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Donnerstag, den 08. Februar 2018 14:10

Volkskrankheit Schulterschmerzen


OA Dr. Jürgen Kleinrath, Schulterexperte an der Abteilung für Unfallchirurgie am LKH Kirchdorf im Gespräch mit einer Patientin

Falsche Haltung im Büro ist schuld

KIRCHDORF. Je länger man am Schreibtisch oder PC sitzt, desto mehr belastet dies den Schulterbereich. Die Folgen: Verspannungen und Entzündungen in dieser sensiblen Körperregion, einhergehend mit massiven Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Dabei würden – in Sachen Vorsorge – schon einfache Übungen und kurze Pausen helfen.

Studien belegen, dass mittlerweile rund 60 Prozent der Menschen, die täglich länger als drei Stunden am PC arbeiten, über wiederkehrende Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich klagen. „Kein Wunder, ist das Schultergelenk doch das beweglichste, aber auch das komplexeste Gelenk im Körper“, erklärt der Schulterexperte OA Dr. Jürgen Kleinrath vom Landes-Krankenhaus Kirchdorf. „Um seine Beweglichkeit zu gewährleisten, wird es von fünf Muskeln und mehreren Bändern und Sehnen gehalten – daher ist es auch besonders anfällig für schmerzhafte Abweichungen von den normalen Bewegungsabläufen.“ Und genau das passiert nach einiger Zeit am Schreibtisch: Die aufrechte Haltung geht verloren, die Schultern fallen nach vorne, die gesamte Sitzposition verändert sich, sodass die Sauerstoff-Versorgung nicht mehr so gut gegeben ist und sich die Muskulatur versteift.

Die Folgen sind schmerzhafte Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich, die zu Bewegungseinschränkungen und Spannungskopfschmerzen führen können. „Durch die eingeschränkte Bewegung und einseitige Belastung des Schultergelenks wird das gesamte Muskel- und Gelenksgefüge sozusagen verzogen, verliert die richtige Position und das wiederum führt zu äußerst starken Schmerzen“, so Kleinrath.

Vorbeugen ist einfach
Dabei könnten einfache Tipps und Übungen helfen, die Schulter fit zu halten. „Das beginnt schon damit, dass man mehr Bewegung in den Arbeitsalltag integriert“, rät der Mediziner vom LKH Kirchdorf. „Zum Beispiel bei längeren Telefongesprächen das Headset verwenden, aufstehen und einige Schritte gehen. Eine längere Besprechung im Stehen abhalten oder gleich mit einem Spaziergang verbinden.“

Natürlich sind auch ergonomische Büromöbel Voraussetzung, um richtiges Sitzen zu ermöglichen. Höhenverstellbare Schreibtische lassen sich exakt an die Körpergröße anpassen und helfen dabei eine gesunde Sitzhaltung einzunehmen, sich aufrechtzuhalten und so die Rückenmuskulatur zu schonen. Schlussendlich verursacht dauerhafter Stress angespannte Schulterpartien und damit schmerzhafte Verspannungen. „Daher auch immer wieder bewusst seine Aufgaben planen und kurze Entspannung suchen“, so der Tipp des Experten.

Hilfreiche Übungen
Mit drei einfachen Maßnahmen kann der Schulter geholfen werden:
Am Anfang steht jedenfalls immer ausgiebiges Aufwärmen, indem die Schultern im Stehen locker ausgeschüttelt werden. Anschließend die Schulter hochziehen und wieder fallen lassen. Dann die Arme kräftig durchschütteln, als würde man Staub davon entfernen wollen. Für die Schulterrolle sitzt man mit geradem Rücken auf einem Stuhl und bewegt die Schultern in einer langsamen, aufwärtsgerichteten Rollbewegung nach hinten und wieder nach vorne. Am Anfang und am Ende jeder Bewegung fünf Sekunden in dieser Position verharren. Es sollte eine angenehme Anspannung zu spüren sein. Zehn Mal wiederholen.

Für die Übung „Mein Freund der Baum“ geht man in den schulterbreiten Stand: Die Knie sind leicht gebeugt, Becken ist leicht nach vorne gekippt. In dieser Haltung stellt man sich vor, dass man einen vor sich stehenden Baum umarmt und senkt den Kopf leicht. Durch diese Dehnung des Schulter- und Nackenbereichs kann Verspannungen effizient entgegen gewirkt
werden. Fünf Mal wiederholen.

 

Bild (Gespag): OA Dr. Jürgen Kleinrath, Schulterexperte an der Abteilung für Unfallchirurgie am LKH Kirchdorf im Gespräch mit einer Patientin