Sie sind hier: KULTUR
Montag, den 30. November 2020 07:00

Kein Abriss des Denksteinhauses


tR Reindl-Schwaighofer vor dem Denksteinhaus das Teil des Bahnhofs der Pferdeeisenbahn war

Die Stadt Wels muss zu ihrem kulturhistorischen Erbe stehen

Denksteinhaus nicht abreißen, sondern in die Planung des Kaiser-Josef-Platzes integrieren!
„Beim Erhalt des kulturhistorischen Erbes ist es notwendig nicht nur an Bausubstanz zu denken, die unter Denkmalschutz steht, sondern auch an Gebäude, die wesentlich zur Identität der Stadt beitragen. Daher bin ich gegen den Abriss des Denksteinhauses. Das ehemalige Bahnhofsgebäude der Pferdeeisen-bahn soll in die Planung des Kaiser-Josef-Platzes integriert werden.“

Bei der Neugestaltung des Kaiser-Josef-Platzes, kann nicht immer alles auf Kosten der historischen Bausubstanz gehen, wie zuletzt beim Abriss des „Hotel Greif.

Schon 1959 wurden Unterschriftenlisten für den Erhalt, des an das „Denksteinhaus“ südlich anschließenden Bahnhofsturmes gesammelt. Der sogenannte „Semmelturm“ wurde kurz darauf abgebrochen und musste einem Hochhaus weichen. 1997 schreckte man noch vor dem Abriss des letzten Restes des Bahnhofs der Südstrecke der Pferdeeisenbahn zurück, die von Budweis über Linz und Wels nach Gmunden führte.

Aktuell läuft seit 2014 eine Petition der Zivilgesellschaft mit der Forderung, dass bei der künftigen Neugestaltung des östlichen Teils des Kaiser-Josef-Platzes zumindest eine Bezugnahme zu dem ehemaligen Bahnhofsgebäude der Pferdeeisenbahn genommen wird. Das unterstütze ich als Kulturreferent der Stadt Wels.

Das „Denksteinhaus“ ist nicht nur Teil der Welser Stadtgeschichte, sondern auch Teil der europäischen Eisenbahngeschichte. Durch dieses Haus führten die ersten zweiröhrigen Eisenbahntunnels Österreichs. Das Gebäude wurde 1834 von der ersten k. k. Priv. Eisenbahngesellschaft erworben. Mitten durch das „Denksteinhaus“ führten Gleise und es wurde von 1835 bis 1859/60 für Kanzleiräume, Wohnungen und als Lager von der Eisenbahngesellschaft genutzt.

Nun ist erneut die Beseitigung des „Denksteinhauses“ im Zuge der KJ-Neugestaltung geplant. Als Begründung dafür kommt die abschlägige Stellungnahme des Bundesdenkmalamtes gerade recht. Dabei wird das im aktuellen Kulturleitbild und Kulturentwicklungsplan der Stadt festgeschriebene Bekenntnis zum Erhalt unseres baukulturellen Erbes negiert.

Die Erhaltenswürdigkeit eines Gebäudes muss nicht zwangsläufig mit Denkmalschutz zusammenhängen. Bei Um- und Neubauten sind auch Kriterien wie Ensembleschutz und die stadttypische Bedeutung eines Bauwerks zu berücksichtigen.

So wie vor mehr als 60 Jahren beim Abriss des „Semmelturms“ werden auch jetzt tausende Protestunterschriften gegen die Beseitigung des „Denksteinhauses“ ignoriert.

Als Kulturstadtrat lehne ich diese Vorgangsweise entschieden ab und fordere:

  1. Die Stadt Wels soll in ihrem eigenen Wirkungskreis Verantwortung für den Schutz des kulturellen Erbes übernehmen – auch wenn das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht.
  2. Sofortige Einstellung aller Maßnahmen zum Abriss des „Denksteinhauses“.
  3. Das „Denksteinhaus“ in die KJ-Planung integrieren.
  4. Den Protest der Denkmalschützerinnen und Denkmalschützer ernst nehmen und Bürgerbeteiligung bei diesem Gestaltungsprozess ermöglichen.

Bild (c) Stadt Wels