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Freitag, den 05. Juli 2019 07:00

Viele Schlafmythen


Prim. Dr. Bernhard Baumgartner, Leiter des Schlaflabors am Salzkammergut Klinikum Vöcklabruck.

Guter Schlaf braucht keine Schäfchen

VÖCKLABRUCK. Schlafen kann gesund machen und schön sowieso. Braucht der Körper aber wirklich acht Stunden Schlaf? Kann man auf Vorrat schlafen? Sollte die Schlafenszeit unbedingt lange vor Mitternacht beginnen? Besonders wenn sich der entspannende und regelmäßige Schlaf nicht einstellen will, sind Betroffene bemüht, alles „richtig“ zu machen. Dabei handelt es sich aber häufig um Schlafmythen, die mehr Schlafprobleme verursachen als lösen.

„Der klassischste Mythos, wenn es um den Nachtschlaf geht, sind konkrete Stundenangaben, die für eine optimale Erholung nötig wären“, sagt Prim. Dr. Bernhard Baumgartner, Leiter des Schlaflabors am Salzkammergut Klinikum Vöcklabruck und ergänzt: „Wichtiger, als sich krampfhaft an den häufig genannten acht Stunden zu orientieren, ist es, herauszufinden, wie hoch der persönliche Schlafbedarf ist. Dieser kann individuell verschieden sein und hängt nicht nur von der inneren Uhr ab, sondern verändert sich auch im Laufe eines Lebens. Die Mehrheit der Erwachsenen braucht sieben bis acht Stunden Nachtschlaf. Manche hingegen sind mit sechs Stunden fit oder brauchen mehr als neun Stunden, um sich ausgeruht zu fühlen. Was leider nicht funktioniert, ist das „Schlafen auf Vorrat“. Schlaf lässt sich nämlich nicht auf einem Schlafkonto verbuchen und abziehen, wenn er benötigt wird. Nur die Regelmäßigkeit bringt Erholung.“

Ähnlich hartnäckig hält sich der Glaube, der Schlaf vor Mitternacht sei gesünder. Auch hier winkt der Experte ab: „Da es Menschen gibt, die eher in der Nacht aktiv werden und solche, die am Vormittag ihre produktivste Zeit erleben, wäre eine konkrete Uhrzeit nie für alle Menschen optimal. Richtig ist, dass der Schlaf insbesondere in den ersten beiden Stunden nach dem Einschlafen am tiefsten ist. Auch wenn man also nicht vor Mitternacht zur Ruhe kommt, ist ein gesunder Schlaf möglich.“

Kalt und heiß sind Schlafräuber
Wer bereits mit Einschlafproblemen kämpft, versucht häufig die Rahmenbedingungen für guten Schlaf zu optimieren. Viele dieser äußeren Einflüsse, wie der Verzicht auf körperliche oder geistige Anstrengung am Abend oder das Verbannen von Tablet und Smartphone aus dem Bett, sind dabei sehr sinnvoll.

Keine gute Idee, besonders im Winter, ist das eiskalte Schlafzimmer: „Es stimmt schon, dass die Raumtemperatur einen Einfluss auf die Schlafqualität hat, aber in einem zu kalten Raum wird die Muskelentspannung gebremst, die für die Erholung wichtig ist. Die optimale Schlaftemperatur liegt zwischen 16 und 18 Grad.

Was hilft aber nun konkret beim Einschlafen? Ein altes Hausmittel, das schon kleinen Kindern empfohlen wird, nämlich Schäfchen zählen, wurde bereits wissenschaftlich widerlegt. Wissenschaftler der britischen Oxford University kamen bei einer Studie zu dem Ergebnis, dass Schäfchen zu zählen das Einschlafen um bis zu 20 Minuten verzögern kann. „Entspannung ist ein wichtiges Element für Schlaf. Wer Probleme damit hat, zur Ruhe zu kommen, sollte kleine Meditationsübungen zu Hilfe nehmen. Das kann das gezielte An- und Entspannen der Muskeln im Körper sein, bewusstes, tiefes Atmen oder das Vorstellen einer beruhigenden Situation“, sagt Prim. Baumgartner.

10 Schlaftipps vom Experten:

  • Halten Sie regelmäßige Schlafzeiten ein.
  • Schaffen Sie ein angenehmes Schlafklima.
  • Vermeiden Sie Alkohol, Kaffee und größere Mahlzeiten vor dem Schlafen.
  • Machen Sie regelmäßig Ausdauertraining.
  • Vermeiden Sie den Mittagsschlaf.
  • Finden Sie ihren individuellen Schlafbedarf.
  • Vermeiden Sie längeres Wachliegen im Bett.
  • Schalten Sie vor dem Zubettgehen ab.
  • Gehen Sie dann zu Bett, wenn Sie müde sind.
  • Bei Schlafstörung durch den Partner (z.B. Schnarchen) getrennte Schlafbereiche überlegen.

Bild (OÖ Gesundheitsholding): Prim. Dr. Bernhard Baumgartner, Leiter des Schlaflabors am Salzkammergut Klinikum Vöcklabruck.