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Samstag, den 04. Juli 2020 07:00

Die Gefahr lauert im eigenen Garten


Primar Dr. Robert Pehn, Leiter der Unfallchirurgie am Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Kirchdorf.

Stilles Ertrinken bei Kindern verhindern

Trotz regenreichem Sommerbeginn, haben sich viele bereits jetzt mit aufstellbaren Pools und Planschbecken im Garten für den Sommer gerüstet. Urlaub zu Hause mit Abkühlung im eigenen Garten klingt herrlich, doch immer wieder endet der Badespaß tödlich. Bei Kindern bis zu fünf Jahren zählt Ertrinken zu den fünf häufigsten Todesursachen und sehr oft passieren solche Unfälle in privaten Pools. Weil Kinder zumeist völlig lautlos untergehen, sollten Erwachsene umso aufmerksamer sein und Vorkehrungen treffen.

Mehr Menschen als sonst verbringen ihren diesjährigen Sommerurlaub zu Hause, denn Reisen ans Meer sind vielen nach wie vor auf Grund von COVID-19 zu unsicher. Viele Familien mit Garten oder Terrasse haben sich deswegen den Traum vom eigenen Pool oder Planschbecken erfüllt und sich für den kommenden Sommer gerüstet. Abkühlung ist auch aus medizinischer Sicht durchaus ratsam. Doch ExpertInnen warnen gleichzeitig davor, die Gefahr des Wassers zu unterschätzen, das eine geradezu magische Anziehungskraft auf Kinder ausübt. Schon wenige Zentimeter Wasserhöhe und ein Moment der Unachtsamkeit reichen aus, dass selbst ein Planschbecken zur tödlichen Falle wird.

Deshalb ertrinken Kinder meistens lautlos

Weil Kinder nicht schreien, wenn sie ins Wasser fallen, bemerken anwesende Erwachsene das Unglück oft erst, wenn es zu spät ist. Auch heftiges Armrudern oder auffallendes Spritzen im Wasser sind gerade bei Jüngeren eher selten. „Kinder erleiden nach einem Sturz ins Wasser oft eine Schockreaktion. Stimmritze und Rachen schließen sich und die Atmung wird blockiert“, erklärt Primar Dr. Robert Pehn, Leiter der Unfallchirurgie am Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Kirchdorf. „Das führt dazu, dass Kinder oft bewegungslos und starr werden und daher lautlos und schnell versinken. Sie ertrinken ohne einen Tropfen Wasser in der Luftröhre oder Lunge.“ Kleinkinder bis zu fünf Jahren sind besonders gefährdet, weil sie im Vergleich zu ihrer Körpergröße einen überproportional großen Kopf haben. Stürzen sie oder verlieren sie das Gleichgewicht, fallen sie daher häufig mit dem Kopf voran ins Wasser.

Planschen nur unter Aufsicht und mit Schwimmweste
Eltern und anderen Aufsichtspersonen sollte bewusst sein, dass schon ein kurzer Moment der Ablenkung weitreichende Folgen haben kann – auch dann, wenn der Nachwuchs bereits schwimmen kann. NichtschwimmerInnen und Kinder unter zehn Jahren sollten ohnehin nur beaufsichtigt ins Wasser gehen, und auch ältere Kinder sollten mindestens zu zweit oder noch besser in der Gruppe bleiben. Zudem empfehlen Fachleute das Tragen einer zertifizierten Schwimmweste. Im Gegensatz zu Spielzeug wie Schwimmreifen, -tieren, -nudeln und Luftmatratzen kann sie wirklich vor dem Ertrinken schützen. Wichtig ist, dass sie vor dem Gebrauch auf Mängel geprüft und bei verblasstem, brüchigem Material ausgetauscht wird.

So machen Sie Ihren Pool kindersicher
Mit einigen technischen Vorkehrungen können viele Unfälle schon im Vorfeld verhindert werden. Eine stabile und sichere Begrenzung rund um den Pool schützt den eigenen Nachwuchs genauso wie fremde Kinder, die in den Garten gelangen könnten. Gleiches gilt für Gartenteiche, Biotope, Regentonnen und Planschbecken. Der Beckenrand soll immer rutschsicher sein und der Pool, wenn er nicht in Betrieb ist, zur Gänze verschlossen werden, am besten mit einer Abdeckung, die einer Belastung von 100 Kilogramm standhält. Ist das nicht möglich, sollten PoolbesitzerInnen wenigstens die Leiter entfernen oder den Einstieg blockieren. Zusätzlichen Schutz bieten akustische Warnanlagen, die einen Alarm auslösen, sobald sich jemand dem Pool nähert oder außerhalb der Nutzungszeiten ins Wasser fällt.

Erste Hilfe: Im Notfall zählt jede Minute

Ist das Unglück trotz allem passiert, empfiehlt Primar Pehn, möglichst ruhig, aber rasch zu handeln: „Kontrollieren Sie die Lebensfunktionen und beginnen Sie sofort mit Erste-Hilfe- Maßnahmen. Führen Sie Beatmung und Herzdruckmassage bei Kindern aber besonders vorsichtig durch. Wählen Sie außerdem umgehend den Notruf 144, tauschen Sie die nasse Kleidung gegen eine Decke oder Aluminiumfolie, um eine Unterkühlung zu vermeiden, und folgen Sie den weiteren Anweisungen des Rettungsteams.“

 

Bild (c) OÖG