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Montag, den 15. April 2019 08:00

Wenig Aufwand – große Wirkung


Die Behandlung erfolgt mit maximaler Abstimmung mit den Patientinnen – OA Dr. Sonnberger links, Univ.-Prof. Prim. DDr. Enzelsberger rechts im Bild, in der Dysplasie-Ambulanz am LKH Steyr.

Wichtige Vorsorge bei Gebärmutterhalskrebs

STEYR. Nur wenige Krebsarten lassen sich derart einfach diagnostizieren und damit eindämmen wie Gebärmutterhalskrebs. In der Dysplasie-Ambulanz des LKH Steyr setzt man auf ehestmögliche Abklärung eines problematischen Befundes mit maximaler Berücksichtigung der persönlichen Lebenssituation der Patientinnen.

Auch für Sophia S. (30) war der routinemäßige Besuch beim Gynäkologen und der damit verbundene Krebsabstrich reine Routine. Bis eine Woche später das Telefon klingelte und der Arzt darüber informierte, dass der PAP-Befund auffällig sei. Frau S. wurde an eine Spezialambulanz überwiesen. Sophia S. wandte sich an die Dysplasie-Ambulanz im Schwerpunktkrankenhaus Steyr. Hier erfolgte nach einem ausführlichen Beratungsgespräch die spezialisierte Untersuchung mit dem Kolposkop (Spiegelung des Gebärmuttermundes oder des äußeren Genitalbereiches mit dem Mikroskop). Dabei wird der Muttermund mit verdünnter Essigsäure und mit einer Jodlösung betupft, um auffällige Areale sichtbar zu machen. Von diesen wird dann eine Gewebeprobe entnommen, um zu beurteilen, ob bereits eine therapiepflichtige Krebsvorstufe vorhanden ist. Bei Bedarf können weitere Abstriche, wie z.B. ein HPV-Abstrich durchgeführt werden.

Behandlung mit maximaler Abstimmung mit Patientin
Etwa zwei Wochen nach Entnahme einer Gewebeprobe wurden die erhobenen Befunde und das weitere Vorgehen mit Frau S. besprochen. „Da genitale Dysplasien, also Abweichungen der Gewebestruktur vom normalen Bild, typischerweise bei jungen Frauen mit nicht abgeschlossener Familienplanung auftreten, gehen wir auf den weiteren Kinderwunsch besonders ein – sowohl bei der Abklärung als auch bei der weiteren Therapie“, erläutert Prim. DDr. Hermann Enzelsberger vom LKH Steyr. „Dadurch soll ein unnötiges Frühgeburtsrisiko nach einer zu schnell oder zu radikal durchgeführten Konisation, also der Entfernung des betroffenen Areals am Muttermund, verhindert werden.“ Sollte ein operativer Eingriff bzw. eine andere Behandlung notwendig sein, kann diese zeitnah am LKH Steyr durchgeführt werden. Bei Frau S. waren keine bösartigen Veränderungen entdeckt worden. Für die nahe Zukunft wurden ihr jedoch engmaschigere Kontrollintervalle beim Frauenarzt empfohlen.

Dysplasie-Ambulanz in Steyr für rasche, zielgerichtete Hilfe
Seit dem Start der Dysplasie-Ambulanz des LKH Steyr zur Abklärung von pathologischen PAP-Befunden im Jänner 2017 gab es rund 800 Patientinnenkontakte. Im selben Zeitraum wurden 160 Konisationen durchgeführt.

Vorsorge entscheidend
Gebärmutterhalskrebs verursacht im Frühstadium keine Beschwerden. Daher sind Vorsorgeuntersuchungen umso wichtiger. „Unsere Empfehlung lautet für Frauen ab dem 18. Lebensjahr einmal jährlich bis ins höhere Alter, einen Krebsabstrich und eine gynäkologische Untersuchung beim Frauenarzt durchführen zu lassen. Durch diese schmerzfreie Untersuchung können sich Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs frühzeitig erkennen lassen“, rät OÄ Dr. Judith Schauer von der Gynäkologie des LKH Steyr. Dabei werden mit einer kleinen Bürste Zellproben von Muttermund und Gebärmutterhals entnommen, welche nach entsprechender Fixierung und Anfärbung vom Pathologen untersucht werden. Je nach Auffälligkeit des Abstriches wird dieser in fünf Gruppen eingeteilt. Rund drei bis fünf Prozent aller Abstriche sind auffällig. Während der PAP I-II als unauffällig gilt, ist bei PAP III-V eine weitere Abklärung notwendig.

Prävention durch HPV-Impfung
Die Steyrer ExpertInnen erwarten sich auch eine Senkung der Erkrankungsrate durch eine vermehrte Annahme der HPV-Impfung in der Bevölkerung gegen Humane Papillomaviren (HPV). Die österreichische Krebshilfe empfiehlt Mädchen und Buben zwischen neun und 15 Jahren bzw. deren Eltern, sich vor Aufnahme sexueller Aktivitäten impfen zu lassen, die HPV-Impfung kann ebenso Mädchen und Frauen von 15 bis 45 Jahren empfohlen werden. Mit der HPV-Impfung und dem jährlichen Krebsabstrich steht ein wirksamer Schutz vor Gebärmutterhalskrebs und seinen Vorstufen zur Verfügung. Denn die Erkrankungsrate steigt: „Wir beobachten, dass Veränderungen am Muttermund immer häufiger diagnostiziert werden. Dies liegt sicher an der immer besser werdenden Diagnostik bzw. dem häufigeren Wechsel von SexualpartnerInnen“, erklärt OA Dr. Florian Sonnberger vom LKH Steyr.

Dysplasie-Ambulanz am LKH Steyr
Abt. für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Ambulanzzeiten: Montag 09.00 bis 13.00 Uhr
Terminvereinbarung: 050/55466-23730

 

Bild (medcom linz): Die Behandlung erfolgt mit maximaler Abstimmung mit den Patientinnen – OA Dr. Sonnberger links, Univ.-Prof. Prim. DDr. Enzelsberger rechts im Bild, in der Dysplasie-Ambulanz am LKH Steyr.