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Dienstag, den 23. November 2021 07:00

Nach 44 Jahren wieder Meister


Grenzenloser Jubel bei den Welsern

Wels ist die neue Judo-Hochburg in Österreich

Geschafft!  Multikraft Wels - angeführt von Olympia-Bronzemedaillengewinner Shamil Borchashvili - sicherte sich beim Final Four in Gmunden durch einen 8:6-Sieg über Serienmeister Galaxy Wien den Mannschafts-Staatsmeistertitel. Bereits in der ersten Halbzeit hatten die Welser Judokas den Grundstein zur ersehnten Goldmedaille gelegt.

Acht Mal in Folge hatte sich Galaxy Wien den begehrten Titel in der Männer-Bundesliga geholt. Nun ging diese Serie zu Ende. Die Wiener entpuppten sich aber als faire Verlierer. „Wels hat verdient gewonnen“, gratulierte Galaxy-Klubchef Thomas Haasmann. Den nach Gmunden mitgebrachten Sekt spendeten die Wiener spontan dem siegreichen Multikraft-Team, das bis in die frühen Morgenstunden feierte.

„2019 waren wir schon knapp dran, nun ist nach 44 Jahren endlich der ersehnte zweite Titel gelungen“, strahlte Wels-Coach Manfred Dullinger. Mann des Tages war Kimran Borchashvili mit seinem Sieg über den für Wien kämpfenden Japaner Tatsuto Shima. „Er ist ein sehr routinierter Judoka. Ich konnte ihn zum ersten Mal bezwingen“, freute sich Kimran, der übrigens eine Woche vor dem Final Four geheiratet hat.

Nach der 5:2-Pausenführung mussten die Multis noch einmal bangen. Wachid Borchashvili verspürte im Schulterbereich starke Schmerzen. Der Welser Physiotherapeut David Geber und der Marchtrenker Arzt Dr. Ronald Ecker machten ihn aber im Eilzugstempo fit. Wachid bedankte sich bei seinen Helfern mit einem  eindrucksvollen Ippon-Wurf und brachte Wels mit 8:4 uneinholbar in Führung. Zuvor hatten Europameister Akil Gjakova und Shamil Borchashvili beste Vorarbeit zum ersehnten Titelgewinn geleistet. Erste Gratulantin per Whatsapp war Co-Trainerin Sabrina Filzmoser, die derzeit in den USA eine Helikopter-Ausbildung absolviert: „Eine multikräftige Leistung unseres Teams. Ich habe vor Freude geweint …“

Wels-Quotes:
"Besser hätte das Jahr für mich nicht zu Ende gehen können. Einfach nur geil. Zuerst Olympia-Bronze in Tokio, jetzt der Bundesliga-Titel mit Wels - der erste seit 44 Jahren. Das macht mich richtig stolz", strahlte Shamil Borchashvili mit der Final-Four-Goldmedaille um die Wette, um im gleichen Atemzug hinzuzufügen: "Ich hatte richtig Schuldgefühle, weil ich vor zwei Jahren unseren möglichen Sieg verschenkt habe. Sonst hätten wir es schon 2019 geschafft. Deshalb war mir unglaublich wichtig, heute ungeschlagen von der Matte zu gehen. Aber es war ganz schön hart. Ich habe gemerkt, dass ich in den letzten Tagen 8 Kilo Gewicht machen musste."

Auch Coach Manfred Dullinger war die Erleichterung über den historischen Titelgewinn anzusehen: "Ich bin so stolz auf den gesamten Kader - inklusive Ersatzleute. Daniel Leutgeb ist eine Riesenverstärkung, unsere Legionäre waren einmal mehr top und haben sich toll ins Team eingefügt und die Borchashvili-Brüder sind sowieso eine Klasse für sich. Dieser Titel löst in mir ähnliche Emotionen aus wie die Olympiamedaille von Shamil in Tokio."

Das Finale erreichte Multikraft Wels durch einen klaren 10:4-Erfolg über  Bischofshofen. Der Welser Leichtgewichtler Daniel Leutgeb konnte dabei den Olympia-Siebenten von Tokio, Artem Lesiuk aus der Ukraine, einmal mit Ippon bezwingen. Gut gekämpft hat auch Michael Winkler. Er wurde jedoch wegen einer verbotenen Nackenrolle disqualifiziert. Weitere Punkte für Wels: Kimran Borchashvili 2, Akil Gjakova 1, Shamil Borchashvili 2, Wachid Borchashvili 1, Krisztian Toth 2, Varlam Liparteliani 1.

 

Bild (c) Olliver Sellner