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Mittwoch, den 24. März 2021 07:00

Wenn Ideologie die Geschichte verkennt


Welser Venusstatue

Welser Venusstatute hat keine NS-Vergangenheit

„Über Geschmack lässt sich bekanntlich vortrefflich streiten. Ich bitte aber alle Kritiker, ihre Worte mit mehr Bedacht und Niveau zu wählen“. Mit diesen Worten reagiert Innenstadtreferentin Vizebürgermeisterin Christa Raggl-Mühlberger auf die Kritik an der kürzlich in der Schmidtgasse (Ecke Stadtplatz) aufgestellte Bronzestatue. Diese sei kein NS-Kultobjekt und habe mit der in den 1940er-Jahren entstandenen „Germania“ absolut nichts zu tun.

Die in der Schmidtgasse aufgestellte 125 cm große Bronzestatue ist eine originalgetreue Kopie der 15 cm großen Venusstatuette aus Bronze. Die Figur stellt die Venus dar, wie sie gerade dem Bade entstiegen ist. Mit der rechten Hand fasst sie eine Haarsträhne, und mit der linken hält sie einen Spiegel, von dem nur mehr der Griff erhalten ist.

Die Originalstatuette ist 15 cm groß, ein Meisterwerk des Bronzegusses und stammt aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christus. Im Vergleich dazu ist die Venus aus den 1940er-Jahren – auch bekannt als „Germania“ – eine 2,5 Meter große Statue aus Zinkguss, ihre rechte Hand weicht vom Original ab, und die Proportionen sind nach dem damaligen Zeitgeschmack wuchtiger gestaltet. Daher war dies nur eine Statue, die in Anlehnung an die Venus gemacht wurde.

Aufgrund der modernen 3D-Vermessung war es überhaupt erst möglich, die 15 cm große OriginalStatue in den Proportionen identisch auf 125 cm aufzuskalieren. Die vergrößerte Kopie der Figur soll an die Bedeutung der Stadt in der Römerzeit erinnern und zugleich auf die reichhaltige römerzeitliche Sammlung, die im Stadtmuseum Wels Minoriten ausgestellt ist, hinweisen.

Innenstadtreferentin Vizebürgermeisterin Christa Raggl-Mühlberger: „Die römische Venus stellt einen der bedeutsamsten römischen Funde dar, die Wels in seiner Ausstellung beherbergt. Es entlockt mir immer wieder ein Schmunzeln, wenn manche aus ideologischen Gründen die Geschichte verkennen, um damit politisches Kleingeld wechseln zu können.“

 

Bild (c) Stadt Wels