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Sonntag, den 13. September 2020 07:00

Das Motorrad-Fahrtechniktraining


Infrastruktur-Landesrat Mag. Günther Steinkellner am Motorrad

Infrastruktur-Landesrat Mag. Günther Steinkellner: Sicher durch den Herbst mit dem Motorrad"

Der Motorradherbst steht vor der Tür
„Der Herbst bringt uns noch einige goldene Tage und damit auch Gelegenheiten für die letzten schönen Motorradausfahrten vor der Winterpause. Gerade jetzt steigen aber auch potentielle Gefahren für die Motoradfahrer an. Nässe, Laub und Nebel mehren sich langsam und auch andere Gefahren, etwa durch landwirtschaftliche Erntefahrzeuge, wechselndes Wild oder die tiefstehende Sonne sind zu beachten. Den besten Schutz bieten den Fahrern eine kontrollierte, vorausschauende Fahrweise und vor allem ihr eigenes Können. Deswegen ist es so wichtig, dass die vom Land gesponserten Fahrtechniktrainings von den Fahrern angenommen werden. Hier hat man die Möglichkeit Schwächen zu erkennen und die eigene Technik zu verbessern“, betont Landesrat für Infrastruktur Mag. Günther Steinkellner.

Viele Unfälle könnten durch eine defensive Fahrweise, Fahrzeugbeherrschung und entsprechendes Gefahrenbewusstsein vermieden oder zumindest die Unfallschwere deutlich gemildert werden. "Aus der ÖAMTC-Unfallforschung wissen wir, dass rund 87 Prozent der Motorrad-Unfälle im Sommer bei trockener Fahrbahn passieren", hält ÖAMTC-Landesdirektor Harald Großauer fest. "Mit ein Grund dafür ist, dass viele Biker das eigene Können gerade bei sehr guten äußeren Bedingungen nicht realistisch einschätzen." Besonders trügerisch ist dabei die Kombination aus unerfahrenem Lenker sowie Übermut und riskanter Fahrweise. Rund zwei Drittel aller diesjährigen tödlichen Motorradunfälle waren Alleinunfälle oder Frontalkollisionen, ausgelöst meist durch einen Fahrfehler des Bikers. "Ursachen sind riskante Überholmanöver, oft an Stellen mit unzureichenden Sichtweiten, sowie zu schnelles Fahren in Rechtskurven, wo der Motorradfahrende in Folge dessen in den Gegenverkehr gerät", erläutert Großauer. "Dabei können auch unvorhersehbare Mängel im Straßenzustand, wie Verschmutzungen durch Kies, Laub, Schmiermittel u. ä. zu unvermeidbaren und vor allem unkontrollierbaren Stürzen führen – gerade im Herbst ist hier Vorsicht geboten. Daher ist regelmäßiges Training das Um und Auf für sicheres Motorradfahren.“

Diese Trainings gibt es bei ARBÖ und ÖAMTC für Anfänger und Fortgeschrittene. "Mit den verschiedenen Trainings wird sowohl Anfängern als auch routinierten Bikern die Möglichkeit geboten, sich in einem sicheren Umfeld an die Grenzen des eigenen Fahrkönnens heranzutasten und es zu verbessern", so ARBÖ-Landesgeschäftsführer Thomas Harruk. Neben der Mehrphasen-Fahrausbildung gibt es die Warm-Up-Trainings sowie die Intensiv-Trainings. "Die halbtägigen Warm-Up-Trainings richten sich an Biker, die ihre Fahrfertigkeiten auffrischen möchten. Bei den Intensiv-Trainings ist der Name Programm: hier heißt es einen Tag lang üben, üben, üben! Die Praxis steht dabei klar im Vordergrund. Die wichtigsten Kursinhalte sind Gleichgewichtsübungen und Übungen zur richtigen Blicktechnik, Ziel- und Notbremsungen, Brems- und Ausweichübungen, Übungen zur Kurventechnik (Drücken & Legen) sowie eine abschließende Feedback- und Analyserunde.“

Gefahren und Hauptunfallursachen
Mehr als ein Drittel aller Unfälle in OÖ sind Alleinunfälle. Meistens wurden diese durch einen Fahrfehler des Bikers ausgelöst. Knapp dahinter, als zweithäufigster Unfalltypus, folgen Kreuzungsunfälle. Bei Auffahr- und Gegenverkehrsunfällen wird überwiegend Eigenverschulden der Motorradfahrer/innen festgestellt, wogegen bei Kreuzungsunfällen eine klare Tendenz in Richtung Fremdverschulden vorliegt. Bei Kreuzungsunfällen wird der Motorradfahrer vom Unfallgegner oft übersehen. Obwohl es Entwicklungen der Motorradsicherheitstechnik gibt, wird der Umfang einer Sicherheitsausstattung bei Motorrädern nie jenen der PKWs entsprechen können.

