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Donnerstag, den 10. Mai 2018 08:00

Rauchen erhöht Risiko, an Multipler Sklerose zu erkranken


Prim. Dr. Nenad Mitrovic, Leiter der Abteilung für Neurologie am Salzkammergut-Klinikum Vöcklabruck sowie der MS-Station am Salzkammergut-Klinikum Bad Ischl.

„Raucher und Raucherinnen weisen ein 1,5-fach höheres Risiko auf, an MS zu erkranken als jene die nicht zum Glimmstängel greifen.

BAD ISCHL. Dass Rauchen die Gesundheit gefährdet ist allgemein bekannt – meist denkt man dabei an Lungenkrebs, Gefäßverschlüsse oder Herz-Kreislauferkrankungen. Dass Rauchen auch das Risiko, an Multipler Sklerose (MS) zu erkranken, erhöht und den Verlauf der Krankheit negativ beeinflusst, das ist bisher eher unbekannt.

„Raucher und Raucherinnen weisen ein 1,5-fach höheres Risiko auf, an MS zu erkranken als jene die nicht zum Glimmstängel greifen. Das zeigt unter anderem eine Studie des Karolinska Institutes in Stockholm“, weiß Prim. Dr. Nenad Mitrovic, Leiter der Abteilung für Neurologie am Salzkammergut-Klinikum (SK) Vöcklabruck sowie der MS-Station am SK Bad Ischl. Andere Studien zeigen, dass das MS-Risiko dosisabhängig steigt. Wer also mehr und/oder länger raucht, erhöht sein Risiko entsprechend.

„Rauchen beeinflusst aber nicht nur die Entstehung von MS sondern wirkt sich auch auf den Krankheitsverlauf sowie die Wirkung von Medikamenten aus. Bei Raucher/innen nimmt die Erkrankung einen schwereren Verlauf (z. B.: Gehfähigkeit) und wandelt sich früher von einem schubförmigen Verlauf zu einem kontinuierlich fortschreitenden Verlauf“, sagt der Experte.

Auch Passivrauchen wirkt sich negativ aus
Doch nicht nur aktives Rauchen sondern auch Passivrauchen steht in unmittelbarer Verbindung mit einer MS-Erkrankung. Eine andere schwedische Studie ergab, dass auch Passivrauchen das Risiko einer MS-Erkrankung erhöhen kann.

„Die Ursachen für MS sind bis heute noch nicht vollständig geklärt. Zu den möglichen Faktoren gehören Vererbung, chronische Infektionen und eine Fehlregulation des Immunsystems. All diese Faktoren haben gemeinsam, dass man sie nicht beeinflussen kann. Das sieht beim Rauchen ganz anders aus. Ein Verzicht auf die Zigarette zahlt sich auf jeden Fall aus und kann das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen und den Schwergrad der Behinderung reduzieren“, sagt Prim. Mitrovic.

Infobox „Weitere mögliche Risikofaktoren für Multiple Sklerose“:
Neben dem Rauchen werden natürlich auch eine Vielzahl anderer Faktoren erforscht, die sich auf das MS-Risiko auswirken können:

-       Geografische Faktoren: Das Auftreten der Krankheit scheint mit der Entfernung zum Äquator in Zusammenhang zu stehen. Je größer der Abstand (Nordamerika, Nordeuropa, Südaustralien), desto höher das Risiko.

-       Vitamin D, Sonnenlicht: Die oben genannte geografische Verteilung rückte das Sonnenvitamin D in den Fokus der Forschung. Derzeit scheint es so, als ob Menschen, die in Regionen mit starker Sonneneinstrahlung – und somit hoher Bildung von Vitamin D in der Haut – leben, seltener an MS erkranken.

-       Virusinfektionen: Für die immer wieder geäußerte Vermutung, dass Infektionen, wie z.B. das Epstein-Barr-Virus (EBV), die Erkrankung verursachen, fehlen bis heute stichhaltige Beweise.

-       Impfen: In zahlreichen Studien konnte kein Bezug zwischen Impfungen und dem Ausbruch von Multipler Sklerose nachgewiesen werden.

 

Bild (gepag): Prim. Dr. Nenad Mitrovic, Leiter der Abteilung für Neurologie am Salzkammergut-Klinikum Vöcklabruck sowie der MS-Station am Salzkammergut-Klinikum Bad Ischl.