt, wie Eltern im alltäglichen Gespräch (Dialog) mit dem Kind, die Aussprache ihres Kindes fördern können.

Videos statt Leitfäden aus Papier
Um den Transfer in den Alltag zu unterstützen, gibt es ansprechende Videos, die Eltern eine Reihe von Ideen liefern, wie sie ihr Kind fördern können wie beispielsweise SCH im Wort lang sprechen, mit sehr rundem Mund sprechen, gemeinsam entdecken und das SCH-Wort wiederholen. Es werden auch Situationen gezeigt, die in einem Alltag mit Kindern häufig vorkommen und wie sie genutzt werden können, um das SCH-Wort zu üben wie beim Vorlesen, dem gemeinsamen Essen, auf dem Weg in den Kindergarten und auf dem Spielplatz.

Die lustigen Hauptcharaktere wie die Lokomotive Schorschi Schnaufi, Sisi Sandviper, Quitschquatsch und viele andere können auch heruntergeladen, ausgedruckt und dann zu Hause, im Kindergarten oder in der Praxis aufgehängt werden. Ebenso kann der Sprechkopf mit den Sprechwerkzeugen als Plakat ausgedruckt werden.

O-Ton: DI Karl Kaser, Forschungs- und Entwicklungsleiter bei LIFEtool
„Bei der App-Entwicklung haben wir besonderen Wert darauf gelegt, unterschiedliche Medien wie Übungen, Videos, und Materialien zum Ausdruck zu kombinieren und damit möglichst viele Sinne anzusprechen. Wichtige Inputs für die Eltern haben wir in ansprechende Videos verpackt. Der Zugang zur App ist anschaulich und spielerisch. Damit bieten wir den Fachleuten aus Logopädie und Pädagogik sowie den Eltern eine möglichst individualisierte, motivierende Umgebung, die den Ausspracheerwerb des Kindes fördert. Der Dialog zwischen Erwachsenen und Kindern spielt dabei eine wichtige Rolle. Aus der über 20-jährigen Erfahrung in der Entwicklung von Software und Apps bei LIFEtool wissen wir, wie wichtig es ist, das Umfeld in die Förderung miteinzubeziehen.“

O-Ton: Mag. Ingrid Trauner, Geschäftsführerin TRAUNER VERLAG
„TRAUNER VERLAG produziert seit einigen Jahren Schulbücher für den Volksschulbereich, in denen bereits mit Mundbildern und dem Sprechkopf gearbeitet wird. Wir haben den Sprachforscher illustriert und die Geschichten von Quitschquatsch, Schorschi Schnaufi und Co zum Leben gebracht. Wir freuen uns besonders, dass die erste Geschichte ‚Vom Leben auf dem Planeten Schupiter‘ als Buch erscheint und die vielfältigen Methoden der App beim Vorlesen ergänzt.“

Aufbau der App und erzählerische Rahmenhandlung
Die vielfältigen und abwechslungsreichen Übungen sind in eine erzählerische Rahmenhandlung eingebettet: Quitschquatsch, ein kuscheliger Außerirdischer vom fernen Planeten Schupiter, ist mit seinem Raumschiff auf der Erde abgestürzt. Er ist Forscher und möchte erfahren, wie die Menschen sprechen und er hat schon eine Menge herausgefunden. Das ist der Moment, in dem der Spieler/die Spielerin in die Geschichte einsteigt. Stolz präsentiert Quitschquatsch seine Ergebnisse und das Kind ist eingeladen, diese zu überprüfen und an sich selbst auszuprobieren (Fühlen und erforschen). Außerdem möchte Quitschquatsch sein Raumschiff reparieren (Hören und erforschen). Durch das Lösen von Aufgaben hilft das Kind mit, das Raumschiff zu planen und Roboter zu entwerfen (Laut- und Silben-Stufe). Mit Hilfe dieser Roboter wird Quitschquatsch später in der Lage sein, ganz viele SCH und S-Wörter bzw. Sätze nach Hause mitzunehmen (Wort- und Satzstufe). Eine weitere zentrale Figur ist Schorschi Schnaufi, die Lokomotive, die den Laut „SCH“ repräsentiert.

Für wen? An wen richtet sich „Der Sprachforscher“?
Die App Der Sprachforscher gibt es in zwei Varianten: Der Sprachforscher – Logopädieversion wendet sich an Logopädinnen und andere Sprachförderkräfte mit therapeutischem Hintergrund und spezifischem Fachwissen zu Spracherwerb und dessen Problemen. Die App möchte ein modernes Hilfsmittel in die Hand geben, das im Rahmen der Logopädie als zusätzliches Material eingesetzt werden kann. Der Sprachforscher – spielerisch Laute entdecken ist für den Einsatz zuhause oder in Hort und Kindergarten gedacht und gibt viele Ideen für Situationen und Werkzeuge, um den „SCH-Laut“ zu trainieren und im Alltag zu integrieren.

Wer? Die Entwickler von „Der Sprachforscher“
„Der Sprachforscher“ – eine App zur Förderung der Aussprache des Sch-Lautes wurde entwickelt von: LIFEtool gemeinnützige GmbH, TRAUNER VERLAG, fh Gesundheitsberufe OÖ, Logopädische Praxis Eva Bukowsky, Roland Freinschlag Film- und Videoproduktion sowie das Tonstudio CCP Studio. Die Entwicklung von „Der Sprachforscher“ wurde im Rahmen des Forschungsprojektes Fit4Speech ermöglicht. Dieses Projekt wurde mit Mitteln des bmwfw gefördert und im Rahmen des Programms COIN-Kooperation und Netzwerke der FFG (Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) durchgeführt.

Wo?
Die App „Der Sprachforscher“ steht zum Download im App-Store für iOS und Android zur Verfügung. iOS: https://itunes.apple.com/app/id1452839533
Android:
https://play.google.com/store/apps/details?id=air.at.lifetoolsolutions.Fit4Speech.android

 

Bild (Land OÖ/Denise Stinglmayr): v.l.:  Mag. David Hofer, GF LIFEtool gemeinnützige GmbH, Mag.a Ingrid Trauner, GF Trauner Verlag, MMag.a Bettina Schneebauer, GF FH Gesundheitsberufe OÖ,   LRin Birgit Gerstorfer, LH-Stv.in Mag.a Christine Haberlander,  Dipl. Ing. Karl Kaser, LIFEtool gemeinnützige GmbH


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