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Donnerstag, den 18. März 2021 07:00

Vielfalt in der Pflegeausbildung


Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer und Martin König informieren über die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten für Sozial- und Gesundheitsberufe.

Sozialressort finanziert mehr als 1.000 Ausbildungsplätze

Moderne und vielfältige Ausbildungen für Berufe in der Altenarbeit
Egal, ob für die Pflege zu Hause oder für die Pflege in stationären Pflegeeinrichtungen – es braucht in den nächsten Jahren immer mehr Personal. Deshalb hat das Land Oberösterreich im Jahr 2019 eine Pflegeoffensive gestartet und seither die Anzahl der jährlichen Ausbildungsplätze verdoppelt. Im Jahr 2021 stehen somit mehr als 1.000 kostenlose Plätze in verschiedenen Lehrgängen zur Verfügung.

Insgesamt finanziert das Sozialressort heuer 36 Lehrgänge zum/r Fachsozialbetreuer/in Altenarbeit (FSB „A“) sowie zwei Lehrgänge für Gesundheits- und Krankenpfleger/innen und zwei Lehrgänge für Pflegefachassistenz (PFA). Darüber hinaus stehen 14 Heimhilfe-Lehrgänge zur Verfügung, die teils vom AMS OÖ finanziert werden „Wir planen mit durchschnittlich 20 Plätzen pro Lehrgang. Bei 54 Lehrgängen im heurigen Jahr ermöglichen wir damit 1.080 Personen den Einstieg in eine kostenlose Pflegeausbildung. Bei Bedarf können die Plätze pro Lehrgang aber auch aufgestockt werden. Für die Finanzierung des gesamten Ausbildungsbereiches hat das Sozialressort rund 3,8 Millionen Euro budgetiert“, sagt Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer.

Derzeit absolvieren 1.323 Personen eine Ausbildung für einen Sozial- und Gesundheitsberuf (FSB A, DGKP, PFA, Vorbereitungslehrgang, HH) in 76 Lehrgängen

  • 60 FSB „A“-Lehrgänge mit 1.084 Teilnehmer/innen
  • 3 Vorbereitungslehrgänge (Dauer 2 Semester / 1 Schuljahr) mit 59 Teilnehmer/innen
  • 6 DGKP-Lehrgänge mit 125 Teilnehmer/innen (Grundausbildung oder Aufschulung)
  • 1 PFA-Lehrgang mit 18 Teilnehmer/innen
  • 6 Heimhilfe-Lehrgänge mit 96 Teilnehmer/innen

Flexible Ausbildungsmöglichkeiten
Es gibt mittlerweile die Möglichkeiten, sich bereits während der Ausbildung anstellen zu lassen, verkürzte Kompakt-Ausbildungen und Teilzeit-Ausbildungen für Menschen mit familiären Betreuungspflichten. Familie und Ausbildung sollen so leichter vereinbart werden können.

Dem Modell Ausbildung & Anstellung liegt ein Dienstverhältnis bei einem Heimträger im Stundenausmaß von 20 Wochenstunden zugrunde. 10 Stunden davon werden als Arbeitsleistung absolviert, 10 Stunden stehen für die Ausbildung zur Verfügung. Das Einstiegsgehalt entspricht den jeweiligen Kollektivverträgen und wird nach erfolgreichem Abschluss der unterschiedlichen Ausbildungsabschnitte (Heimhilfe, Pflegeassistenz) angepasst.

Existenzsicherung während der Ausbildung
Der größte Teil des Personals in der Altenarbeit sind Personen, die sich im Alter zwischen 30 und 40 Jahren umschulen lassen. Diese Personen haben bereits einen anderen Beruf erlernt und ausgeübt, sind hoch motiviert für den Sozialbereich und auf Grund ihrer Lebenserfahrung persönlich gefestigt. Für diese Gruppe ist es besonders wichtig, während der bis zu 3jährigen Ausbildungszeit – auch wenn die Ausbildung kostenlos ist – ein Einkommen zu haben, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Neben dem Stiftungsmodell steht seit 1. Jänner 2019 auch das Fachkräftestipendium wieder zur Verfügung. In diesem Fall erhält man während der Ausbildung vom AMS eine Förderung zur Finanzierung des Lebensunterhaltes. Mindestbetrag: 31,70 Euro pro Tag.