Gefahren richtig einschätzen
Oft wird von Motorradfahrern die Situation falsch eingeschätzt. Dies gilt insbesondere für Kreuzungsunfälle im Ortsgebiet, wie auch die Statistik zeigt. In vielen Gesprächen und Fahrtrainings zeigt sich, dass diese gefährlichen Situationen zu wenig im Bewusstsein sind. Oft steht die Angst vor Unfallsituationen im Vordergrund, die tatsächlich kaum vorkommen, wie etwa eine sich plötzlich öffnende Autotür.

Das Ziel ist es daher, Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer auf jene Gefahren zu sensibilisieren, die tatsächlich ein hohes Unfallrisiko bergen. Je gefährlicher bestimmte Fahrweisen oder Situationen eingestuft werden und im Bewusstsein verankert sind, desto mehr achten Biker darauf und es passieren weniger Unfälle.

Oftmals werden Motorradfahrer von anderen Verkehrsteilnehmern schlichtweg nicht gesehen oder übersehen. Motorradfahrer sollten immer auch für andere Verkehrsteilnehmer mitdenken. Das bedeutet Fehler anderer zu korrigieren, defensiv zu fahren und heikle Situationen vorauszuahnen. Auch der Richtungsblick ist entscheidend. Hier werden oftmals Fehler gemacht, die dann zu Unfällen führen können. Um sicher und unfallfrei unterwegs zu sein, gilt es vor allem auf den Selbstschutz zu achten. Dazu gehört, die Fahrbahn richtig zu lesen und eine defensive Fahrweise an den Tag zu legen. Mit vorausschauendem, konzentriertem und kontrolliertem Fahren können Risikosituationen vermieden werden.  

Die Motorrad-Fahrsicherheitstrainings
Der Mix aus einem technisch intakten Motorrad, der wichtigen Sicherheitsausrüstung, dem richtigen Einschätzen von Gefahren und einer optimalen individuellen Vorbereitung ist das A und O für eine sichere Motorradausfahrt. Fahrtechnikkurse ermöglichen in sicherer Umgebung und mit professioneller Unterstützung das Erlangen der notwendigen Fähigkeiten und entsprechender Praxis. Die Serviceklubs ÖAMTC und ARBÖ bieten daher entsprechende Kurse in ihren Fahrsicherheitszentren an.

Um die Sicherheit auf zwei Rädern zu gewährleisten, steht die Beherrschung des Fahrzeuges ebenfalls an vorderer Stelle. Wie man auch in Extremsituationen richtig reagiert, lässt sich im Zuge eines Fahrtechnik-Trainings üben. Im eigenen Interesse muss ein Motorradfahrer damit rechnen, dass andere Lenker unaufmerksam sind – und das noch viel häufiger, wenn es heiß ist. Umso wichtiger ist eine angepasste und berechenbare Fahrweise sowie die richtige Brems- und Kurventechnik.

Volle Konzentration im Sattel des Motorrads und eine vorausschauende Fahrweise sind essenziell für eine sichere Fahrt. Im eigenen Interesse muss ein Motorradfahrer damit rechnen, dass andere Lenker Fehler machen. Nur wer auf die Geschwindigkeit achtet und diese entsprechend den Gegebenheiten im Verkehr anpasst, hat in kritischen Situationen die Chance, Fehler anderer Verkehrsteilnehmer zu korrigieren.

"Wir möchten aktiv zur Sicherheit der Motorradfahrer und aller Verkehrsteilnehmer beitragen. Deswegen unterstützt das Infrastrukturressort des Landes Oberösterreich die Biker mit Gutscheinen zu Fahrsicherheitstrainings", so Landesrat Steinkellner. Alle Besitzer eines Motorradführerscheins mit abgeschlossener Ausbildung und Wohnsitz in OÖ, können jährlich einen Gutschein für ein Fahrtechniktraining beim Land Oberösterreich beantragen.

Angeboten werden Gutscheine sowohl für ein ganztägiges, als auch für ein halbtägiges "Warm-Up-Training“. Die Gutscheine wurden bereits im Vorjahr höher dotiert. Ganztägige Fahrsicherheitstrainings werden seitdem mit 75 Euro, halbtägige mit 40 Euro seitens des Infrastrukturressorts gesponsert.

