Sie sind hier: 
Mittwoch, den 06. November 2019 07:00

Sicher ist wer sichtbar ist!


Sichtbar in der dunkeln Jahreszeit gekleidet sind - ARBÖ Landesgeschäftsführer Thomas Harruk, Infrastruktur-Landesrat Mag. Günther Steinkellner, Dr. Othmar Thann – Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV)und ÖAMTC Landesdirektor Mag. Harald Großau

Aktion Mach dich sichtbar geht in die nächste Runde"

Sicher ist wer sichtbar ist – Besondere Vorsicht in den Herbst und Wintermonaten
Mit Anbruch der kalten Jahreszeit ist auch größere Vorsicht im Straßenverkehr geboten. Durch die kürzer werdenden Tageslichtzeiten ist besonders für Fußgängerinnen und Fußgänger der Winter die gefährlichste Jahreszeit. „Als eine Präventivmaßnahme zum Schutz der Bevölkerung bietet das Infrastrukturressort daher kostenfrei Reflektorbänder an, die an allen oberösterreichischen ARBÖ- und ÖAMTC-Stützpunkten kostenfrei zur Verfügung gestellt werden“, informieren Infrastruktur-Landesrat Mag. Günther Steinkellner, ÖAMTC Landesdirektor Mag. Harald Großauer, ARBÖ Landesgeschäftsführer Thomas Harruk, KFV-Direktor Dr. Othmar Thann.

Risiko für Fußgänger/innen und Radfahrer/innen in den Wintermonaten
Hauptursache warum die Wintermonate im Bereich Verkehr so gefährlich sind ist neben schwierigen Witterungsverhältnissen oftmals die mangelnde Erkennbarkeit bzw. die schlechte Sichtbarkeit. Wirbelndes Laub, spiegelnde Straßen, Regen, Schnee, geringe Tageslichtphasen, Nebelschwaden. Das alles bedeutet schlechte Sicht. Dies schlägt sich dementsprechend auch statistisch nieder.

Besonders die Unfallwahrscheinlichkeit von Fußgänger erhöht sich mit den winterlichen Witterungs- und Sichtverhältnissen. Alleine im vierten Quartal ereignen sich, betrachtet man die letzten sechs Jahre, rund 32 % der Fußgängerunfälle. Ereigneten sich 2015 noch etwa 34 % innerhalb dieses Jahresabschnittes konnte im vergangenen Jahr 2018 ein Langzeit Tiefstand mit 30 % verzeichnet werden. Das zeigt, dass die Menschen, zumindest vereinzelt, auf die Sichtbarkeit in der dunklen Jahreszeit achten bzw. sensibler sind. „Jeder Verunfallte ist einer zu viel weshalb es kontinuierlich gilt über die Gefahren zu informieren und somit alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer zu sensibilisieren“, unterstreicht Landesrat für Infrastruktur Mag. Günther Steinkellner.

Statistisch betrachtet steigt die Unfallgefährdung in den Herbst- und Wintermonaten vor

allem in der Gruppe der Fußgänger/innen deutlich an und erreicht im Dezember den jährlichen Höchstwert. Entgegen dessen ist in der Gruppe der Radfahrer/innen aufgrund der Temperaturen die gefährlichste Jahreszeit im Frühling und Sommer. Relativ gesehen birgt aber auch der Winter für diejenigen, die ihr Rad nicht stehen lassen wollen, aufgrund der Sichtbarkeitseinschränkungen ein potentielles Risiko.

Herausforderungen in der dunklen Jahreszeit
Studien des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) zeigen, dass die Anhaltebereitschaft von Autofahrer/innen in der Nacht deutlich geringer ist als am Tag. Dieser Sachverhalt ist bei schlecht beleuchteten Schutzwegen noch deutlicher ausgeprägt als bei solchen mit einer guten Beleuchtungssituation. Bei einer Kollision mit einem PKW, die sich bei 20 km/h ereignet, hat ein/e Fußgänger/in ein 35 % Risiko, schwer verletzt zu werden. Bei überhöhter Geschwindigkeit im Ortsgebiet besteht ein hohes Tötungsrisiko. So liegen die Überlebenschancen von Fußgänger/innen bei einem Unfall mit einem PKW mit der Geschwindigkeit von 70 km/h bei 5 Prozent“, erklärt KFV Direktor Dr. Thann. Zu den besonders gefährdeten Personengruppen zählen in den Wintermonaten Kinder und Senior/innen. Kinder werden im Straßenverkehr aufgrund ihrer Größe schwerer erkannt und haben Schwierigkeiten, Verkehrssituationen richtig einzuschätzen. Besondere Gefahrensituationen ergeben sich aufgrund von Fehleinschätzungen in der Sichtbarkeit der eigenen Person gegenüber Fahrzeuglenker/innen. Nur weil Fußgänger/innen ein herannahendes Fahrzeug erkennen, bedeutet das nicht, dass auch Fahzeuglenker/innen die Fußgänger/innen wahrnehmen.

