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Sonntag, den 09. Juni 2019 07:00

Qualität und GVO-freie Fütterung


GGÖ Obmann Markus Lukas steht auch auf seinem Betrieb in Mureck in der Steiermark für eine hochqualitative Hühner-Produktion.

Geflügelbranche wehrt sich gegen Billiggeflügel aus dem Ausland

Geflügelfleisch ist bei den Konsumenten im Trend. Wachstumsmotor der Branche ist das Masthendl, das von den österreichischen Hühnermästern ausschließlich in AMA-Gütesiegel-Qualität und GVO-frei produziert wird. Deswegen fordern die heimischen -Geflügelbauern, dass Schlupflöcher für den Import von Geflügelfleisch geschlossen werden. Die österreichischen Hühnermäster dürfen nicht weiter dem unlauteren Wettbewerb ausgesetzt werden, betont die Landwirtschaftskammer OÖ.

In den letzten Wochen gab es zahlreiche Berichte über das ukrainische Unternehmen MHP, welches von der europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) über viele Jahre unterstützt wurde. Durch das Nutzen bestehender Importquoten in die EU konnten große Mengen an Hühnerbrust-Fleisch billig in die EU geliefert werden. Durch gefinkelte Zuschnitte – konkret das Nicht-Auslösen eines Knochens – wurden die EU-Zollregelungen umgangen. Eine ähnliche Problematik gab es vor einigen Jahren schon mit „leicht gesalzenem“ Geflügelfleisch aus Brasilien.

„Die Landwirtschaftskammer fordert daher die EU dringend auf, Schlupflöcher bei den Zolltarifnummern so rasch wie möglich zu schließen, um die heimischen Geflügelbauern nicht weiterhin diesem unlauteren Wettbewerb auszusetzen. Während in Österreich die Standards in der Tierhaltung laufend verbessert werden, sind außerhalb der EU die Haltungsbedingungen bei weitem nicht so streng, außerdem werden oft in der EU nicht mehr zugelassene Medikamente eingesetzt“, informiert Franz Reisecker, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ.

Für die Landwirtschaftskammer ist die Entwicklung bedenklich, weil mit EU-Geldern ausländische Oligarchen unterstützt werden, welche dann in der Folge Billighühnerfleisch in die EU liefern und somit die heimischen Bauern wirtschaftlich schädigen. „Der steigende Import aus der Ukraine, aber auch aus anderen Drittstaaten, hat zu einem massiven Preisdruck in Europa geführt, der sich auch in Österreich negativ bemerkbar macht“, betont Reisecker.

Geflügelfleisch boomt – besonderer Motor: das Masthendl
Der Pro-Kopf-Verbrauch von Geflügelfleisch ist in den letzten Jahren von 9,1 Kilo auf 12,6 Kilo pro Kopf und Jahr gestiegen. In der Versorgungsbilanz für Geflügel sind Masthühner, Truthühner, Enten und Gänse enthalten. Durch hohe Importe bei Truthühnern, Gänsen und Enten beträgt die Inlandsversorgung für Geflügel insgesamt nur 71 Prozent. Der Verbrauch sollte in den nächsten Jahren stabil bleiben. Geflügelfleisch lässt sich rasch und einfach zubereiten, das schätzen nicht nur die Konsumenten, sondern auch die Köche.

Wachstumsmotor der Branche ist das Masthendl. Früher wurden vor allem ganze Hendln verkauft, zurzeit werden 46 Prozent der Masthühner dem Konsumenten in verschiedenen Zerlegegraden von Einzelteilen wie Brust, Keule und Flügerl bis hin zu geschnittenen Schnitzeln angeboten. Durch immer kleinere Verpackungseinheiten wird auf Kundenwünsche in Singlehaushalten eingegangen. Das klassische frische Brat- oder Grillhendl ist aber nach wie vor fester Bestandteil der österreichischen Genusskultur Der Österreicher isst pro Jahr im Schnitt 9,1 Kilo Hendlfleisch. Davon können 82 Prozent der Ware aus heimischer Erzeugung angeboten werden. Durch höheren Verbrauch, steigende Bevölkerung und gleichzeitig rückläufige Erzeugung sank die Inlandsversorgung von 90 im Jahr 1995 auf 79 Prozent im Jahr 2016.

Stallbauoffensive von LK-Beratung und GGÖ zeigte Wirkung
Um die rückläufige Inlandsproduktion zu stoppen, initiierten die Landwirtschaftskammer und die Erzeugergemeinschaft Geflügelmastgenossenschaft Österreich GGÖ eine Stallbauoffensive. Gemeinsam mit interessierten Bauern wurden maßgeschneiderte Projekte entwickelt. So entstanden in den letzten Jahren in Oberösterreich und im angrenzenden Niederösterreich auf 42 Betrieben ca. 1,4 Mio. Mastplätze. Einige davon sind noch in der Planungs- bzw. Bauphase. „Durch diese Initiative steigt nun der Eigenversorgungsgrad beim Hühnerfleisch wieder an“, erläutert Reisecker.
Der aktuelle Bedarf der Schlachtbetriebe ist damit abgedeckt, sodass diese in nächster Zeit darüber hinaus keine neuen Mastverträge vergeben werden. Neueinsteiger in die Geflügelhaltung werden in den Bereichen Konsum- und Bruteierproduktion von der LK beraten.

