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Samstag, den 19. Dezember 2020 07:00

Neustart nach jähem Ende


Szene aus Hamlet

Wels freut sich auf das 29. Internationale Welser Figurentheaterfestival 2.0.

Im Jahr 2021 findet nicht – wie rechnerisch zu erwarten – die 30. Ausgabe des Internationalen Welser Figurentheaterfestivals statt, sondern das 29. Internationale Welser Figurentheaterfestival 2.0. Das Organisationsteam rund um Intendantin Gerti Tröbinger sowie Maria Dürrhammer und Ruth Humer hat sich dieses „2.0.“ aus der Internet-Sprache ausgeborgt und umgedeutet. Damit soll darauf hingewiesen werden, dass das 29. Festival im heurigen Jahr nach zwei Tagen ein jähes Ende durch die Corona-Pandemie gefunden hat – und 2021 in einer zweiten Version auferstehen und weiterentwickelt wird.

Alle Künstler, die 2020 ihre Stücke in Wels nicht mehr zeigen konnten, wurden 2021 wieder eingeladen. Doch die zweite Auflage ist nicht ausschließlich eine Wiederaufnahme. Es ist wahrlich eine „verbesserte Version“ – verbessert und verdichtet durch zusätzliche Programmpunkte. 28 Gruppen und Einzelkünstler aus acht Nationen zeigen von Donnerstag, 11. bis Mittwoch, 17. März 2021 insgesamt 53 Figurentheaterinszenierungen für ein Kinder- und Erwachsenenpublikum.

Programmdetails
Der Festivalauftakt findet am Donnerstag, 11. März um 19:30 Uhr im frisch renovierten Stadttheater Wels statt: „Die Echse“ (mit dem kongenialen Puppenspieler Michael Hatzius im Hintergrund) wird die Gäste durch den Abend führen und dabei über die Schwachstellen der menschlichen Psyche philosophieren.

Der „Schlussakkord“ des Festivals 2021 am Mittwoch, 17. März um 19:30 Uhr im Stadttheater wird ein wahrhaft musikalischer: Wieder einmal haben sich hochkarätige Künstler zu einem einmaligen, exklusiven Abend zusammengefunden: Der oberösterreichische Pianist Till Alexander Körber hat das um 1908 entstandene Meisterwerk des spanischen Komponisten Isaac Albéniz „Iberia“ neu für Klavier und Violine arrangiert und interpretiert gemeinsam mit Martin Walch (Merlin Ensemble Wien) diese „leidenschaftliche Hommage an die Virtuosität“ erstmalig. Das „Karin Schäfer Figurentheater“ hat zu dieser beeindruckend schönen Musik einen visuellen Bilderbogen kreiert.

An den weiteren fünf Festivalabenden setzen die Veranstalter wieder auf die beim Publikum beliebten Themenabende:

Der zweite Festivalabend am Freitag, 12. März gehört ab 19:30 Uhr dem „Kasperl international“: Bei allen drei Gruppen des Abends (divadlo 100 opic/Tschechien, Robert Styles/Großbritannien, Andreas Pfaffenberger/Österreich, Deutschland) wird die Keule gegen Tod, Krokodil und Unrechtsstaat geschwungen. Der junge Welser Andreas Pfaffenberger, der das Puppenspiel in Berlin studiert hat, gibt dabei seine Heimspielpremiere.

Der Samstag, 13. März steht unter dem Motto „Aufstieg und Fall“ und führt vor Augen, wie ohnmächtig der Mensch meist seinem Schicksal gegenüber steht: Die Inszenierung „Danish Pork“ (19:30 Uhr, Stadttheater) der Deutsch-Dänisch-Österreichischen Gruppe „Søgaard/Barthel/Glöckler“, denkt über das reale Schicksal einer dänischen Viehzüchterin nach, die ihre außergewöhnliche Liebe zu Tieren offen zur Schau stellte und so zum Star in der Hardcore-Porno-Szene wurde. In Anne-Katrin Klatts „Konfetti man – das Leben ein Fest“ (21:00 Uhr, Stadttheater) denkt ein Mensch, sein Leben in sicheren Bahnen zu leben. Doch wie reagiert er, wenn plötzlich etwas geschieht, was dieses Weltbild der vermeintlichen Kontrolle ins Wanken bringt?