Sichtbarkeitsbeispiel:
Eine Simulation zeigt den Sichtbarkeitsunterschied zwischen angebrachten Reflektoren und der Teilnahme am Straßenverkehr ohne Reflektor-Material. Im untenstehenden Bildausschnitte gibt sich der Fußgänger mit Reflektor-Material in über 50 Meter Entfernung zu erkennen. Der Fußgänger, der ohne Erkennungsmaterial unterwegs ist, kann lediglich in einer Entfernung von rund 25 Metern erkannt werden. Wie gefährlich das bereits im Ortsgebiet sein kann, zeigt sich, wenn Sichtweiten mit dem Anhalteweg verglichen werden. Reflektierendes Material, wie zum Beispiel bei Warnwesten, wird bei Dunkelheit schon ab etwa 140 Metern erkannt. Bei heller Kleidung sind das noch immer 40 bis 50 Meter. Dunkle Kleidung erkennen Autofahrer/innen oft erst ab etwa 25 Metern. Bei 50 Stundenkilometern und einem daraus folgenden Anhalteweg von 40 Metern wird ein dunkel gekleideter Spaziergänger leider oft zu spät erkannt. Im untenstehenden Beispielbild zeigt sich eindrucksvoll der Sicherheitseffekt, der durch den Einsatz von Reflektorbändern erzielt wird. Um ein zeitgerechtes Abbremsen oder ein Ausweichmanöver zu ermöglichen, gilt besonders in den Wintermonaten das Credo „Sichtbarkeit erhöht die Sicherheit“.

Aktion Mach dich sichtbar
Ein großer Teil der Unfälle von Fußgänger/innen kann durch eine Verbesserung der Sichtbarkeit im Straßenverkehr vermieden werden. Gleiches gilt für die Gruppe der Fahrradlenker/innen, die auch im Winter nicht auf ihr Fahrrad verzichten möchten. Das Infrastrukturressort bietet daher Reflektorbänder an, die kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Diese sind ab sofort in allen ÖAMTC und ARBÖ-Stützpunkten sowie im Büro des Landesrates erhältlich. Mit gut reflektierendem Material ist man etwa um den Faktor Fünf sicherer unterwegs. Man ist im Optimalfall bereits ab etwa 125 Meter erkennbar und nicht erst ab ca. 25 Meter wie bei dunkler Kleidung.

Das Tragen von Reflektorbändern ist insbesondere für schutzbedürftige Personengruppen wie bspw. Schulkinder und Senioren zu empfehlen. Kinder, die den Schulweg in der Morgendämmerung antreten, werden im Straßenverkehr aufgrund ihrer Größe schwerer erkannt und haben Schwierigkeiten, Verkehrssituationen korrekt einzuschätzen. Durch Fehleinschätzungen können sich Gefahrensituationen ergeben. Im Rahmen der Aktion „Mach dich sichtbar“ sind diverse Einzelmaßnahmen geplant, die sich aus Maßnahmen der Bewusstseinsbildung, der Bereitstellung von Sicherheitsmaterialien und Schwerpunktkontrollen zusammensetzen.

Optimale Verwendung der Bänder
Das Anbringen der Bänder erfolgt am besten an „bewegten Stellen“. Optimal ist z.B. die Verwendung von zwei Bändern diagonal, eines am Unterarm und eines auf Wadenhöhe am gegenüberliegenden Bein. Wird nur ein Band verwendet ist es vorzugsweise auf jener Körperseite zu verwenden, die der Straßen zu gewandt ist. Das Band ist durch seinen Klack-Mechanismus leicht und einfach zu bedienen und zu verwenden und die Kleidung wird durch das Band nicht beeinträchtigt. Generell ist helle Kleidung einer dunkleren Kleidung vorzuziehen. Insbesondere bei Sportbekleidung sollte darauf geachtet werden, dass (wie vielfach bereits der Fall) reflektierende Materialien eingearbeitet sind. Auch beim Fahrrad ist im Besonderen auf eine optimale Funktion der Pedalrückstrahler und der Reflektoren an den Speichen zu achten. Die Verwendung von Reifen mit reflektierenden Umrandungen wird ebenfalls empfohlen. Sowohl für

Fußgänger/innen als auch für Radfahrer/innen ist jede ergänzende Sichtbarkeitsmachung durch Stirnlampen oder LED Blinklichter empfehlenswert.