Ein solcher Gutschein kann auch einen sinnvollen Teil eines Geschenks darstellen und sollte beim Kauf eines Motorrades jedenfalls in Betracht gezogen werden. Nähere Informationen erhalten Sie direkt auf der Homepage des Infrastrukturlandesrats oder der Homepage des Landes Oberösterreich.

Gutscheinbestellung direkt auf: www.land-oberoesterreich.gv.at/60407.htm

Im Jahr 2019 gab es 663 Ganztagstrainings und 539 Halbtagstrainings die vom Land unterstützt wurden.

Inhalt des heurigen Fahrtechniktrainings
Die Teilnehmer werden das sogenannte "Warm-Up-Training" absolvieren, welches wir üblicherweise zum Start der Motorradsaison empfehlen, wie auch Bikern, die ihre Grundkenntnisse und das Motorrad-Handling nach einer längeren Fahrpause wieder auffrischen möchten. In dem Training werden diverse Handling Übungen absolviert, Blick- und Kurventechniken (wie Drücken und Legen) sowie die sichere Linienwahl geübt und das Motorrad sowohl im Slalom, wie auf speziellen Parcours bewegt. Abschließend absolvieren die Teilnehmer Bremsübungen, um auf Notsituationen vorbereitet zu sein.

Welche Fähigkeiten werden wie geübt, welches Ziel hat man?
Das Ziel des Trainings ist das optimale Motorrad-Handling für eine sichere Fahrt. Durch die optimale Beherrschung des Motorrads können Unfälle vermieden werden. Biker müssen neben einer vorausschauenden Fahrweise genau wissen, wie ihr Motorrad in brenzligen Situationen reagiert, wie sie richtig bremsen und in Kurven sicher ein- und ausfahren. Zudem wird die Beweglichkeit am Motorrad erhöht (z. B. optimal für Wiedereinsteiger) und die Sensibilisierung der Feinmotorik für die Bedienung der Bremse/Kupplung trainiert. Das ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum Marchtrenk verfügt über 120.000 qm Fläche mit insgesamt fünf Trainingspisten und einem Motorrad-Spezialparcours. Dieser besteht aus speziellen Kehren, engen Kurven, die sich optimal für das Motorradtraining eignen.

ARBÖ MOTORRAD SCHRÄGLAGENTRAINING

Schritt für Schritt zur maximalen Schräglage
Durch viele Statistiken und Gespräche mit der Polizei ist aufgefallen, dass Unfälle häufig durch falsches Einschätzen des Anfahrens von Kurven, in Verbindung mit einer zu geringen Sicherheit mit dem Motorrad und zu wenig Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten bzw. des Fahrkönnens entstehen. Beim Motorradfahren kommt es in Kurven zu einer erhöhten Schräglage. Vor allem zum Start einer Saison tun sich viele Fahrer hierbei noch schwer, da sie Angst davor haben, die Balance zu verlieren und nach der Winterpause noch ein unsicheres Gefühl auf dem Motorrad haben. Aufgrund dieser Tatsachen wurde uns immer mehr bewusst, dass wir etwas Neues kreieren müssen, um die Motorradfahrer wieder mehr an die Wichtigkeit der Beherrschung des eigenen Bikes zu erinnern.

Immer wieder wird von Teilnehmern oder Interessenten berichtet, dass sie selbst gute Fahrer seien und ein solches Training nicht benötigen würden. Schließlich seien sie schon seit vielen Jahren unfallfrei unterwegs. Hakt man hier allerdings nach, so hat sich schon fast jeder Motorradfahrer in einer schwierigen Situation beweisen müssen, oder wurde auf der Straße Zeuge eines ähnlichen Geschehens. Viele unserer Teilnehmer berichten auch von einer Art "Blockade-Hemmung" davor an die eigenen Grenzen zu gehen, um sicher aus einer Kurve herauszukommen und das obwohl man weiß, dass wenn man das Motorrad wieder in aufrechte Position bringt, möglicherweise in den Gegenverkehr rast. Uns, als Vermittler von und Schulungsstätte für Verkehrssicherheit, ist es daher wichtig, Motorradfahrer wieder

Wie läuft dieses halbtägige Training im ARBÖ Fahrsicherheitszentrum in Straßwalchen ab?
In einer kleinen Gruppe, max. sechs Teilnehmer, werden die Grenzen der eigenen Schräglage zunächst mit unserem Schräglagenmotorrad sicher erlebbar gemacht und danach mit dem eigenen Motorrad trainiert, sodass ein Schrittweises annähern an die richtige Kurvenlage möglich gemacht wird.