Implacementstiftung
Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, die Ausbildung über eine Arbeitsstiftung zu absolvieren. Dabei werden die Stiftungsteilnehmer/innen während der Ausbildung von einer Altenbetreuungseinrichtung begleitet. Ziel ist es, nach der Ausbildung dort ein Dienstverhältnis zu begründen. Vom AMS erhalten die Teilnehmer/innen eine Unterstützung für die Finanzierung des Lebensunterhaltes, mind. 27,26 Euro pro Tag. Zusätzlich wird an Stiftungsteilnehmer/innen ein ausbildungsbedingter monatlicher Zuschuss von 200,00 Euro ausbezahlt.

Junge Menschen für den Pflegeberuf begeistern
Der in Oberösterreich konzipierte Lehrgang „Junge Pflege“ ermöglicht jungen Interessierten, in den Pflegeberuf einzusteigen. Dieses Erfolgsmodell wird ebenfalls weitergeführt. Im September 2021 startet ein weiterer Lehrgang in Linz.

Mit dem Start des Pilotlehrgangs „Junge Pflege“ im Herbst 2018 wurde es Jugendlichen erstmals ermöglicht, direkt nach dem Pflichtschulabgang eine Ausbildung als Fach-Sozial-betreuerin und -betreuer Altenarbeit (FSB A) zu beginnen. Zuvor war das erst ab dem 17. Lebensjahr möglich. Die meisten Jugendlichen orientieren sich beruflich aber bereits nach dem Abschluss der Pflichtschule. Dadurch gingen viele sozial engagierte Jugendliche andere Wege und der beruflichen Tätigkeit in der Altenbetreuung verloren. Mit dem Lehrgang „Junge Pflege“ konnte Landesrätin Birgit Gerstorfer gemeinsam mit der Altenbetreuungsschule des Landes Oberösterreich eine gute Lösung entwickeln, die eine optimale Ausbildungsmöglichkeit für Jugendliche bietet.

„Es freut mich sehr, dass diese neue Ausbildungsform den Praxistest erfolgreich bestanden hat und von den Jugendlichen positiv angenommen wird. Das Pilotprojekt startete 2018 mit einer Klasse in Linz. Im Jahr darauf konnte ein weiterer Lehrgang in Linz begonnen werden und zusätzlich startete in Ried im Innkreis ein neuer Standort. Zum Schulstart am 14. September 2020 wurden zwei neue Lehrgänge gestartet. Einer in Linz mit 28 Teilnehmer/innen und ein weiterer am zusätzlichen Standort in Andorf mit einer Teilnehmer/innenanzahl von zehn Personen. Insgesamt konnten wir bereits 86 Jugendliche für eine Ausbildung in der Altenbetreuung gewinnen. Das ist ein wirklich toller Erfolg“, sagt Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer.

Bewerbung für Pflegeberufe – „Sinnstifter gesucht“
Schon jetzt gibt es in einzelnen Alten- und Pflegeheimen einen Personalmangel, dadurch können freie Pflegeplätze nicht belegt werden. Die Corona-Pandemie hat und wird die Situation noch weiter verschärfen. „Wir müssen deshalb alles tun, um für die Zukunft ausreichend qualifiziertes Pflegepersonal zu gewinnen. Neben der bereits begonnenen Ausbildungsoffensive werden wir die Kampagne „Sinnstifter“ zur Bewerbung von Pflegeberufen fortsetzen. Auf der Website www.sinnstifter.at finden sich alle Informationen zu den Ausbildungsmöglichkeiten sowie eine Übersicht der Lehrgänge, Infos zu den einzelnen Berufsbildern und die Kontaktadressen der Ausbildungsstätten und Praktikumsstellen. Es braucht eine intensive Bewerbung, damit genügend Menschen in der Pflege und Betreuung arbeiten wollen. Gemeinsam mit dem AMS werden verstärkt Arbeitssuchende aller Branchen angesprochen und gemeinsam mit der SoNE – Soziales Netzwerk GmbH über die Vorteile eines Pflegeberufes beraten“, sagt Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer.