Das Sonntag-Abend-Motto am 14. März lautet „Freaks und Wahnsinn“: Die Dresdner Gruppe „freaks&fremde“ stellt sich in ihren Arbeiten unbequemen Fragen, für die sie nur selten eine Antwort hat. In ihrer „Freakshow – the best in Town“ (19:30 Uhr, Stadttheater) entführen sie die Besucher in eine Kuriositätenshow, die lautstark am Konzept der Normalität rüttelt. Die junge Stuttgarterin Sarah Wissner gewährt dem Publikum in ihrer Horrorinszenierung „The Dark Trullala“ (21:00 Uhr, Minoriten) einen Blick in die Albträume einer Puppenspielerin. Zur guten Nacht vertont die Welser Stummfilm-pianolegende Gerhard Gruber den Film „Der Mandarin“ (22:00 Uhr, Programmkino). Es ist dies eine der letzten Filmproduktionen Österreich-Ungarns von Fritz Freisler. Das Szenario: Die Psychiatrie.

Am Montag-Abend 15. März wird „Klassik neu interpretiert“: „Hamlet“ (19:30 Uhr, Alter Schlachthof) von zwei Totengräbern (Pierre Schäfer und Veronika Thieme/Deutschland), die die Opfer des Dramas beerdigen müssen. Und Don Quichotte in „Being Don Quichotte“ (21:00 Uhr, Stadttheater) von einem Puppenspieler (Matija Solce/SLO), der nur eine Marionette besitzt und mit seinem Manager, der einen kommerziellen Hit erwartet, in Konflikt gerät.

„Das ist doch zum Lachen“ heißt es am Dienstag-Abend, 16. März. Verantwortlich zeichnen dafür: Das „Theater Zitadelle“ aus Berlin mit den „Berliner Stadtmusikanten“ (19:30 Uhr, Stadttheater) und das Theater „Gugelhupf“ aus Gernsbach/DE mit dem „Kasperblues“ (21:00 Uhr, Alter Schlachthof).

Im Kinderprogramm treffen die Gäste alte und bekannte Publikumslieblinge: Lille Kartofler darf nicht fehlen – aber auch Margrit Gysin, Bavastel, Chistoph Bochdansky, „babelart“ (Andra Taglinger und Manfredi Siragusa) und „gundberg“ (Natascha Gundacker und Jochen Berger) sind mit dabei.

Auch die beiden Theaterpädagoginnen des Festivals, Maria Dürrhammer und Ruth Humer, betreten die Bühne mit bekannten und neuen Stücken. Inhaltlich spannt sich der Bogen von fantastischen, philosophischen und Mut machenden Geschichten über sinnliches Erleben durch Düfte und Musik bis zum Märchen und zum immer beliebten Kasperl, der sein Publikum am Sonntag-Vormittag (14. März) in internationaler Besetzung begrüßt.

Spielstätten, Eintritte und Karten
Das Festival findet im Jahr 2021 in folgenden Austragungsorten statt:

  • Minoriten (Schießerhof, Minoritenplatz 4)
  • Kornspeicher (Freiung 15)
  • Stadttheater Wels (Rainerstraße 2)
  • Alter Schlachthof (Dragonerstraße 2)
  • Programmkino (Pollheimerstraße 17)

Das Programm ist ab Sonntag, 20. Dezember unter www.figurentheater-wels.at online.
Reservierungen sind ab Montag, 18. Jänner 2021 möglich! Mit Beginn der Buchungen wird nur ein beschränktes Kartenkontingent aufgelegt. Sobald abzusehen ist, dass die Situation mehr Besucher zulässt, werden die Veranstalter darüber informieren.

Infos und Gruppenreservierungen sind ausschließlich telefonisch unter +43 7242 235 7040, Einzelreservierungen unter Tel. +43 664 495 06 85 sowie E-Mail figurentheater-wels(at)gmx.at möglich.

Zitate
Kulturstadtrat Johann Reindl-Schwaighofer, MBA: „Ich danke dem Organisationsteam, das dieses Festival trotz der großen Herausforderung durch Corona, in so hoher Qualität veranstalten wird. Wir brauchen solche Initiativen gerade in Zeiten, wo Kunstschaffende und Kulturinitiativen an den Rand ihrer Existenzmöglichkeiten gedrängt werden.“

Intendantin Gerti Tröbinger: „Im Bewusstsein, dass das Festival im März 2021 immer noch unter den besonderen Bedingungen der Corona-Pandemie ablaufen wird, werden alle Kräfte gebündelt, um Kunst und Kultur auch ‚live‘ wieder möglich zu machen. Es wird zwar nicht das bunte Treiben sein, das man ansonsten beim Figurentheater-Festival gewohnt ist, vielleicht sind die Spielstätten auch im März 2021 nur halb gefüllt. Trotzdem hoffen wir, dass das 29. Festival 2.0. nicht wieder ein ‚Lockdown-Opfer‘ wird – und wir 2022 dann das 30. Festival feiern können, und nicht etwa das 29. Festival 2.1.“

 

Bild (c) Alexander Hörbe