Sie sind hier: SPORT
Freitag, den 04. Mai 2018 08:00

Mein Kind hat Würmer!


Prim. Dr. Gerhard Pöppl

Aufpassen in der Sandkastenzeit

KIRCHDORF. Zugegeben, es ist ein grausiger Moment, wenn man beim Windelwechsel oder im Töpfchen plötzlich kleine weiße Würmer im Stuhl entdeckt. Diese, sogenannten Madenwürmer, sehen zwar schrecklich aus und sind wegen des vermehrten Juckreizes auch unangenehm, im Grunde aber harmlos. Anders verhält es sich mit dem Bandwurm, dessen Eier werden u.a. durch befallene Hunde oder Katzen übertragen und können richtige Beschwerden auslösen. Hygiene im Sandkasten kann z.B. im Sommer Übertragung vermeiden.

Ein Wurmbefall heißt nicht automatisch mangelnde Körperhygiene. Allerdings sollte man in diesem Fall ganz besonders darauf achten, um nicht weitere Familienmitglieder anzustecken. Denn die kleinen, ca. eineinhalb bis zwei Zentimeter langen, weißen Madenwürmer legen vorwiegend nachts ihre Eier im After ab. Weil sich die Kinder wegen des damit verbundenen starken Juckreizes am Po kratzen, bleiben die winzig kleinen Wurmeier unter den Fingernägeln hängen. Ohne sich gründlich die Hände zu waschen, gelangen die Eier bei Handkontakt schlussendlich über den Mund in den Darm und entwickeln sich dort innerhalb weniger Stunden zu ausgewachsenen Würmern.

Schnell handeln ist angesagt
Sind noch keine Würmer im Stuhl sichtbar, klagt das Kind jedoch über einen juckenden Po, sollten Sie das mit ihrem Kinderarzt besprechen und mit einer Stuhluntersuchung auf Wurmeier Klärung herbeiführen. „Sollte das nicht helfen, empfehlen wir am Morgen, noch bevor das Kind auf der Toilette war, ein Stück Tesafilm über den After zu kleben und vorsichtig wieder abzuziehen“, erklärt Prim. Dr. Gerhard Pöppl, Leiter der Abteilung für Kinder und Jugendliche sowie hygienebeauftragter Arzt am LKH Kirchdorf. „Unter dem Mikroskop sieht man, ob Wurmeier vorhanden sind. Mit der richtigen Medizin lassen sich die Würmer dann schnell in den Griff kriegen, sie sterben durch die Behandlung und werden ausgeschieden.“

Oft reicht eine einmalige Gabe der Arznei, sicherheitshalber muss sie nach zwei Wochen wiederholt werden. Am besten behandelt man die ganze Familie und gibt auch in der Kinderbetreuung Bescheid. Um einer erneuten Infektion, die ja meist innerhalb der Familie erfolgt, vorzubeugen gibt es ein paar einfache Regeln. Eine gewisse Händehygiene mit regelmäßigem Händewaschen und kurzen Fingernägeln ist selbstverständlich. Bettwäsche nicht aufschütteln und zusammen mit der Unterwäsche unbedingt bei heißen 90 ° waschen. Den Fußboden nicht kehren, sondern feucht aufwischen.

Gefahr Bandwurm
Die Ansteckungsgefahr für die weit gefährlicheren Artgenossen, den Bandwürmern lauern eher in der Natur. Hier besteht das Risiko, dass man Eier oder Zwischenstadien des Wurms aufnimmt – zum Beispiel beim Katzen-, Hunde- oder Fuchsbandwurm. Deshalb müssen Hunde und Katzen regelmäßig entwurmt werden. Über ungewaschene Waldfrüchte kann man sich in seltenen Fällen mit dem Fuchsbandwurm infizieren. Auch mit dem Schweine- und Fischbandwurm können sich Menschen infizieren. Er lauert in rohem Fleisch. Durch regelmäßige Fleischbeschau sind solche Infektionen aber heutzutage schon sehr selten geworden. „Im Gegensatz zu den vergleichsweise harmlosen Madenwürmern machen Bandwürmer größere Beschwerden, wie z.B. starke Bauchschmerzen oder eine große Zyste der Leber“, erklärt Prim. Dr. Gerhard Pöppl. „Einen Befall bemerkt man, indem man Glieder des Bandwurms im Stuhlgang findet. Eine sichere Diagnose liefern Laboruntersuchungen des Stuhls auf Wurmeier. Die Heilungschancen sind (trotz einer unter Umständen notwendigen Operation) meist sehr gut. Ein Arztbesuch ist bei Wurmbefall in jedem Fall Pflicht“, so der Kirchdorfer Experte.

 

Bild (gespag): Prim. Dr. Gerhard Pöppl