Service- und Beratungsstelle für Ausbildungen in Sozial- und Gesundheitsberufen - SoNe Soziales Netzwerk GmbH
Seit vielen Jahren wird die SoNe als Anlaufstelle für diverse Fragen zum Thema Ausbildungen im Sozialbereich gesehen. „Nicht nur Interessentinnen und Interessenten wenden sich mit unterschiedlichsten Fragen an uns, auch Schulen, AMS-Regionalstellen, diverse Beratungsstellen (z.B. Frauenberufszentren, Migrationsvereine, Anbieter von Berufsorientierungslehrgängen), Heime und Träger holen bei der SoNe Informationen zu Themen rund um Ausbildung und Finanzierungsmöglichkeiten ein“, erklärt Martin König, Geschäftsführer der SoNe.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SoNe können im Bereich der Beratung auf ein breites Erfahrungswissen zurückgreifen – nicht zuletzt durch die jahrelange Beratung und Begleitung von TeilnehmerInnen der Altenheim-Implacementstiftung (ALIS). Das Beratungsangebot erstreckt sich auf alle Regionen Oberösterreichs.

Mit der Kampagne „Sinnstifter“ soll das Image der modernen Altenarbeit gehoben und klar kommuniziert werden. Die aktuellen Berufsbilder mit all ihren Chancen sollen öffentlich noch stärker wahrgenommen werden, um kurzfristig Ausbildungsinteressierte zu gewinnen und langfristig ein positives Image für Berufe in der Altenarbeit aufzubauen.

Attraktivere Arbeitsbedingungen und bessere Entlohnung für Pflegekräfte gefordert – Pflegereform des Bundes längst überfällig
Anfang 2019 hat die damalige türkis-blaue Bundesregierung verkündet, mit dem „Masterplan Pflege“ die dringend notwendige Reform des Pflegesystems anzugehen. Ziel war es, Ende 2019 ein fertiges Konzept samt zugehöriger Gesetze zu haben. „Es ist höchst an der Zeit, dass der Sozialminister Gespräche mit Bundesländern, Städten und Gemeinden aufnimmt. Berufe in der Altenpflege und -betreuung müssen attraktiver gemacht werden. Menschen, die in diesem anspruchsvollen Tätigkeitsbereich arbeiten und diesen mit hohem Einsatz ausüben, verdienen unsere Wertschätzung und Anerkennung. Vor allem auch eine angemessene Bezahlung und die Verbesserung der oft schwierigen Arbeitsbedingungent“, so Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer.

Leichterer Zugang zu Förderungen von Pflegeausbildungen
Für die Zukunft ist es notwendig, die Förderungen auszuweiten und die Zugänge zu den Förderungen zu erleichtern. Durch ein transparentes, zielgerichtetes System von Förderungen sollen die Ausbildungen für Berufseinsteiger, Berufsumsteiger aber auch im Rahmen von 2. Bildungswegen attraktiver werden.

Derzeit gibt es in der Bildungslandschaft der Sozialbetreuungs- und Pflegeberufe Unterstützung durch

  • Kostentragung für die Ausbildung der sozialversicherungsrechtlichen Absicherung und
  • Taschengeldregelungen während der Ausbildung
  • Unterstützung/Förderung während der Ausbildung (Implacementstiftung, Fachkräftestipendium, Beitrag zum Lebensunterhalt, etc.).

Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer richtet mit den Sozialreferent/innen der anderen Bundesländer an die Sozial-, Arbeits- und Bildungsminister die Forderung, österreichweit einen leichteren Zugang und eine Ausweitung der Förderungen für Ausbildungen im Bereich der Gesundheits- und Sozialbetreuungsberufe zu schaffen, um in Zukunft ausreichend Fachkräfte zu haben.

 

Bild (c) Land OÖ/Denise Stinglmayr