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Freitag, den 02. März 2018 09:49

Probleme mit dem Kreuz-Darmbeingelenk


Der O-Arm liefert – bereits während der OP – CT Bilder, die die exakte Positionierung von einzubringenden Materialien darstellt.

Nischen-OP mit entscheidender Wirkung für Betroffene

STEYR/KIRCHDORF. Schmerzen im unteren Rücken werden häufig gleichgesetzt mit Wirbelsäulenproblemen. Zwischen Becken und Wirbelsäule liegt allerdings ein kleines Gelenk – das so genannte Kreuz-Darmbeingelenk oder Iliosakralgelenk – das bei Entzündungen oder Verschleiß zu massiven Rückenschmerzen führt. Die Diagnose ist aufwändig, die Behandlung schwierig und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich eingeschränkt. Eine ungewöhnliche, dafür aber sehr zukunftsweisende Zusammenarbeit – zwischen der Unfallchirurgie des LKH Steyr und der Abteilung für
Orthopädie des LKH Kirchdorf – macht betroffenen Patient/-innen aus ganz Österreich Mut. Durch die Anschaffung eines speziellen Operations-Armes des LKH Steyr im Vorjahr können komplizierte Operationen am Kreuz-Darmbeingelenk noch präziser durchgeführt werden.

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerdebildern der Österreicher/innen. Muskuläre Verspannungen im Lendenwirbelbereich, Instabilitäten der Wirbelsäule oder auch Verschleißerscheinungen im Hüftgelenk können quälende Schmerzen verursachen. Was viele jedoch nicht wissen – knapp 25 Prozent der chronischen Rückenschmerz-Patient/-innen leiden an Erkrankungen des Sacroiliacalgelenks. „Das Kreuz-Darmbeingelenk verbindet quasi die Wirbelsäule mit dem Becken. Es lässt nur minimale Bewegungen zu, kann aber, wenn es verschleißt, massive Rückenprobleme hervorrufen, die bis zur Berufsunfähigkeit führen können“, erklärt OA Dr. Christoph Hartl, Facharzt an der Abteilung für Unfallchirurgie im LKH Steyr.

Moderne Technik bietet perfekte OP-Voraussetzungen
Die Diagnose einer Erkrankung des Iliosakralgelenkes gestaltet sich sehr aufwändig, weshalb es immer wieder zu Fehldiagnosen – wie beispielsweise Bandscheibenvorfällen – kommt. Aufgrund der Risiken wird in vielen Fällen sogar von einer Operation abgeraten. Die Anschaffung des O-Arms im Mai 2017 ermöglicht den Expert/-innen nicht nur eine intraoperative 3D-Bildgebung in der Qualität eines CT‘s, sondern auch eine computergesteuerte Navigation für eine noch exaktere Platzierung der Implantate bei Iliosakral-Gelenks-Operationen. Die perfekten technischen Voraussetzungen also für diese Operation, die es nicht in jedem Haus gibt. „Bei der Behandlung des Sacroiliacalgelenks
handelt es sich um ein Randgebiet der Unfallchirurgie, dessen wir uns aufgrund der neuen technischen Ausstattung aber verstärkt widmen“, so der Experte.

Fachexpertise aus dem LKH Kirchdorf
Seit einem halben Jahr werden die Operationen – in fächer- und hausübergreifender Zusammenarbeit mit der Abteilung für Orthopädie – im LKH Kirchdorf durchgeführt. Dort blickt man mittlerweile auf eine mehrjährige Erfahrung im Bereich der Iliosakralgelenks-Operationen zurück. Bereits im Jahr 2011 entwickelten OA Dr. Manfred Stock – gemeinsam mit dem damaligen Primar, Dr. Wolfgang Ramach – eine österreichweit einzigartige OP-Technik, die die jahrelangen Beschwerden der Patient/-innen erheblich linderten. „Die Orthopäden in Kirchdorf waren österreichweit schon immer Vorreiter auf diesem Gebiet. Auch wir haben mittlerweile eine entsprechende Expertise und – mit dem O-Arm – die perfekte apparative Ausstattung“, erklärt OA Dr. Hartl die Gründe für die Kooperation.

Operation mit OP-Technikentwickler aus den USA
Erst kürzlich erhielten die beiden erfahrenen Oberärzte Dr. Manfred Stock und Dr. Christoph Hartl Besuch aus den USA. OP-Technik-Entwickler im Bereich der Iliosakralgelenk-Implantate, Dr. John Stark, kam ins LKH Steyr, um den beiden Operateuren über die Schulter zu blicken.

 

Bild (gespag): Der O-Arm liefert – bereits während der OP – CT Bilder, die die exakte Positionierung von einzubringenden Materialien darstellt.