Neue Stallungen mit besonderen Tierwohlstandards
Besonders stolz ist die Branche auf die Weiterentwicklung in der Hühnermast. Freiwillig wird bei allen Neubauten Tageslicht angeboten. Über 90 Prozent der neuen Stallungen verfügen über einen Außenklimabereich. In diesem „Wintergarten“ können sich die Hühner tagsüber aufhalten. Die Fläche im Wintergarten beträgt rund 25 Prozent der Stallfläche und wird als Außenklimabereich geführt. Das bedeutet „Wetter pur“ ohne Klimasteuerung. Nach Abschluss der Stallbauoffensive 2020 werden in Österreich ca. 12,5 Millionen Masthühner gehalten werden.

Mit einem Bioanteil von 12,8 Prozent ist Österreich die Nummer 1 in Europa. 20 Prozent der Mastplätze haben mit Fußbodenheizung, Tageslicht, Wintergarten etc. höhere Tierwohlstandards als vorgeschrieben. Durch diese hohen Produktionsstandards gelang es, die Exportmengen besonders nach Deutschland deutlich zu steigern.

Geflügel aus Österreich besser sichtbar machen
Trotz des AMA-Gütezeichens muss festgestellt werden, dass die Aufmachung der Verpackung bei nach Österreich eingeführter Ware immer ähnlicher der österreichischen Ware wird. Es ist daher ratsam, die Verpackung etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, um nicht erst zuhause feststellen zu müssen, dass man zwar österreichisches Geflügel kaufen wollte, es aber tatsächlich aus einem anderen Land kommt. Klingende Namen wie „Donautal“ lassen oft den Eindruck zu, es handle sich um österreichische Geflügel. Tatsächlich sind es Masthühner aus Deutschland. In der Kritik steht nicht der Handel über Ländergrenzen hinweg, sondern eine Kennzeichnung, die zu wenig klar auf Geflügel aus Österreich hinweist.

„Unser Vorschlag an die Geflügelschlachthöfe bzw. an den Lebensmittelhandel ist, das AMA-Gütezeichen deutlich größer als bisher auf heimischen Geflügelverpackungen zu platzieren. Den Konsumenten soll es einfach und schnell möglich sein, in einer mit verschieden Geflügelprodukten aus dem In- und Ausland gefüllten Vitrine das heimische Geflügel zu erkennen“, so Reisecker.

Vorbildwirkung in Gemeinschaftsverpflegungen
Überall dort, wo Bund und Länder direkten Einfluss auf den Einkauf in den Küchen geltend machen können wie zB in Krankenhäusern, Schulen, Universitäten, Seniorenheimen usw. fordert die Landwirtschaftskammer OÖ eine Vorbildwirkung ein. Letztendlich haben Länder und Bund für die EU-weit strengsten Tierschutzbestimmungen in der Hühnermast gestimmt. Daher fordert die Landwirtschaft konsequenterweise, dass die Haltungsbedingungen und die Qualität ein wesentliches Kriterium bei der Ausschreibung sein müssen.

Als wichtiger Schritt sollte ein einheitlicher Text für die Ausschreibung von Geflügel- und Geflügelfleischprodukten (Chicken Nuggets, Convenience mit Geflügelfleisch,…) erstellt werden. „Ausschreibungen sollten so erfolgen, dass nur Produkte von Lieferfirmen angeboten werden dürfen, welche den österreichischen Tierschutzstandards entsprechen. Am einfachsten wäre dies zu erreichen, wenn die Vorgaben des AMA-Gütesiegels als Ausschreibungskriterium aufgenommen würden“, erläutert Reisecker.

Die Schweiz als Vorbild
Durch die neue Frischfleischkennzeichnung der EU erhält der Konsument bei Frischfleisch die Möglichkeit, das Herkunftsland auf der Verpackung klar erkennen zu können. Leider endet diese Transparenz bei Fertigspeisen und beim Außer-Haus-Verzehr. „Um die hohen Tierhaltungsstandards in Österreich und somit um auch die Existenz der Geflügelbranche abzusichern, fordere ich, dafür gesetzlich Sorge zu tragen, dass auch in der Gastronomie sowie in Gemeinschaftsverpflegungen die Herkunft des Fleisches klar gekennzeichnet wird. In der Schweiz gibt es diese Art der Kennzeichnung seit 20 Jahren und die Schweizer haben bewiesen, dass diese Umsetzung einfach und praktisch möglich ist“, betont Präsident Reisecker abschließend.

 

Bild (AMA): GGÖ Obmann Markus Lukas steht auch auf seinem Betrieb in Mureck in der Steiermark für eine hochqualitative Hühner-Produktion.


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