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Donnerstag, den 11. Februar 2021 07:00

Liebe Kultur, ruhe in Frieden


Vizebürgermeisterin Renate Heitz bei ihrer Trauerrede in Anwesenheit von Bürgermeister Baumberger

Statement zu den Entwicklungen in der Kultur aus Ansfelden

Am 8. Februar hat Bgm. Manfred Baumberger gemeinsam mit Kulturreferentin Vizebürgermeisterin Renate Heitz, dem Leiter des ABC Georg Wiesinger sowie vielen Kulturschaffenden und Menschen, die in der Kulturbranche arbeiten, vor dem ABC eine Kranzniederlegung vorgenommen: Dem Anton-Bruckner-Denkmal zu Füßen wurde der Trauerkranz mit der Aufschrift "Liebe Kultur! Ruhe in Frieden!" platziert.

Vizebürgermeisterin Renate Heitz hielt eine berührende Trauerrede, die unter die Haut ging, die wir hier wiedergeben möchten und die auch der Bürgermeister voll und ganz unterstützt:

"Seit 2. November 2020 - bezeichnender Weise dem Allerseelen-Tag - befindet sich die Kulturnation Österreich im 2. Kultur-Lockdown. Die Kulturveran- staltungen waren einer der ersten Bereiche, die damals wieder gänzlich verboten wurden. Morgen sind es 100 Tage, die seit diesem Einstellen der kulturellen Aktivitäten vor Publikum vergangen sind.

Ich will heute bei dieser Trauerkund- gebung um die österreichische Kultur nicht nur auf die psychischen Folgen dieses Verbotes hinweisen - ja, ich leide massiv unter dem Wegfall meiner Psychohygiene durch Kultur: ich vermisse das Lachen und das Nachdenken, zu dem mich die Kunst angeregt - das alles fehlt mir massiv - und ich merke auch, wie sehr es mittlerweile mehreren Menschen fehlt. Der Lockdown hat alle in eine seltsame Lethargie befördert, aus der uns die Kunst heraushelfen könnte - wenn man sie denn ließe.

Nein, der Kulturlockdown ist auch ein wirtschaftliches Problem, für die Menschen, die von ihren Auftritten bislang gelebt haben - und denen, die sie dabei unterstützt haben. Die werden seit 100 Tagen an ihrer Arbeit gehindert und für die, die nicht bei den großen Kulturtankern ihren Platz gefunden haben, wird’s schön langsam eng, weil sie von der Politik vergessen worden sind.

Bei der letzten Pressekonferenz war den 5 Männern, die uns dort die Welt erklärt haben, die Kultur keine nennenswerte Perspektive wert. Nicht einmal ein Perspektivchen….

Ja, der Kulturbereich kann sich's nicht leisten politische Parteien zu sponsern und hat dadurch - im Gegensatz zum Schibetrieb - das Nachsehen.

Meine Befürchtung: Wenn die Kultur dereinst von ihrem Grab wird auferstehen dürfen, wird manches für immer tot bleiben. Die kulturelle Vielfalt wird nicht vom Virus, dafür aber als Kollateralschaden von den Maßnahmen dahingerafft.

Es kann sein, dass diese Strukturbe- reinigung politisch gewünscht ist. Dann soll die Regierung das bitte auch deutlich sagen.

Wenn es nicht gewünscht ist, dann besteht dringender Handlungsbedarf, um zu retten, was noch zu retten ist!

Liebe Kultur, ruhe in Frieden. Wir werden Dir ein ehrendes Andenken bewahren!"

 

Bild (c) Stadtgemeinde Ansfelden


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