Reflektorbänder – einfach, praktikabel und sichtbar sicherer
„KFV Beobachtungen zeigen immer wieder, dass besonders im Erwachsenenalter – häufig aufgrund modischer Aspekte oder Eitelkeit – auf das Tragen von heller Kleidung oder Reflektoren verzichtet wird“, so Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit). Erwachsene sollten in diesen Monaten ganz besonders darauf achten sich, aber auch Kinder, sichtbar zu kleiden. Denn für alle gilt: Sichtbarkeit = Sicherheit!

Jede/r Verkehrsteilnehmer/in kann und sollte dazu beitragen, die eigene und die Sicherheit anderer zu erhöhen. „Fußgänger, Rad- und Scooterfahrer sollten achtsam sein und dürfen nie davon ausgehen, dass sie automatisch gesehen werden. Vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen empfiehlt es sich, besonders aufmerksam und vorsichtig zu sein“, appelliert ÖAMTC-Landesdirektor Harald Großauer.

Für Fußgänger/innen ist es ratsam, die Straße nur im Bereich von Schutzwegen zu überqueren, bei Dunkelheit im Idealfall mittig, da dort die Beleuchtung am besten ist. Zudem sollte beim Queren der Straße immer versucht werden, Augenkontakt zum Fahrzeuglenker herzustellen und auf klare Gesten und Handzeichen zu achten. Beim Entlanggehen unbeleuchteter Straßen immer versuchen, außerhalb der Fahrbahn und auf der dem Verkehr zugewandten Seite zu gehen. „Radfahrer, E-Biker und E-Scooter-Fahrer sind angehalten, regelmäßig Funktion und Einstellung der Beleuchtung zu kontrollieren und bei schlechter Sicht ihre Geschwindigkeit zu reduzieren. Sowohl für Fußgänger als auch für Autofahrer ist die Geschwindigkeit oftmals nur schwer einzuschätzen“, so Großauer.

"Ein großer Teil der Fußgängerunfälle passieren bei Dunkelheit, obwohl nachts weniger Menschen zu Fuß unterwegs sind. Dieser Umstand ist auch ein Thema des oberösterreichischen Verkehrssicherheitsprogramms 2016 – 2022. Nach diesem Programm verpflichteten sich die Verkehrspolitik und die zugehörige Verwaltung verschiedene Maßnahmen zum Unfallschutz umzusetzen", so Landesrat Mag. Günther Steinkellner.

„Genauso wie man ein Kfz auf den Winter vorbereitet, sollte man dies auch betreffend seiner Bekleidung tun. Dazu gehört auch ein Schutz vor dem Übersehen“, unterstreicht ARBÖ Landesgeschäftsführer Thomas Harruk.

Das Optimum in Bezug auf eine bessere Sichtbarkeit (sowohl bei Tag als auch bei Nacht) stellen Warnwesten dar. In Österreich müssen die Lenker/innen aller mehrspurigen Kraftfahrzeuge seit 1. Mai 2005 mindestens eine Warnweste mitführen und diese in bestimmten Situationen auch tragen (betrifft im Wesentlichen den Pannenfall). Nach diesem Datum haben sich die Unfälle aufgrund des Nichterkennens von Personen bei Dunkelheit auf der Fahrbahn um ca. 40 % vermindert. Die Zahl der Verunglückten reduzierte sich sogar um mehr als 50 %. Das Tragen von Warnwesten ist für Fußgänger/innen zumeist nicht praktikabel. Trotzdem sollten zumindest einige Stellen an der Winterbekleidung mit reflektierenden Flächen aufgehellt werden, damit das Gefährdungspotential - übersehen zu werden - soweit als möglich reduziert wird. Das dafür ideale Gadget im Herbst und im Winter sind die Reflektorbänder. Sie sind leicht verstaubar, passen auf jeden Ärmel, sind schnell angelegt, schränken die Bewegungsfreiheit nicht ein, brauchen keine Batterien, sind robust, passen sich jeder Mode an und sind somit ein Muss in jedem Herbst. Besonders wichtig sind sie beim Gehen am Straßenrand und beim Queren von Fahrbahnen. Sogar bei der Benutzung von Schutzwegen erhöhen sie die Sicherheit, weil z.B. ansonsten bei Dunkelheit eine Querungsabsicht von Fußgänger/innen fallweise erst spät erkennbar ist und sich daraus unerwartete Konfliktsituationen ergeben können.