Motorradbekleidung
Die richtige Bekleidung bzw. Schutzausrüstung ist ein wesentlicher Faktor, um Verletzung zu vermeiden bzw. zumindest ihre Schwere in Grenzen zu halten. Funktionalität und Schutz sind dabei kein Widerspruch. Ganz abgesehen vom hohen Verletzungsrisiko, kann es auch zivilrechtliche Auswirkungen haben, wenn man ohne die richtige Schutzbekleidung auf Motorrad oder Roller steigt. So kann ungenügende "Freiheit, Unabhängigkeit, Leidenschaft und Spaß – das sind Begrifflichkeiten die mit dem Begriff Motorradfahren in Einklang stehen. Dass Motorradfahren einen hohen Spaßfaktor und Freizeitwert hat, ist unbestreitbar. Gleichzeitig sind Motorräder aber auch das mit Abstand gefährlichste Verkehrsmittel und ihre Fahrer die Verkehrsteilnehmer mit dem höchsten Unfallrisiko. Umso mehr gilt es diesen Gefahren durch entsprechende Trainings vorzubauen", so Landesrat für Infrastruktur Mag. Günther Steinkellner abschließend.

Bekleidung während der Fahrt einen Einfluss auf etwaige Schadenersatzansprüche haben. Helm, Handschuhe und Stiefel sollten die Pflicht darstellen. Empfehlenswert sind darüber hinaus eine entsprechende Motorradjacke und –hose mit Protektoren. Das gilt auch für den Sozius.

Helm & Schutzkleidung
Großes Potenzial zur Senkung der Zahlen verletzter und getöteter Motorradfahrer bietet die Erhöhung der passiven und aktiven Fahrzeugsicherheit. Das Tragen von reiß- und abriebfester sowie gut sichtbarer Schutzkleidung und Protektoren ist ebenso ein Muss wie ein Schutzhelm. Bei dessen Wahl sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass er die aktuellen Normen erfüllt. Integralhelmen ist der Vorzug vor Halbschalen- oder Jethelmen zu geben, da diese insbesondere im Kinn- und Gesichtsbereich klare Schutzvorteile aufweisen. Wichtig ist selbstverständlich auch, dass der Helm gut sitzt und der Kinnriemen geschlossen ist.

Protektoren
Wie die wissenschaftliche Unfallanalyse zeigt, tragen Motorradfahrer immer wieder durch Aufprallsituationen im Thorax-Bereich schwere Verletzungen davon. Mehrere Simulationen zur Leistungsfähigkeit des sogenannten Thorax-Protektors ergaben, dass er für eine bessere Verteilung der Kräfte beim Anprall sorgt und auf diese Weise die gefährlichen, nach innen gerichteten Rippenfrakturen vermeidet.

Airbags
Ein weiteres vielversprechendes Schutzelement bei einem Unfall ist der Motorrad-Airbag. In zahlreichen Crashtests konnte nachgewiesen werden, dass der Airbag speziell bei Kollisionen mit einem Pkw als häufigstem Unfallgegner seine Wirksamkeit entfaltet. Insbesondere bei Kopfanprallen an der seitlichen Dachkante eines Pkw sind die Verletzungshäufigkeiten an Kopf, Hals und Thorax des Motorradfahrers besonders hoch. Der Airbag trägt dazu bei, den Kopfanprall erheblich abzumildern oder sogar vollständig zu vermeiden. Gleichzeitig kann er die Verletzungsrisiken verringern, die sich beim Anprall des Motorradfahrers am Tank seines Fahrzeugs oder durch Hängenbleiben am Lenker ergeben.

Allgemeines
Wie die Zulassungszahlen eindeutig belegen, ist das Motorradfahren ein immer beliebter werdender Freizeitsport. Seit dem Jahr 1998 hat sich die Zahl der zugelassenen Motorräder in Österreich mehr als verdoppelt. Vor 20 Jahren waren noch 238.000 Bikes zugelassen – 2018 waren es mit rund 535.000 bereits über eine halbe Million (Quelle: Statistik Austria). Innerhalb der letzten zehn Jahre stiegen die Zulassungszahlen in Oberösterreich um über 30.000 Zweiräder an.

 

Bild (c) Land OÖ



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