Weitere Einzelmaßnahmen im Zuge der Aktion: Mach dich sichtbar

Reflektorhasen für Schulkinder:
Das Tragen von reflektierenden Materialien ist insbesondere für schutzbedürftige Personengruppen wie bspw. Schulkinder zu empfehlen, die den Schulweg in der Morgendämmerung antreten. Speziell für Schulkinder hat das Infrastrukurressort von Landesrat Mag. Günther Steinkellner Reflektorhasen anfertigen lassen. Diese

reflektierenden Spielzeuge können an Schultaschen etc. angebracht werden und dienen somit als schutzbringender Begleiter auf dem Schulweg. Rund 20.000 dieser reflektierenden Stofftiere werden im Zuge der Verkehrserziehung durch die Polizei an alle Erstklässler/innen in Oberösterreich flächendeckend verteilt.

20.000 Warnwesten für Taferlklassler
Taferlklassler sind auf dem Weg zur Schule erstmals auf sich alleine gestellt. Kindlicher Übermut, großer Bewegungsdrang, Ablenkung und fehlendes Einschätzungsvermögen des ungewohnten Straßenverkehrs sowie schlechte Erkennbarkeit und den dunkler werdenden Wintermonaten sind Risikofaktoren. Bereits zu Schulbeginn dieses Jahres wurden Warnwesten an Tafelklassler verteilt. In einer gemeinschaftlichen Aktion der Regierungsmitglieder Dr. Manfred Haimbuchner, Ing. Wolfgang Klinger und Mag. Günther Steinkellner wurden 20.000 Warnwesten bereitgestellt.

Polizeiaktion – Verteilung von Warnwesten
Auch die Verkehrspolizei wird im Zuge von Schwerpunktkontrollen das Thema Sichtbarkeit aufgreifen. Die gängigen verpflichtenden Sichtbarkeits- und somit Sicherheitseinrichtungen im Fahrradverkehr wie bspw. Beleuchtungseinrichtung und reflektierende Katzenaugen sind einzuhalten. Der Verkehrspolizei werden darüber hinaus auch Warnwesten zur Verfügung gestellt. Diese werden im Zuge der Schwerpunktaktionen zusätzlich an Passant/innen verteilt. Im Zuge von weiteren Schwerpunktaktionen werden an speziellen Veranstaltungen Sicherheitsmaterialien verteilt.

Das kleine Straßen 1x1
Seit 2011 führt der ÖAMTC in Kooperation mit der AUVA das Verkehrssicherheitsprogramm „Das kleine Straßen 1x1“ kostenlos für Vorschulkinder in Kindergärten durch. Kindern soll spielerisch das richtige Verhalten im Straßenverkehr vermittelt werden. Schließlich ist jedes verunglückte Kind eines zu viel. Deshalb ist für den ÖAMTC klar, dass Verkehrserziehung bereits im Kindergarten beginnen muss. Weitere Programme wie bspw. Blick & Klick setzten ebenfalls einen Schwerpunkt darauf, spielerisch richtige Verhaltensweisen im Zusammenhang mit Sichtbarkeit zu lernen.

Tipps für Autofahrer:
Das Fernlicht ist so oft als möglich zu verwenden. Die Scheibenwaschanlage sollte optimal funktionieren und für die winterlichen Bedingungen gerüstet sein (z.B. Frostschutz, Wischerblätter). Ebenfalls sollte auf eine optimale Scheinwerfereinstellung und Scheinwerferreinigung geachtet werden. Moderne Fahrzeuge haben bereits Fernlichtassistenten bzw. LED Scheinwerfer gegebenenfalls mit selektivem Matrix-LED-Licht und können die Lenker/innen in Punkto Sichtbarkeit von Fußgänger/innen perfekt unterstützen. Zukunftsmusik sind noch bessere Fußgängererkennungssysteme. Erste Prototypen befinden sich bereits am Markt und auch im oberösterreichischen Einsatz. Wärmebildkameras kombiniert mit Nachtsicht- und Radarsystemen können hier in Kombination mit Bremsassistenten in der Zukunft noch wertvolle Beiträge zur Verkehrssicherheit liefern.

 

Bild (Land OÖ/Daniel Kauder): Sichtbar in der dunkeln Jahreszeit gekleidet sind - ARBÖ Landesgeschäftsführer Thomas Harruk, Infrastruktur-Landesrat Mag. Günther Steinkellner, Dr. Othmar Thann – Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV)und ÖAMTC Landesdirektor Mag. Harald Großau